August 25, 2008 / 5:40 PM / 12 years ago

Streit über Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung

Berlin (Reuters) - Die Renditen der gesetzlichen Rentenversicherung bleiben nach Einschätzung des Wirtschaftsweisen Bert Rürup langfristig positiv.

“Nach den jüngsten Rentenreformen werden sich dei Beitragsrenditen in der Rentenversicherung zwar verringern, bleiben aber auch künftig positiv”, sagte Rürup am Montag in Berlin. Der Präsident der Deutschen Rentenversicherung, Herbert Rische, betonte, die Renditeentwicklung sei definitiv kein Anlass, das System der gesetzlichen Rente grundsätzlich infrage zu stellen.

Beide reagierten auf eine Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), wonach für gesetzlich Rentenversicherte verglichen mit den eingezahlten Beiträgen immer weniger Ertrag abfällt. Der Expertise zufolge haben sich seit 1970 für normale Rentner aller Jahrgänge die Renditeerwartungen um fünf bis sechs Prozentpunkte verschlechtert.

Die Deutsche Rentenversicherung stellte der Studie eigene Berechnungen gegenüber. Demnach liegt die Rendite für die Rentenzugänge des Jahres 2008 für ledige Männer bei rund 3,5 Prozent und für Frauen und verheiratete Männer bei rund 4,1 Prozent. Für die Rentenzugänge der Jahre 2020, 2030 und 2040 ergäben sich fast identische Renditen von rund 2,8 Prozent für ledige Männer und 3,3 Prozent für Frauen und verheiratete Männer. 30 bis 50-jährige Versicherte würden damit weitgehend gleich behandelt. Unterstützt werden die Berechnungen der Rentenversicherung vom Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, der Rürup vorsteht, sowie vom Sozialbeirat.

Der DIA-Studie zufolge hat dagegen ein Standardrentner des Geburtsjahrganges 1950 im Jahr 1970 eine reale Beitragsrendite von mehr als fünf Prozent erwarten können. Heute seien es knapp zwei Prozent, erläuterte Adrian Ottnad, der die Studie für das bankenfinanzierte Institut erstellt hat. Unter realistischen Annahmen gehe die Tendenz gar gegen Null. Größte Risiken der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) seien neben der Altersstruktur der Gesellschaft die von der Politik verhängten Kürzungen. So seien die Beitragssätze kontinuierlich erhöht, das Rentenniveau gesenkt, das Renteneintrittsalter heraufgesetzt und die Anrechnung von Ausbildungszeiten verringert worden.

Co-Autor Reinhold Schnabel von der Universität Duisburg-Essen betonte, das Renditerisiko der GRV sei in den vergangenen 30 Jahren höher gewesen als am Kapitalmarkt. Bei einem Anlagehorizont von 30 Jahren habe die niedrigste reale Rendite eines reinen Dax-Portfolios 3,5 Prozent betragen, die mittlere sieben Prozent, Spitzenwerte hätten bei zehn Prozent gelegen. Eine Mischung mit kapitalgedeckten Anlagen senke das Risiko der gesetzlichen Rente und erhöhe die Alterseinkommen.

Nach Ansicht von Rische und Rürup weist die DIA-Studie methodische Schwächen auf. So bleibe etwa die Inflation unberücksichtigt. Problematisch sei auch der Vergleich der Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung mit Renditen von Finanzprodukten wie Anleihen oder Fonds. Während die Leistung der gesetzlichen Rente bis zum Lebensende gezahlt werde, könne bei Kapitalmarktprodukten die Absicherung nur so lange reichen wie Vermögen vorhanden sei.

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