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Wirtschaftsnachrichten

Preise fallen in Deutschland - Größtes Minus seit 2015

An illustration picture shows a one euro coin, April 8, 2017. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Berlin (Reuters) - Die gesenkte Mehrwertsteuer und fallende Energiekosten haben die deutschen Verbraucherpreise im September so stark sinken lassen wie seit über fünfeinhalb Jahren nicht mehr.

Sie gaben um 0,2 Prozent zum Vorjahresmonat nach, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Das war der größte Rückgang seit Anfang 2015. Im August hatte die Teuerung noch bei null Prozent gelegen, im Juli bei minus 0,1 Prozent. “Die Inflationsrate ist unter anderem durch die seit 1. Juli 2020 geltende Mehrwertsteuersenkung beeinflusst”, erklärte das Statistikamt. Diese wurde als Maßnahme des Konjunkturpakets der Bundesregierung im Kampf gegen die Corona-Krise zum 1. Juli für ein halbes Jahr von 19 auf 16 Prozent zurückgenommen, was den Konsum ankurbeln soll. Viele Unternehmen haben zugesagt, die Senkung voll an die Kunden weiterzugeben.

Für die Europäische Zentralbank (EZB) sind sinkende Preise in der größten Volkswirtschaft der Währungsunion ein Problem, strebt sie doch eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an. “Es zeigt sich einmal mehr, dass die massive Ausweitung der fiskalischen Maßnahmen und die extrem lockere Geldpolitik noch nicht auf das Preisgeschehen durchwirkt”, sagte Helaba-Experte Ulrich Wortberg. EZB-Präsidentin Christine Lagarde macht dafür den stärkeren Euro-Kurs mitverantwortlich: Durch dessen spürbare Aufwertung in diesem Jahr werden Importe aus Übersee billiger. Lagarde signalisierte, dass die Währungshüter nachlegen könnten im Kampf um stabile Preise - indem sie etwa noch mehr Geld in die Wirtschaft pumpen.

Waren verbilligten sich im September um durchschnittlich 1,7 Prozent. Dabei fielen die Energiepreise mit 7,1 Prozent besonders kräftig. Nahrungsmittel verteuerten sich nur noch um 0,6 Prozent, nachdem der Preisaufschlag im August noch bei 0,7 Prozent gelegen hatte. Dienstleistungen kosteten 1,0 Prozent mehr als vor Jahresfrist, wobei die Nettokaltmieten erneut um 1,4 Prozent zulegten.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagt für das Gesamtjahr 2020 eine durchschnittliche Teuerungsrate von 0,6 Prozent voraus. Im kommenden Jahr sollen die Verbraucherpreise dann mit 1,4 Prozent mehr als doppelt so schnell steigen - auch weil die Mehrwertsteuer ab Januar wird angehoben wird.

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