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Wirtschaftsnachrichten

Deutsche Produktion wächst erneut - "Zweigeteilte Konjunktur"

A steel worker of ThyssenKrupp stands amid sparks of raw iron coming from a blast furnace at a ThyssenKrupp steel factory in Duisburg, western Germany, January 30, 2020. REUTERS/Wolfgang Rattay

Berlin (Reuters) - Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im September den fünften Monat in Folge gesteigert.

Industrie, Bau und Energieversorger fuhren ihre Erzeugung zusammen um 1,6 Prozent hoch, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Ökonomen hatten mit einem Wachstum von 2,7 Prozent gerechnet. Allerdings wurde das Ergebnis vom August nach oben korrigiert: Statt des zunächst gemeldeten Rückgangs von 0,2 Prozent ergab sich nun ein Wachstum von 0,5 Prozent. “Das Produzierende Gewerbe kämpft sich Schritt um Schritt zurück”, schrieb das Ministerium. Im Vergleich zum Februar - dem Monat vor Beginn der ersten Corona-Welle - ist die Produktion noch um 8,4 Prozent niedriger.

Ob der Schwung ausreicht, um Europas größte Volkswirtschaft im laufenden Herbstquartal vor einem erneuten Schrumpfen zu bewahren, ist ungewiss. Seit Montag gelten neue Einschränkungen, die vor allem die Dienstleister treffen. “Vermutlich gibt es in den kommenden Monaten eine zweigeteilte Konjunktur: robust in der Industrie, gefährdet im Dienstleistungsbereich mit großer Personennähe durch Lockdown und freiwilliges Abstandhalten der Kunden”, sagte LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch. Eine schwere Rezession wie im ersten Halbjahr befürchten Experten aber nicht. “Die Industrie wird dazu beitragen, dass sich das zu befürchtende Minus beim Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal in Grenzen halten wird”, sagte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen.

Die exportabhängige Industrie allein fuhr ihre Produktion im September um 2,0 Prozent hoch. Sie zog zuletzt fünf Monate in Folge mehr Aufträge an Land, nachdem sie wegen der Corona-Rezession im In- und Ausland schwere Einbrüche verzeichnet hatte. “Die Auftragseingänge und das Geschäftsklima sprechen für die Fortsetzung des Erholungsprozesses, auch wenn dieser Pfad angesichts des Pandemiegeschehens noch steiniger wird”, betonte das Ministerium.

So trübten sich die Produktionserwartungen für die kommenden Monate zuletzt ein. Das entsprechende Barometer fiel im Oktober um 2,6 auf 17,4 Punkte, wie aus der Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts hervorgeht. “Die Industrie fährt das Tempo etwas herunter. Generell plant jedoch eine Mehrzahl der Branchen, ihre Produktion auszuweiten”, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. “Inwieweit die aktuellen Lockdown-Maßnahmen auf die Industrie durchschlagen werden, bleibt abzuwarten.”

Das Bruttoinlandsprodukt ist im Sommerquartal im Rekordtempo von 8,2 Prozent gewachsen, nachdem es im Frühjahr wegen der Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie mit 9,7 Prozent so stark gefallen war wie noch nie. Im laufenden Quartal rechnen Experten mit einem Rückschlag wegen der neuen Corona-Beschränkungen.

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