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Wirtschaftsnachrichten

Deutsche Inflation stagniert wegen Mehrwertsteuersenkung

Euro currency bills are pictured at the Croatian National Bank in Zagreb, Croatia, May 21, 2019. Picture taken May 21, 2019. REUTERS/Antonio Bronic

Berlin (Reuters) - Die gesenkte Mehrwertsteuer drückt auch im August auf die deutsche Inflation.

Die durchschnittlichen Verbraucherpreise für Waren und Dienstleistungen stagnierten im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Im Juli war die Jahresteuerung wegen der Steuererleichterung mit 0,1 Prozent erstmals seit 2016 negativ. Auch in den nächsten Monaten dürfte die Inflationsrate um die Nullmarke pendeln, sagte LBBW-Chefökonom Uwe Burkert. “Erst zum Jahresbeginn 2021 geht es voraussichtlich wieder merklicher nach oben.” Die gelte, wenn die Regierung die Steuer ab Januar wieder auf das alte Niveau anhebe - “was angesichts der anhaltenden Risiken durch die Corona-Krise noch nicht ausgemacht scheint”.

Die Bundesregierung senkt die Mehrwertsteuer im Kampf gegen die Corona-Rezession für sechs Monate, um Konsum und Konjunktur anzuschieben. Der reguläre Steuersatz fällt von 19 auf 16 Prozent, der ermäßigte von sieben auf fünf Prozent. Viele Unternehmen haben versprochen, die Senkung voll an die Kunden weiterzugeben. Chefökonom Jörg Zeuner von Union Investment erklärte, “übliche saisonale Preismuster sind gestört” und Sondereffekte wie bei der Mehrwertsteuer verzerrten das Bild. Insgesamt dürfte die Inflation in Deutschland und der Euro-Zone vorerst dauerhaft niedrig bleiben. “Die preisdämpfenden Effekte einer nur allmählich zurückgehenden Arbeitslosigkeit und der allgemeinen Unsicherheit, die Konsum und Investitionstätigkeit dämpft, überwiegen.”

Waren verbilligten sich im August spürbar um durchschnittlich 1,3 Prozent. Dabei fielen die Energiepreise mit 6,3 Prozent besonders kräftig. So verbilligten sich leichtes Heizöl in Nordrhein-Westfalen um gut 31 Prozent und Tanken in Bayern um rund zwölf Prozent. Nahrungsmittel verteuerten sich bundesweit mit 0,7 Prozent deutlich weniger als etwa im Mai/Juni, als es noch Preisaufschläge von jeweils mehr als vier Prozent gab. Dienstleistungen kosteten ein Prozent mehr als vor Jahresfrist und die Wohnungsmieten legten erneut um 1,4 Prozent zu. Von Juli auf August sanken die gesamten Preise 0,1 Prozent.

Helaba-Analyst Ralf Umlauf erklärte, mittel- und langfristig könne man ein “Mehr an Inflation” nicht ausschließen - “gerade vor dem Hintergrund der veränderten Zielsetzung der US-Notenbank Fed und der Diskussion um die Strategie der Europäischen Zentralbank EZB”. EZB-Direktorin Isabel Schnabel sieht derweil trotz des jüngsten Anstiegs der Corona-Zahlen derzeit keinen Bedarf für eine weitere Aufstockung des Krisen-Anleihenprogramms PEPP. Die Konjunktur-Projektionen spielten natürlich eine wichtige Rolle, sagte die deutsche Ökonomin der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Montag veröffentlichten Interview: “Aber im Moment sieht der Rahmen beim PEPP angemessen aus.” Die EZB sieht eine Inflation von knapp unter zwei Prozent als ideal für die Konjunktur an.

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