December 21, 2017 / 11:23 AM / 6 months ago

Mutmaßlicher BVB-Bombenleger steht vor Gericht

Dortmund (Reuters) - Acht Monate nach dem Bombenanschlag auf die Fußballer von Borussia Dortmund (BVB) hat am Donnerstag vor dem Landgericht Dortmund der Prozess gegen den mutmaßlichen Bombenleger Sergej W. begonnen.

A man suspected of detonating three bombs targeting the Borussia Dortmund soccer team bus in April arrives to stand trial at a German state court in Dortmund, Germany, December 21, 2017. REUTERS/Wolfgang Rattay

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten 28-fachen Mord, die Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen vor. Sergej W. soll nach Ermittlungen der Anklagebehörde den Sprengstoffanschlag auf die Insassen des BVB-Mannschaftsbusses am Abend des 11. April in Dortmund aus Habgier begangen haben.

Neben dem Mannschaftsbus der Fußballer waren damals nach der Abfahrt vom Mannschaftshotel “L’Arivee” drei mit Metallstiften bestückte Sprengsätze explodiert. Sergej W. soll diese der Staatsanwaltschaft zufolge über eine Länge von zwölf Metern in einer Hecke deponiert haben. Als der Bus um 19:16 Uhr auf der Fahrt zu einem Spiel der Champions League die Stelle passierte, soll der Angeklagte die Sprengvorrichtungen gezündet haben. Zum Glück für Busfahrer, Betreuter und Spieler des BVB habe der mittlere Sprengsatz seine Wirkung aber nicht voll entfaltet - Sergej W. habe ihn zu hoch angebracht. Die beiden anderen Sprengvorrichtungen trafen den Bus, der Spieler Marc Bartra und ein Polizist wurden verletzt.

Anderthalb Wochen später hatte eine Spezialtruppe der GSG 9 den Deutsch-Russen Sergej W. in Tübingen festgenommen. Der Mann habe wohl aus Habgier gehandelt, hatten die Ermittler seinerzeit erklärt. Er habe mit dem Anschlag den Kurs der BVB-Aktien beeinflussen und von einem Kurssturz profitieren wollen. Er soll den Anklägern zufolge einige Tage vor der Tat unter anderem 96.000 Put-Optionen auf BVB-Aktien erworben haben - insgesamt habe er Finanzgeschäfte in Anteilsscheinen des einzigen börsennotierten Bundesliga-Clubs in Deutschland mit einem Volumen von 44.300 Euro getätigt. Die Staatsanwaltschaft geht von einem maximal möglichen Gewinn von 506.275 Euro aus. Der Angeschuldigte soll die Finanzprodukte nach der Tat verkauft und insgesamt einen Gewinn von 5.872,05 Euro erzielt haben.

Der Prozess dürfte sich bis ins Frühjahr ziehen. Das Gericht hat bislang Termine bis Ende März angesetzt.

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