May 31, 2019 / 2:10 PM / 3 months ago

Deutsche Inflation rauscht nach unten - "Zinserhöhung nicht abzusehen"

100 Euro Banknotes are seen at the Money Service Austria company's headquarters in Vienna, Austria, November 16, 2017. REUTERS/Leonhard Foeger

Berlin (Reuters) - Der Preisauftrieb in Deutschland hat vor der anstehenden Zinssitzung der EZB deutlich nachgelassen.

Die Inflationsrate fiel im Mai auf 1,4 Prozent von 2,0 Prozent im April, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in einer ersten Schätzung mitteilte. Grund für die starken Ausschläge der vergangenen Monate ist nach Ansicht von Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen der späte Zeitpunkt von Ostern und Pfingsten, der sich insbesondere bei den Preisen für Pauschalreisen niedergeschlagen habe. Die EZB, die am Donnerstag über den Leitzins entscheidet, strebt für die Euro-Zone mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp zwei Prozent als Idealwert für die Konjunktur an.

Ökonom Sebastian Wanke von der Förderbank KfW erwartet jedoch nicht, dass dieses Jahr nochmals eine Zwei bei der Inflationsrate vor dem Komma stehen wird. “Um wieder in ihre Reichweite zu kommen, müsse es zuvor eine klare Trendwende in der Konjunkturdynamik geben.” Doch die zeichnet sich nicht ab. Insgesamt droht der Wirtschaft 2019 ein eher maues Jahr. Die schwächelnde Weltkonjunktur, Unsicherheiten wie Brexit und Handelskonflikte belasten die Geschäfte. “Das verdeutlicht das ganze Ausmaß des Dilemmas, in dem sich die EZB derzeit befindet. Jedenfalls sind mit solchen Inflationsaussichten für Deutschland als größter Ökonomie des Euroraums Leitzinserhöhungen nicht abzusehen”, so Wanke.

Inflation sei derzeit in den Industrienationen kein Thema von besonderer Brisanz, sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Die Teuerungsentwicklung verlaufe äußerst träge. Online-Shops und neue digitale Dienstleistungen verbilligten ganze Produktgruppen: “Darüber hinaus bleiben deutliche Lohnsteigerungen aus. Ein Ende der Null- und Negativzinsen zeichnet sich deshalb vorerst nicht ab.”

Darin ist sich der Ökonom mit vielen Börsianern einig, die bei der auswärtigen Sitzung der EZB am Donnerstag im litauischen Vilnius allerdings gespannt auf Details zu den geplanten neuen Billig-Krediten für Geschäftsbanken (TLTROs) warten. Die EZB hatte im März angekündigt, eine neue Runde gezielter Langfrist-Geldsalven abzufeuern. Sie sollen ab September vierteljährlich aufgelegt werden. Damit will die EZB Institute zur stärkeren Vergabe von Darlehen an die Wirtschaft anregen. Die genauen Zinskonditionen und Anreize stehen noch nicht fest. Bei der vorangegangenen Serie, die im März 2016 beschlossen wurde, hatten Institute die Gelder zum Nulltarif erhalten. Ihnen winkte zudem eine Prämie von bis zu 0,4 Prozent, wenn sie nachweislich mehr Kredite an die Wirtschaft ausreichten.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below