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ProSiebenSat.1 enttäuscht Anleger - Aktie stürzt ab
9. November 2017 / 15:18 / in 11 Tagen

ProSiebenSat.1 enttäuscht Anleger - Aktie stürzt ab

München (Reuters) - ProSiebenSat.1 hat wenige Wochen vor Jahresende noch einmal seine Geschäftserwartungen für 2017 gestutzt und damit die Anleger vergrätzt.

The logo of Germany's biggest commercial broadcaster ProSiebenSat.1 Media AG is pictured in front of their headquarters in Unterfoehring, near Munich, Germany in this February 26, 2014 file photo. German broadcaster ProSiebenSat.1 and German publishing house Axel Springer are in early-stage merger talks, a source familiar with the matter said on July 6, 2015. REUTERS/Michaela Rehle

Weil der Konzern bei den wichtigen TV-Werbeerlösen Marktanteile an den Rivalen RTL verlor und im dritten Quartal auch noch Probleme im Fernseh- und Videogeschäft hinzukamen, rechnet ProSiebenSat.1 in diesem Jahr nur noch mit einem leichtem Gewinnwachstum. Bisher hatte der Konzern auch ein deutliches Plus nicht ausgeschlossen.

Die Aktie ging am Donnerstag auf Talfahrt und war mit einem Minus von zehn Prozent größter Verlierer im Dax. Verstärkt wurde der Abwärtstrend Händlern zufolge von der Sorge, ProSiebenSat.1 könne den Leitindex wegen des gesunkenen Börsenwerts über kurz oder lang verlassen. Der Kurs von 25,12 Euro war der niedrigste seit mehr als vier Jahren. An der Börse war von einem Vertrauensverlust angesichts des wiederholt zurückgeschraubten Ausblicks die Rede. “Da schmeißen jetzt auch die letzten Optimisten die Stücke aus den Depots”, sagte ein Händler.

Der europäische Fernsehkonzern RTL erwartet ebenso wie ProSiebenSat.1 ein leichtes Gewinnwachstum im Gesamtjahr. RTL hatte allerdings bisher nur ein stagnierendes Betriebsergebnis in Aussicht gestellt und korrigierte seine Einschätzung bei der Veröffentlichung seines Quartalsberichts am Donnerstag nach oben. Der erwarteten Gewinne stammen allerdings nicht nur aus dem laufenden Geschäft, sondern auch aus dem geplanten Verkauf einer Immobilie in Paris, weil die französische Sendertochter M6 in eine andere Stadt zieht. Die RTL-Aktie notierte im Nebenwerteindex MDax kaum verändert.

Wie ProSiebenSat.1 kämpft auch RTL damit, dass TV-Werbekunden seit Monaten mit dem Geld knausern. Nach Einschätzung beider Rivalen schrumpfte der deutsche Markt in den ersten neun Monaten. Bei RTL jedoch stiegen die Erlöse, bei ProSiebenSat.1 schrumpften sie noch stärker als der Markt. Der Konzern aus Unterföhring bei München hatte im Mai erstmals eingeräumt, die Marktentwicklung überschätzt zu haben, und später weitere Teile seines Ausblicks kassiert.

ProSiebenSat.1 lehnt sich mit seinen Ankündigungen meist weiter aus dem Fenster und gab seinen Anlegern bisher detailliertere Geschäftsprognosen als RTL. “Wir werden uns überlegen, ob wir das in Zukunft weiter so machen”, sagte Konzernchef Thomas Ebeling am Donnerstag. Weil Konsumgüterkonzerne wie Procter & Gamble und Nestle ihre globalen Budgets kürzten, schraubte im Sommer auch die weltgrößte Werbeagentur WPP ihre Wachstumsaussichten zurück.

Auch sein Umsatzziel für das Gesamtjahr schraubte ProSiebenSat.1 zurück: Statt eines Wachstums mindestens im hohen einstelligen Prozentbereich werde es nur noch für ein mittleres einstelliges Plus reichen. Als weitere Gründe für die Senkung der Prognosen nannte der Vorstand Umbaukosten für die defizitäre Online-Videotochter Maxdome von 40 Millonen Euro, verschobene Kundenaufträge der Produktionstochter Red Arrow und einen Fehlkauf bei US-Serien. Auf Material aus den USA, das beim deutschen Publikum nicht ankam, schrieb das Unternehmen 170 Millionen Euro ab.

Das Geschäft im dritten Quartal entsprach im Großen und Ganzen den Markterwartungen. Der Umsatz legte trotz der bereits erwarteten verhaltenen Entwicklung des TV-Werbegeschäfts um drei Prozent auf 883 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis stagnierte bei 202 Millionen Euro. Beim Konkurrenten RTL kletterte der Konzernumsatz dank der TV-Sender in Deutschland und Frankreich um 1,5 Prozent auf 1,4 Millarden Euro. Der Betriebsgewinn legte um 17,4 Prozent auf 263 Millionen Euro zu. Davon profitierte auch der Mutterkonzern Bertelsmann.

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