February 13, 2014 / 12:27 PM / 5 years ago

Neuer Wirbel um Euro-Hawk-Drohne

Berlin (Reuters) - Knapp ein Jahr nach dem Scheitern des Drohnenprojekts Euro Hawk sorgen Überlegungen für ein Comeback des Vorhabens für neuen Wirbel.

Der Grünen-Wehrexperte Tobias Lindner forderte das Verteidigungsministerium am Donnerstag auf, schleunigst für Klarheit über die Zukunft des Euro Hawk zu sorgen. “Dies gilt insbesondere, da nun alle Alternativen aus Kostengründen nicht gangbar scheinen”, erklärte der Politiker. Daher könnte der Euro Hawk offenbar wieder zu einer Option werden. Lindner warnte jedoch vor einer Wiederaufnahme des Entwicklungsprojekts, das der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maiziere im vergangenen Mai wegen Zulassungsproblemen beendet hatte.

“Euro Hawk wurde schließlich aus gutem Grund gestoppt”, sagte der Grünen-Politiker. “Zentral waren die exorbitanten Kosten der Zulassung.” Zudem habe es Bedenken bei der technischen Leistungsfähigkeit und bei der Ersatzteil-Versorgung gegeben. De Maiziere war wegen der Euro-Hawk-Affäre stark unter Druck geraten. Sie gilt als ein Grund für seine Ablösung durch Ursula von der Leyen.

Die Entscheidung über einen Ersatz für Euro Hawk ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Er habe die Ministerin um einen zeitlichen Aufschub gebeten, ehe er einen Beschluss fälle, sagte Generalinspekteur Volker Wieker am Mittwochabend in Berlin. Bisher hatte es geheißen, die mehrfach verschobene Entscheidung über einen Ersatz für die Aufklärungsdrohne solle bis zum Ende des ersten Quartals fallen. Nach Angaben aus dem Verteidigungsausschuss ist keine der untersuchten Alternativen so leistungsfähig wie gewünscht. Außerdem sprengen alle deutlich den vorgesehenen Kostenrahmen von gut 600 Millionen Euro.

Der Euro Hawk sollte für die Bundeswehr wie ein gigantischer Datenstaubsauger aus 20.000 Metern Höhe den Funkverkehr belauschen und die Sensoren gegnerischer Flugabwehr aufspüren. Der Prototyp besteht aus einer umgebauten Drohne des US-Konzerns Northrop Grumman und der Sensorik des europäischen Konzerns Airbus. Wieker prüft derzeit unter anderem, ob die Sensoren auch in ein Airbus-Flugzeug, einen Geschäftsjet oder in eine israelische Heron-TP-Drohne eingebaut werden könnten. Die israelische Drohne, deren Vorgängermodell die Bundeswehr seit Jahren in Afghanistan im Einsatz hat, fliegt jedoch niedriger und hat weniger Traglast als der Euro Hawk. Auch der Kauf einer Drohne inklusive Sensorik wird untersucht.

Lindner erklärte, es bleibe weiterhin unklar, ob das von Airbus entwickelte Aufklärungsmodul ISIS überhaupt funktioniere. Obwohl das Ministerium ursprünglich schon für September 2013 ein Prüfergebnis zugesichert habe, stehe der Nachweis weiter aus.

Als de Maiziere das Euro-Hawk-Projekt stoppte, bezifferte das Verteidigungsministerium die Mehrkosten für die Zulassung der Drohne auf 500 bis 600 Millionen Euro. In Kreisen der Rüstungsindustrie wurden die Mehrkosten dagegen lediglich auf 200 Millionen Euro geschätzt.

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