January 29, 2015 / 8:09 AM / 5 years ago

Wirtschaft fürchtet Milliardenminus im Russland-Geschäft

New cars are seen parked at a storage yard in front of a cargo vessel in Sillamae port, about 175 km (109 miles) from Tallinn April 17, 2009. About 38,000 cars are currently waiting to be exported to Russia, port management informed. The collapse of the Russian car market deepened in March as sales of new cars almost halved, a leading business association said predicting that the situation would not improve before the end of 2009. REUTERS/Ints Kalnins (ESTONIA TRANSPORT BUSINESS) - RTXE3BH

Berlin (Reuters) - Die deutschen Wirtschaft rechnet für dieses Jahr mit weiteren milliardenschweren Einbußen im Russland-Geschäft.

Die Exporte dürften um fast 15 Prozent oder knapp vier Milliarden Euro einbrechen, prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). “Davon werden insbesondere Spitzenexportbranchen wie die Automobilindustrie oder der Maschinenbau betroffen sein”, sagte DIHK-Außenhandelschef Volker Treier am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Bereits 2014 waren die Ausfuhren um rund 20 Prozent gefallen.

Ein Grund für die negative Entwicklung ist der Kursverfall der Landeswährung Rubel. “Damit gehen enorme Kaufkraftverluste russischer Abnehmer einher”, sagte Treier. “Zudem entfaltet sich die Wirkung der dritten Sanktionsstufe der EU gegen Russland erst in diesem Jahr voll.” Bislang habe der Warenaustausch zu einem großen Teil noch auf Verträgen basiert, die vor Verhängung dieser Sanktionen wegen der Ukraine-Krise geschlossen wurden. “Außerdem deutet das politische Umfeld derzeit kaum auf eine Lockerung der Sanktionen hin”, sagte der Experte. Im Gegenteil: Die EU erwägt sogar eine erneute Verschärfung.

Bremsspuren dürfte auch die jüngste Absenkung der Bonität Russlands auf Ramschniveau durch Ratingagenturen hinterlassen. “Das wird auch die Finanzierungskosten für deutsche Russlandlieferanten erhöhen und damit die Geschäfte unlukrativer machen”, ergänzte Treier.

Der DIHK geht aber davon aus, dass die Einbußen im Russland-Geschäfte wettgemacht werden können. So habe der Maschinenbau dort zwar im Vorjahr rund 1,1 Milliarden Euro weniger eingenommen. Dem stehe aber ein Plus bei den Verkäufen in die USA, nach Großbritannien und nach China von 1,8 Milliarden Euro gegenüber. “In diesem Jahr liegen die Wachstumstreiber für den deutschen Export vornehmlich in den USA, aber auch in südostasiatischen Märkten und in Indien”, sagte Treier.

Russland gehörte lange Zeit zu den am schnellsten wachsenden Auslandsmärkten für Deutschland. Bis 2012 legten die Ausfuhren dorthin um bis zu 31 Prozent jährlich zu, ehe erst die schwache Konjunktur und dann die Ukraine-Krise für deutliche Rückgänge im Handel mit dem einst elfgrößten deutschen Exportkunden sorgten.

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