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Wirtschaftsnachrichten

Deutsche Produktion sinkt überraschend - "Könnte zäh werden"

FILE PHOTO: Steel workers of ThyssenKrupp walk through the hall of the rolling mill of its steel factory in Duisburg, Germany, January 30, 2020. REUTERS/Wolfgang Rattay

Berlin (Reuters) - Auf ihrem Weg aus der Corona-Krise hat die deutsche Wirtschaft einen unerwarteten Rückschlag erlitten: Die Unternehmen drosselten ihre Produktion im August nach zuvor drei Anstiegen in Folge, da vor allem die Autobauer weniger herstellten.

Industrie, Bau und Energieversorger fuhren ihre Erzeugung zusammen um 0,2 Prozent zum Vormonat herunter, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hingegen hatten mit einem Wachstum von 1,5 Prozent gerechnet, nach plus 1,4 Prozent im Juli. Im Vergleich zum Februar 2020 - dem Monat vor Beginn der Corona-bedingten Einschränkungen - ist die Produktion noch um 10,8 Prozent niedriger.

Das Bundeswirtschaftsministerium geht nur von einem kurzen Dämpfer aus: “Die wieder bessere Stimmung in den Unternehmen, die anziehenden Auftragseingänge und die gesunkene Kurzarbeit sprechen dafür, dass sich der Aufholprozess fortsetzt.” Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ist da vorsichtiger. “Die Nachholeffekte aufgrund der Produktionsausfälle im Frühjahr scheinen auszulaufen und die Inlandsnachfrage flaut ab”, sagte DIHK-Experte Ilja Nothnagel. “Auch die nächsten Monate könnten für die Industrie zäh werden. Die Entwicklung gerade im internationalen Geschäft ist mit großen Unsicherheiten verbunden.” Eine Hängepartie nach der US-Wahl, ein harter Brexit und nicht zuletzt das Wiederaufflammen der Corona-Krise bei wichtigen Handelspartnern könnten der Wirtschaft zusetzen.

Die exportabhängige Industrie allein drosselte ihre Produktion im August um 0,7 Prozent. Das lag vor allem daran, dass ihre größte Branche - die Automobilindustrie - ihre Erzeugung um 12,5 Prozent herunterfuhr. “Ausschlaggebend hierfür dürfte die in diesem Jahr recht späte Lage der Werksferien in der Automobilindustrie gewesen sein, die die Produktion im August wesentlich stärker beeinträchtigt haben als dies sonst der Fall ist”, sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen.

“ERHOLUNG IST AUSGEMACHTE SACHE”

Die Industrie zog zuletzt vier Monate in Folge mehr Aufträge an Land, nachdem sie wegen der Corona-Rezession im In- und Ausland schwere Einbrüche verzeichnet hatte. In den kommenden Monaten erwarten die Industriebetriebe einen Anstieg ihrer Produktion. Der Ifo-Indikator dazu stieg im September um 5,2 auf 20,8 Punkte.

Trotz des unerwarteten Rückschlags bei der Produktion dürfte die deutsche Wirtschaft im gerade beendeten Sommerquartal kräftig gewachsen sein. Die bisher vorliegenden Daten signalisierten ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von sieben bis acht Prozent, sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees: “Die gute Nachricht ist, dass die Erholung im dritten Quartal trotz der jüngsten Schwäche eine ausgemachte Sache ist.” Im Frühjahr war die Wirtschaftsleistung wegen der Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie im Rekordtempo von 9,7 Prozent eingebrochen.

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