July 3, 2018 / 1:58 PM / 13 days ago

Bundesregierung startet Initiative gegen Pflegenotstand

Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung will mehr Menschen für den Pflegeberuf gewinnen.

A resident holds the hand of a nurse at the SenVital elderly home in Kleinmachnow outside Berlin May 28, 2013. Facing an acute shortage of skilled applicants among its own workforce, German institutions in the care sector increasingly turn to southern European countries to hire trained nursing staff who are willing to work abroad despite the language barrier in order to escape unemployment at home. The SenVital home for the elderly outside Berlin has accepted five qualified nurses from Spain as their staff, providing eight months of language training and additional care schooling needed to attain the German nursing concession. Some 100 Spaniards applied for the ten vacancies SenVital had advertised across its various houses. REUTERS/Thomas Peter (GERMANY - Tags: HEALTH BUSINESS EMPLOYMENT)

Die Minister Jens Spahn (Gesundheit), Franziska Giffey (Familie) und Hubertus Heil (Arbeit) starteten am Dienstag eine konzertierte Aktion Pflege, die innerhalb eines Jahres konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der Pflegepersonen erarbeiten soll. Beteiligt sind Bund und Länder sowie Verbände, Kirchen, Pflege- und Krankenkassen, Berufsgenossenschaft, Bundesagentur für Arbeit und Sozialpartner.

“Wir wollen mehr Menschen dazu bringen, diesen verantwortungsvollen Beruf zu ergreifen”, sagte Spahn. Der Pflegeberuf müsse attraktiver werden, die Arbeitsbedingungen und der Arbeitsalltag müssten verbessert werden. Gerade auch Menschen, die aus dem Job ausgestiegen seien, müssten zurückgewonnen werden. “Wir wollen Pflegekräfte ermuntern, in den Job zurückzukehren oder wieder Vollzeit darin zu arbeiten.” Ein Baustein sei die Fachkräfteanwerbung im Ausland. Es gebe Länder in Europa mit einer jungen Gesellschaft, wo es eine gute Pflegeausbildung gebe. In Albanien etwa liege das Durchschnittsalter bei 29 und im Kosovo bei 26. Pflegekräfte fänden dort oft keine Anstellung. Visa und Anerkennungsverfahren müssten für diese Personen schneller gehen.

Giffey sagte, auf 100 offene Stellen kämen in Deutschland nur 28 arbeitslos gemeldete Altenpflegerinnen und Altenpfleger. Die meisten Menschen in dem Job wünschten sich mehr Zeit. “Pflegen nach der Stoppuhr muss ein Ende haben”, sagte sie. Die SPD-Politikerin kündigte eine Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive ihres Ministeriums an. Menschen aller Altersgruppen sollten für den Pflegeberuf gewonnen werden. Dazu solle gezielt auf junge Leute zugegangen werden.

Heil sagte, es handele sich bei der Pflege um einen harten und qualifizierten Job, der besser bezahlt werden müsse. In der Altenpflege seien aber 80 Prozent der Beschäftigen nicht tarifgebunden. Daher sei mehr Tarifbindung erforderlich, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Notwendig sei ein Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz für qualifizierte Zuwanderung. Auch die in den vergangenen Jahren ins Land gekommenen Personen böten großes Potenzial. “Vielleicht schieben wir manchmal die Falschen ab und müssten uns um ein paar kümmern, die gerade eine Ausbildung begonnen haben”, sagte der SPD-Politiker.

Spahn stellte für eine größere Attraktivität des Pflegeberufs höhere Ausgaben in Aussicht. Allein aufgrund von Verbesserungen in den vergangenen Jahren müsse der Beitrag wie angekündigt um 0,3 Prozentpunkte steigen. Wenn die geplanten Maßnahmen aus dem Koalitionsvertrag und der konzertierten Aktion hinzukämen, ergebe sich ein darüber hinausgehender Finanzierungsbedarf. Am Ende werde man sehen müssen, ob alles Wünschenswerte auch machbar und umsetzbar sei und wie dies gerecht aufgeteilt werde. Man könne aber nicht zuerst nach dem Finanzminister rufen. Heil unterstrich, bei der Finanzierung gehe es immer um eine Balance zwischen Beiträgen, Steuern und dem Eigenanteil der Menschen. Es bestehe aber eine breite gesellschaftliche Akzeptanz, dass mehr Geld für Gesundheit und insbesondere Pflege ausgegeben werden sollte.

Spahn ließ offen, ob es für Rückkehrer oder Stundenaufstocker eine Prämie geben solle, wie sie der Pflegebeauftragte Andreas Westerfellhaus vorgeschlagen hatte. Dies sei Gegenstand der Beratungen.

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