February 28, 2018 / 5:25 PM / in 4 months

Bundesregierung stuft Hackerattacke als ernst ein

Berlin (Reuters) - Das Bundesinnenministerium wertet den Hackerangriff auf das deutsche Regierungsnetz als ernstzunehmenden Vorfall.

Ethernet cables used for internet connections are pictured in a Berlin office, August 20, 2014. The German cabinet discussed on Wednesday Germany's digital agenda for the future. REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY - Tags: POLITICS)

Die Aktion sei technisch anspruchsvoll und von langer Hand geplant gewesen, erklärte Ressortchef Thomas de Maizière am Donnerstag in Berlin. Als Erfolg wertete der CDU-Politiker, dass der Angriff habe “isoliert und unter Kontrolle” gebracht werden können. Auch Fachpolitiker des Bundestags zeigten sich nach einer Sondersitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums alarmiert. Es handele sich um einen “veritablen Cyberangriff”, sagte der Vorsitzende Armin Schuster. “Der Geheimnisverrat an sich ist ein beträchtlicher Schaden.” Einzelheiten dazu nannte er nicht.

Nach Angaben des Ministers haben die Sicherheitsbehörden den hochprofessionellen Angreifer eine zeitlang beobachtet, um weitere Erkenntnisse und die Ziele zu erhalten und um Sicherheitsmaßnahmen im Informationsverbund Berlin-Bonn (IVBB) und bei den betroffenen Behörden einzuleiten. “Diese Maßnahmen sind noch nicht abgeschlossen”, sagte de Maizière.

Schuster sagte, der Angriff laufe noch. Die Bundesregierung versuche, ihn unter Kontrolle zu halten. Mehr Informationen könnten nicht gegeben werden, da eine öffentliche Diskussion die Angreifer nur warnen würde. Das Kontrollgremium will sich in der nächsten Sitzungswoche des Bundestages Mitte März treffen, um weiter zu beraten. Auch für eine komplette Schadensbeurteilung sei es noch zu früh.

SPUR NACH RUSSLAND?

Unklar ist, von wem die Attacke ausging. In Medienberichten war davon die Rede, die Angreifer könnten der Gruppe APT28 angehören, die nach Einschätzung des Verfassungsschutzes vom russischen Geheimdienst gesteuert wird. Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries sagte jedoch, noch sei nicht geklärt, ob die Spur nach Russland führe. “Wenn es irgendwas mit der Regierung zu tun hätte, dann würde es natürlich Probleme nach sich ziehen”, sagte die SPD-Politikerin. “Aber davon kann ja im Moment gar keine Rede sein.” Aus dem Kontrollgremium verlautete nach der Sitzung, APT28 stecke wohl nicht hinter der Attacke. Vieles deute aber auf eine andere russische Urheberschaft hin.

Auch der CDU-Geheimdienstexperte Patrick Sensburg warnte vor vorschnellen Schlüssen und sprach von einem Krieg im Netz. “Im Internet wird sehr viel verschleiert, wird sehr viel getäuscht”, sagte das Mitglied des Kontrollgremiums im ZDF. Es gebe zwar hinreichende Beweise, dass die russische Hackergruppe APT28 Kontakte zum russischen Geheimdienst habe. Es stehe aber nicht fest, ob das Hackerkollektiv auch hinter der jüngsten Attacke stehe. Man müsse auch in Erwägung ziehen, dass andere Hacker “auf dem Ticket” von APT28 führen.

Das Innenministerium hatte den Hackerangriff am Mittwochabend bestätigt. In Sicherheitskreisen hieß es, der Vorfall sei seit Dezember bekannt. Er habe aber schon vorher längere Zeit stattgefunden. Nach bisherigem Stand seien die Systeme der Bundeswehr und des Verteidigungsministeriums nicht unmittelbar betroffen, wohl aber das Auswärtige Amt.

Geheimdienstkontrolleure von Grünen und Linken beklagten, dass sie nicht früher informiert wurden. Es möge Gründe dafür geben, warum bestimmte Informationen in den vergangenen Wochen sehr eng gehalten worden seien, sagte Grünen-Fraktionsvizechef Konstantin von Notz. Es sei aber inakzeptabel, wenn die Experten über eine Nachrichtenagentur davon erführen. Der Linken-Abgeordnete André Hahn äußerte die Vermutung, es solle von der Regierung der Eindruck vermittelt werden, dass kein großer Schaden entstanden sei. “Ich befürchte aber, dass da in den nächsten Wochen noch einiges ans Licht kommen wird.”

Nach Ansicht de Maizières belegt der Vorgang erneut, dass verschiedene Akteure die Cybersicherheit gefährdeten. Deutschland sei aber insgesamt gut aufgestellt und habe mit dem IVBB “eines der sichersten Regierungsnetzwerke der Welt”.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz macht Russland bereits für einen Cyberangriff auf den Bundestag 2015 verantwortlich. Russland weist dies zurück. APT28 ist auch unter den Namen Sofacy und Fancy Bear bekannt und ist nach Angaben des deutschen Geheimdienstes eine der aggressivsten Cybergruppen der russischen Geheimdienste.

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