August 17, 2009 / 5:36 PM / 9 years ago

RWE greift nach polnischem Versorger Enea

Düsseldorf/Warschau (Reuters) - Der Energiekonzern RWE will sein Wachstum mit der Übernahme des drittgrößten polnischen Versorgers Enea vorantreiben.

Konzernchef Jürgen Großmann geht damit nach der geplanten Übernahme des niederländischen Versorgers Essent erneut im Ausland in die Offensive. “Wir haben ein nicht bindendes Angebot für 67,05 Prozent von Enea abgegeben”, sagte eine Konzernsprecherin am Montag. Die polnische Regierung hatte nach eigenen Angaben zwei Angebote für den drittgrößten Versorger des Landes vorliegen, erwähnte jetzt aber nur noch RWE als Verhandlungspartner. Der Marktwert des Enea-Anteils liegt bei rund 1,5 Milliarden Euro.

“Wir glauben, dass RWE ein starker Partner für Enea ist”, sagte der Chef von RWE Polska, Filip Thon. RWE kenne den polnischen Markt gut. Thon hatte bereits vor knapp einem Jahr in einen Reuters-Interview erklärt, dass RWE in Polen eine Mehrheitsbeteiligung anstrebe. Der Konzern wolle am Wachstum des rasant zulegenden Strommarktes in Polen teilhaben. Nach Konzernangaben hängt der weitere Verlauf des Verfahrens von der Prüfung der Bücher von Enea ab, die noch bevorstehe. Über den Zeitplan und die Höhe des Angebots machte RWE keine Angaben.

Die Regierung in Warschau hatte zunächst neben RWE auch den französischen Konzern GDF Suez als Interessenten genannt, der nun aber nicht mehr ins Spiel gebracht wurde. Der ebenfalls genannte schwedische Vattenfall-Konzern, der schon 19 Prozent an Enea hält, hatte am Freitag abgewinkt. Gleiches gilt für den tschechischen Versorger CEZ.

ANALYSTEN: ENEA WÜRDE GUT ZU RWE PASSEN

RWE hatte sich erst in der vergangenen Woche zusätzlich Mittel in Höhe von 460 Millionen Euro verschafft, indem der Konzern weitere 20 Prozent an seiner US-Tochter American Water abstieß. Der Konzern verfüge über Mittel für weitere Akquisitionen, hieß es in einem Marktkommentar des Brokerhauses Equinet. Enea würde strategisch gut zu dem Essener Versorger passen, da der Konzern nahe des deutschen Heimatmarktes operiere, schrieben die Experten von M.M. Warburg.

RWE ist bereits seit Jahren in Polen vertreten und versorgt dort rund 880.000 Kunden mit Strom. Der Konzern hat nach eigenen Angaben einen Anteil von 5,5 Prozent am Strommarkt des Landes. RWE will in dem Nachbarland zusammen mit dem Bergbaukonzern Kompania Weglowa ein Steinkohlekraftwerk mit einer Leistung von 800 Megawatt errichten.

Derzeit treibt RWE die einschließlich Schulden 9,3 Milliarden Euro teure Übernahme des niederländischen Versorgers Essent voran. Der seit 2007 amtierende Vorstandschef Großmann will den Zukauf in den Niederlanden im dritten Quartal abschließen. Seinem Vorgänger Harry Roels war jahrelang vorgehalten worden, im Vergleich etwa zum Konkurrenten E.ON zu zögerlich bei Übernahmen vorzugehen.

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