May 12, 2010 / 1:15 PM / 9 years ago

Ackermann: Deutsche Bank hat nicht Schuld an IKB-Pleite

Düsseldorf (Reuters) - Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bestreitet eine Schuld seines Instituts an der Beinahe-Pleite der IKB.

Sein Haus habe Ende Juli 2007 die Probleme der Düsseldorfer Bank nicht ausgelöst. “Wir haben die Linien nur gekappt, weil die Schieflage schon eingetreten war”, sagte Ackermann als Zeuge im Prozess gegen den ehemaligen IKB-Vorstandschef Stefan Ortseifen am Mittwoch vor dem Düsseldorfer Landgericht. “Die IKB war in einer ganz massiven Schieflage.”

Ortseifen hatte der Deutschen Bank die Schuld am Beinahe-Zusammenbruch der Krisenbank gegeben. Das Institut habe seine Handelslinien für die IKB am 27. Juli 2007 geschlossen, damit aus Sicht des Marktes für ein “Fanal” gesorgt und dem Geldhaus einen “unermesslichen Reputationsschaden” zugefügt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem damaligen IKB-Chef Börsenkursmanipulation vor. Er ist der erste Bankmanager in Deutschland, der sich wegen der Finanzkrise vor Gericht verantworten muss.

Ortseifen hatte den Vorwurf zurückgewiesen. Er habe selbst nicht wissen können, In welch prekäre Lage die IKB kommen würde, als sie am 20. Juli 2007 in einer Pressemitteilung erklärte, sie sei von der US-Immobilienkrise nur in geringem Umfang betroffen. Die Mitteilung steht im Mittelpunkt der Anklage gegen Ortseifen. Sie geht davon aus, dass er Anleger damit wissentlich getäuscht hat, da er bei der Veröffentlichung bereits um die prekäre Lage des Düsseldorfer Geldhauses gewusst habe.

“HIER SCHEINT DOCH ETWAS FALSCH ZU SEIN”

Ackermann sagte, die Probleme der IKB hätten sich an den Derivatemärkten bereits zwei Tage zuvor abgezeichnet. “Am 20. Juli hatten wir keine Veranlassung, aber genügend Anlass (...), uns genau zu erkundigen, ob unsere Vermutung bezüglich der Schieflage sich als richtig erweist”, sagte Ackermann aus. Die Deutsche Bank sei zu dem Schluss gekommen: “Hier scheint doch etwas falsch zu sein.” Doch die IKB habe über Tage hinweg keine Informationen gegeben. “Wir kappen keine Linie, wenn der Kunde beweisen kann, dass unsere Annahmen falsch sind”, betonte der Chef des größten deutschen Geldhauses.

Die IKB hatte riskante US-Hypothekenpapiere angehäuft, die mit Beginn der Finanzkrise massiv an Wert verloren. Nur weil die Staatsbank KfW als damalige Großaktionärin, die Bundesregierung und andere Banken ihr unter die Arme griffen, überlebte die IKB die Krise. Insgesamt kostete die Rettung der Bank mehr als zehn Milliarden Euro. Der Großteil davon kam vom Bund und damit dem Steuerzahler.

Für Ackermann ruft der Auftritt vor Gericht Erinnerungen an den Mannesmann-Prozess hervor - ebenfalls vor dem Düsseldorfer Landgericht. Über den Angeklagten Ackermann richtete damals Brigitte Koppenhöfer, die nun auch den Prozess gegen Ortseifen leitet. In dem Untreueprozess um Boni, die Ackermann und andere Aufsichtsräte Mannesmann-Managern bei der Übernahme durch Vodafone genehmigt hatten, wurden die Beschuldigten zur Zahlung von insgesamt 5,8 Millionen Euro verpflichtet. Auf den Deutsche-Bank-Chef entfiel der Löwenanteil: 3,2 Millionen Euro.

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