September 24, 2011 / 11:57 AM / 8 years ago

Papst verspricht Missbrauchs-Opfern Aufarbeitung

Erfurt (Reuters) - Papst Benedikt XVI. hat sich nach einem Treffen mit Opfern sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche “bewegt und erschüttert” von der Not der Betroffenen gezeigt.

Nach Angaben des Vatikans versicherte der Papst bei der Begegnung am späten Freitagabend, den Verantwortlichen in der Kirche sei an der Aufarbeitung aller Missbrauchsdelikte gelegen. Die Kirche sei zudem bemüht, wirksame Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Opferverbände kritisierten das Treffen dagegen als eine “bedeutungslose Geste”. Sie führe lediglich dazu, dass sich eine Handvoll misshandelter Personen für eine Weile besser fühlten, sagte der Sprecher des internationalen Netzwerks von Missbrauchs-Opfer in der katholischen Kirche (SNAP) am Samstag.

Für das Treffen waren drei Männer und zwei Frauen aus der gesamten Bundesrepublik ausgewählt worden, denen der Papst nach Angaben des Vatikans sein “tiefes Mitgefühl und Bedauern” zum Ausdruck brachte. Dabei habe es sich sowohl um Opfer sexueller Vergehen wie auch um Opfer von Missbrauch in Heimen gehandelt, sagte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Matthias Kopp, im Deutschlandfunk. Das “hochemotionale und sehr persönliche Gespräch” habe den Papst und offenkundig auch die Opfer sehr tief beeindruckt.

Der Beauftragte der Bischofskonferenz für den Missbrauchsskandal, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, sagte in Erfurt, bei dem Treffen sei “kein Blatt vor den Mund genommen” worden. Die Verfehlungen seien offen angesprochen worden. Dem Heiligen Vater sei seine Beschämung und sein Schmerz deutlich anzumerken gewesen. Trotz seines anstrengenden Tages habe der 84-Jährige sehr aufmerksam zugehört. Die Begegnung hatte nach der Rückkehr von der Marienvesper in Etzelsbach stattgefunden.

Opfer-Sprecher Henckens kritisierte, das Treffen sei eine “eher schöne, doch letztlich bedeutungslose Geste eines Mannes, der sehr leicht Kinder schützen könnte, aber sich weigert, dies zu tun”. Mit Theologen gegensätzlicher Auffassung gehe er um wie “Gottes Rottweiler”, mit “Verbrecher-Priestern” aber wie eine Miezekatze. Priester müssten endlich aufhören, Kinder zu belästigen. Auch Vertuschungen durch Bischöfe müssten aufhören. Wie schon in Berlin gingen auch in Erfurt Missbrauchsopfer auf die Straße, um gegen die aus ihrer Sicht mangelnden Bemühungen der Kirche zu demonstrieren.

In den vergangenen Jahren waren eine ganze Reihe von Fällen bekanntgeworden, bei denen sich katholische Würdenträger in Deutschland und anderen Ländern an Kindern und Jugendlichen etwa in Internaten vergangen hatten. Das Treffen abseits des vollgepackten offiziellen Besuchsprogramms hatte im Vorfeld bereits als wahrscheinlich gegolten. Ort und Zeitpunkt waren aber geheim gehalten worden. Auch bei Reisen in andere Länder hatte es solche Begegnungen gegeben. In Großbritannien im vergangenen Jahr hatte sich der Papst bei den Opfern entschuldigt und betont, pädophile Geistliche hätten Schande und Erniedrigung über die katholische Kirche gebracht.

In Reden und Ansprachen während seiner Deutschlandreise war der Papst bislang nur indirekt auf den Skandal eingegangen, in dessen Folge in Deutschland vergangenes Jahr eine Rekordzahl von 181.000 Katholiken aus der Kirche ausgetreten war. Die Mitglieder rief er auf, der Kirche bei aller Enttäuschung nicht den Rücken zu kehren. Im Netz des Herrn gebe es gute und schlechte Fische. Koppe versicherte, die Kirche werde ihrer Pflicht nachkommen, materielle Entschädigung zu zahlen.

Der Papst reiste nach einer Heiligen Messe in Erfurt am Samstag weiter nach Freiburg. Auf dem Münsterplatz sollte sich das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche in einem Grußwort an die Stadtbevölkerung wenden. Anschließend stehen Treffen mit dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und dem Präsidium des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK) auf dem Programm. Beschließen soll den Tag am Abend eine Gebetsvigil mit tausenden Jugendlichen auf dem Freiburger Messegelände. Der Deutschlandbesuch des Papstes endet am Sonntag.

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