June 5, 2008 / 4:14 PM / 11 years ago

Zehn Jahre Haft für Ziehvater in Kevin-Prozess

Bremen (Reuters) - Im Prozess um den Tod des zweijährigen Kevin hat das Landgericht Bremen den angeklagten Ziehvater Bernd K. zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Das Gericht befand den 43-Jährigen am Donnerstag der Körperverletzung mit Todesfolge und der Misshandlung Schutzbefohlener für schuldig. Die tödlichen Misshandlungen seien kein Mord, weil dem Ziehvater Bernd K. kein Tötungsvorsatz nachzuweisen sei, begründete der Kammervorsitzende Helmut Kellermann das Urteil. Kevins Leiche war im Herbst 2006 im Kühlschrank des drogensüchtigen Mannes gefunden worden. Sie wies zwei Dutzend Knochenbrüche auf.

Kevin sei an den Folgen der Brüche gestorben, sagte Kellermann. Es gehöre aber nicht zum Allgemeinwissen der Bevölkerung, dass durch einen Bruch Fett aus dem Knochenmark in die Lunge geraten und dort eine Fettembolie mit anschließendem Herzversagen auslösen könne. Wenn K. seinen Ziehsohn wirklich hätte töten wollen, dann hätte er wahrscheinlich gegen seinen Kopf geschlagen, sagte Kellermann.

Die Staatsanwaltschaft hatte 13 Jahre Haft wegen Mordes beantragt. Die Verteidigung hatte gefordert, den 43-Jährigen maximal wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu verurteilen. Auf ein Strafmaß hatte sie sich nicht festgelegt.

Dass Gericht schloss wegen der Drogensucht des Angeklagten eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit nicht aus. In der Hoffnung, dass bei ihm “noch nicht Hopfen und Malz verloren sind”, ordnete die Kammer die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nach den ersten drei Haftjahren an. Nach weiteren zwei Jahren in Therapie könne er dann möglicherweise vorzeitig entlassen werden, wenn die Behandlung erfolgreich verlaufen sei. “Es kann aber gut sein, dass er die gesamte Strafe verbüßen muss”, sagte der Vorsitzende und verwies auf frühere erfolglose Therapieansätze.

Zugunsten des Angeklagten werteten das Gericht, dass Behördenmitarbeiter “den Zug Kevin hätten aufhalten können”. “Mancher Handelnde oder Nichthandelnde mag sich moralisch berechtigte Vorwürfe machen”, sagte Kellermann. Es sei aber nicht Aufgabe des Gerichts gewesen, deren Verhalten zu bewerten. Zwei Behördenmitarbeiter stehen demnächst wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen vor Gericht.

Das Kind hatte nach dem Tod seiner Mutter im November 2005 beim Ziehvater bleiben dürfen, obwohl dem Jugendamt wiederholte Hinweise auf Misshandlungen vorlagen. Nach dem Leichenfund war Sozial- und Jugendsenatorin Karin Röpke (SPD) sofort zurückgetreten.

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