September 25, 2019 / 8:57 AM / 19 days ago

Noch ein Gebot für Osram? Was Bain und Advent planen

- von Alexander Hübner

The logo of German lighting manufacturer Osram is illuminated at the company's headquarters in Munich, Germany, September 16, 2019. REUTERS/Andreas Gebert

München (Reuters) - Der Finanzinvestor Bain Capital buhlt zusammen mit dem Rivalen Carlyle um den Münchner Lichtkonzern Osram.

Weil sich Carlyle Insidern zufolge gegen eine Aufstockung der Offerte wehrt, lotet Bain nun zusammen mit der Beteiligungsfirma Advent aus, ob sie der bisher überlegenen, 4,3 Milliarden Euro schweren Übernahmeofferte des österreichischen Chip-Herstellers AMS gemeinsam doch noch Paroli bieten können. Die Österreicher glauben allerdings nicht an ein Gegenangebot: Mit den Spekulationen darüber werde nur versucht, das Angebot von AMS zu vereiteln, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Dieses sei “die beste verfügbare Option für alle Beteiligten”.

AMS richtete zugleich einen Appell an die Osram-Aktionäre, die bisher kaum auf die Offerte eingegangen sind: Sie müssten jetzt ihre Aktien einreichen, um den Erfolg des Angebots sicherzustellen.

Doch am Ende könnten für Osram drei Übernahmeangebote gleichzeitig auf dem Tisch liegen - das gab es Experten zufolge bei einem deutschen Unternehmen noch nie. Ein Überblick:

KANN BAIN CAPITAL EINFACH DEN PARTNER WECHSELN?

Nein. Bain und Carlyle können ihr - chancenloses - Übernahmeangebot über 35 Euro je Aktie nicht mehr zurückziehen. Carlyle könnte auch nicht einfach zugunsten von Advent aus der Bietergesellschaft aussteigen. Das neue Duo aus Bain Capital und Advent müsste also ein neues - drittes - Angebot vorlegen. Damit würde sich Bain unter Umständen selbst Konkurrenz machen.

WANN MÜSSTEN BAIN UND ADVENT AKTIV WERDEN?

Die Zeit drängt. Denn die beiden vorliegenden Angebote für Osram laufen nur noch eine Woche, bis zum 1. Oktober. Zwar warten die großen Investoren oft bis zum letzten Tag mit einer Entscheidung. Doch mit jedem Tag des Zögerns schwinden die Chancen, dass Bain und Advent verhindern können, dass AMS wie geplant 62,5 Prozent der Osram-Aktien einsammelt. Nur darum geht es zunächst für die Finanzinvestoren. Mehr als die öffentliche Ankündigung eines neuen, höheren Angebots bekämen sie vor dem 1. Oktober nämlich nicht mehr hin. Denn die Wertpapieraufseher der BaFin brauchen bis zu zwei Wochen, um den Angebotsprospekt zu genehmigen.

WIE VIEL MÜSSTEN BAIN UND ADVENT BIETEN?

Mindestens 39 Euro je Osram-Aktie. Zumindest Bain hat sich gegenüber Osram verpflichtet, im Falle einer Aufstockung 50 Cent oer mehr auf ein bestehendes Angebot draufzulegen. AMS bietet 38,50 Euro. Die Österreicher könnten dann bis kommenden Montag (30. September) ebenfalls noch einmal nachbessern und damit die Annahmefrist automatisch bis zum 15. Oktober verlängern. Nach den Regularien hat AMS innerhalb der letzten zwei Wochen der Frist allerdings nur noch einen Schuss frei.

WIE KÖNNTEN BAIN UND ADVENT ZEIT GEWINNEN?

Mit einem Trick könnten sie die Annahmefrist selbst um zwei Wochen ausdehnen. Bain müsste nur ein unwesentliches Detail am Angebot mit Carlyle verändern, zum Beispiel die Annahmeschwelle um ein halbes Prozent senken. Dabei müsste allerdings Carlyle mitspielen. Dann liefen beide Angebote bis 15. Oktober - Zeit genug für Bain und Advent, ihre neue Offerte vorzulegen. Dann liefen drei Angebote parallel.

Andererseits könnte es ihnen gelegen kommen, wenn die Frist für AMS wie geplant am 1. Oktober abläuft. Wenn die Österreicher scheitern, dürften sie für ein Jahr keinen neuen Anlauf nehmen und wären endgültig aus dem Rennen - es sei denn, Osram würde ihnen ausdrücklich ein neues Übernahmeangebot erlauben. Doch das würde der Münchner Konzern nur dann tun, wenn AMS deutlich mehr böte. AMS könnte seinerseits ein Scheitern verhindern, indem das Unternehmen die Annahmeschwelle radikal senkt. Dabei müssten aber die Banken mitspielen - eher unwahrscheinlich.

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