August 14, 2008 / 11:46 AM / 11 years ago

FOKUS 1-Deutsche Inflation bleibt im Juli auf 15-Jahres-Hoch

Berlin, 14. Aug (Reuters) - Teure Energie und Nahrungsmittel haben die Inflation in Deutschland auf dem höchsten Niveau seit fast 15 Jahren gehalten. Die Verbraucherpreise stiegen im Juli wie schon im Juni um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, bestätigte das Statistische Bundesamt am Donnerstag seine erste Schätzung von Ende Juli. Einen kräftigeren Anstieg hatte es zuletzt im Dezember 1993 gegeben. Auch in der Euro-Zone blieb die Teuerung hoch: Der Anstieg der Lebenshaltungskosten verharrte mit 4,0 Prozent auf dem Rekordniveau von Juni. Dies dürfte der Europäischen Zentralbank (EZB) weiter Kopfschmerzen bereiten, da sie stabile Preise mittelfristig nur bei einer Inflationsrate von unter zwei Prozent gewährleistet sieht.

Energie und Nahrungsmittel sorgten in Deutschland für zwei Drittel der gesamten Teuerung: Energie legte um 15,1 Prozent zu, Lebensmittel kosteten acht Prozent mehr als vor einem Jahr. Wegen des zuletzt sinkenden Ölpreises dürfte die Inflation Fachleuten zufolge demnächst aber wieder nachlassen.

Bisher bleibt das teure Öl aber Preistreiber Nummer eins. Sprit verteuerte sich um 15,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, Heizöl um fast 60 Prozent, Strom um 6,8 Prozent und Gas um 8,1 Prozent. Ohne Heizöl und Kraftstoffe hätte die Teuerungsrate bundesweit lediglich 1,9 Prozent betragen.

FALLENDER ÖLPREIS DÜRFTE INFLATION BALD SINKEN LASSEN

Ein Fass Rohöl kostete Mitte Juli mit mehr als 147 Dollar so viel wie noch nie. In der zweiten Monatshälfte sank der Preis zwar spürbar und liegt derzeit um gut 30 Dollar unter seinem Rekordhoch. In den Inflations-Daten von Juli machte sich dies aber noch nicht bemerkbar, weil die Statistiker die Preise schon zur Monatsmitte auswerten. “Der Rückgang des Ölpreises wird sich in den August-Zahlen niederschlagen”, sagte Ralph Solveen von der Commerzbank. Dann werde die Teuerung eher wieder unter drei Prozent fallen. In den kommenden Monaten dürfte die Inflation weiter nachlassen, bleibe aber stark abhängig vom Ölpreis, sagte Solveen. Günstigere Lebenshaltungskosten könnten auch dem privaten Verbrauch auf die Sprünge helfen. Hier sei ein Schub aber erst mit einer gewissen Zeitverzögerung zu erwarten.

Zuletzt hatten hohe Verbraucherpreise den Bürgern die Kauflaune genommen. Denn im Alltag sehen sie sich mit steigenden Preisen für Lebensmittel konfrontiert. So kosteten Milchprodukte und Eier 18 Prozent mehr als vor einem Jahr: Für Quark mussten die Menschen fast 30 Prozent mehr bezahlen, Brot verteuerte sich um gut neun Prozent, Nudeln um etwa 30 Prozent. Auch eine Tafel Schokolade kostete 15 Prozent mehr als im Juli 2007. Nur die Fischpreise zogen mit 1,4 Prozent weniger an als der Durchschnitt.

Entlastend für die Geldbeutel der Verbraucher wirkten sich die Preise für Bekleidung und Schuhe aus, die um 0,9 Prozent sanken. Computer verbilligten sich um rund 16 Prozent.

Von Juni auf Juli zogen die Preise um 0,6 Prozent an, was die Statistiker mit den zu Ferienbeginn üblichen Aufschlägen bei Pauschalreisen und Übernachtungen begründeten. Nahrungsmittel verteuerten sich binnen Monatsfrist im Schnitt um 0,3 Prozent, wobei sich saisonal bedingt Gurken und Salat verbilligten.

Der für europäische Vergleichszwecke berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex stieg um 0,7 Prozent zum Vormonat und um 3,5 Prozent zum Vorjahr.

kla/amc

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