August 8, 2019 / 8:43 AM / 17 days ago

Studie - 19 von 96 Regionen sind schlecht aufgestellt

The moon is seen during a lunar eclipse next to the German national flag on top of the Reichstag building in Berlin, Germany, July 27, 2018. REUTERS/Fabrizio Bensch

Berlin (Reuters) - Schwache Wirtschaft, alternde Bevölkerung, schlechte Infrastruktur: 19 von 96 Regionen in Deutschland sind einer Studie zufolge schlecht für die Zukunft gerüstet.

Dazu gehören elf Regionen in den ostdeutschen Bundesländern, vier Regionen in Nordrhein-Westfalen entlang der Ruhr sowie Bremerhaven, das Saarland, Schleswig-Holstein Ost und die Westpfalz. Das geht aus der am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Kooperation mit vier Hochschulen hervor.

“Wirtschaftliche Aktivitäten verlagern sich zunehmend in die Metropolregionen”, sagte IW-Direktor Michael Hüther. Spiegelbildlich dazu verlören vor allem die ländlichen und dort vornehmlich die von starkem Strukturwandel geprägten Regionen. “Das entwertet nicht nur die dort aufgebaute Infrastruktur, sondern führt auch zu sozialen Spannungen”, sagte Hüther.

Die Wissenschaftler raten der Politik deshalb zum raschen Gegensteuern. “Es könnte sonst in Deutschland zu ähnlichen Ungleichgewichten in der räumlichen Wirtschaftstruktur kommen wie in anderen Ländern”, warnte Studienautor Jens Südekum von der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität mit Blick auf die sogenannten Rostgürtel in den USA, die von hoher Arbeitslosigkeit und sozialen Spannungen geprägt sind. Um es nicht so weit kommen zu lassen, schlagen die Experten vor, besonders stark mit Verbindlichkeiten belastete Kommunen zu entschulden. “Hohe Schulden versperren den Weg zu notwendigen Investitionen”, begründete Hüther. “Die betroffenen Bundesländer sollten Schuldenerlasse für die Kommunen in Betracht ziehen, damit diese wieder handlungsfähig werden.”

“BREITBANDAUSBAU IST ESSENZIELL”

Auch bessere Bildungsangebote und milliardenschwere Investitionen in die Infrastruktur halten die Experten für notwendig, damit die benachteiligten Regionen nicht noch weiter abgehängt werden. “Durch eine Verbesserung des Schienennetzes könnten mehr Gemeinden an die Metropolen angebunden werden”, sagte Hüther. “Darüber hinaus ist auch der Breitbandausbau essenziell. Denn der Zugang zu schnellem Internet ist nicht nur für Unternehmen unabdingbar, sondern zunehmend auch für private Haushalte.” Südekum empfiehlt daher einen flächendeckenden Ausbau mit dem superschnellen Mobilfunkstandard 5G. “Ohne 5G wird es die vollautomatische Fabrik in der Provinz nicht geben”, betonte er. Die historisch günstigen Finanzierungskonditionen - der Bund verdient derzeit sogar Geld mit neuen Schulden - sollten für Investitionen genutzt werden.

Die Wissenschaftler haben für das Ranking insgesamt zwölf Indikatoren untersucht. Wirtschaftlich sieht es in Westdeutschland vor allem für Duisburg/Essen, Emscher-Lippe und Bremerhaven düster aus. Ostdeutschland habe indes vor allem ein Demografie-Problem. “Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg, Lausitz-Spreewald, Oberlausitz-Niederschlesien sowie Ost- und Südthüringen weisen ein hohes Durchschnittsalter der Bevölkerung auf, das in den vergangenen Jahren auch noch überproportional gestiegen ist”, so die Autoren.

Bei der Infrastruktur stellt die Studie deutschlandweit Probleme fest. Die drei westdeutschen Regionen Emscher-Lippe, Trier und Westpfalz plagen derweil besonders hohe Verschuldungsquoten. In den ostdeutschen Regionen Altmark, Magdeburg und Halle/Saale stecke die digitale Infrastruktur noch “in den Kinderschuhen”.

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