for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up
Top-Nachrichten

Nawalny-Vergiftung mit Nowitschok von Frankreich und Schweden bestätigt

FILE PHOTO: Russian opposition politician Alexei Navalny takes part in a rally to mark the 5th anniversary of opposition politician Boris Nemtsov's murder and to protest against proposed amendments to the country's constitution, in Moscow, Russia February 29, 2020. REUTERS/Shamil Zhumatov

Berlin (Reuters) - Labore in Frankreich und Schweden haben nach Angaben der Bundesregierung das Nowitschok-Nervengift als Ursache der Vergiftung des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny bestätigt.

Man habe die beiden Länder um eine unabhängige Überprüfung des deutschen Nachweises anhand erneuter Proben von Nawalny gebeten, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin mit. “Die Ergebnisse dieser Überprüfung durch Speziallabore in Frankreich und Schweden liegen nunmehr vor und bestätigen den deutschen Nachweis”, heißt es weiter. “Wir erneuern die Aufforderung, dass sich Russland zu den Geschehnissen erklärt”, betonte Seibert.

Nawalnys Zustand hat sich unterdessen weiter verbessert, wie die Berliner Charité mitteilte. “Der Patient konnte vollständig von der maschinellen Beatmung entwöhnt werden. Er wird zunehmend mobilisiert und kann das Krankenbett bereits zeitweise verlassen”, teilte das Universitätsklinikum mit. Nawalny war am 20. August auf einem innerrussischen Flug kollabiert. Nach einer Notlandung wurde er zunächst in einer Klinik im sibirischen Omsk behandelt, bevor er am 22. August nach Deutschland ausgeflogen wurde.

Während russische Behörden nach eigener Darstellung bei Nawalny keinen Giftstoff gefunden haben, hatte eine von der Charité in Auftrag gegebene Analyse bei einem spezialisierten Bundeswehrlabor nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel “zweifelsfrei” ein Gift der Nowitschok-Gruppe festgestellt. Nowitschok war in der Sowjetunion entwickelt worden. Mit einem Gift aus dieser Gruppe war bereits der russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal 2018 in Großbritannien vergiftet worden. Neben den Laboren in Frankreich und Schweden hat nach Angaben der Bundesregierung auch die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OVCW) Proben von Nawalny entnommen. Auch die OVCW werde die Proben nun von Referenzlaboren untersuchen lassen.

KEINEN ZUGANG GEWÄHREN

Die Bundesregierung hatte sich lange in Schweigen gehüllt, ob und wo sie eine erneute Probe in Auftrag gegeben hatte. Grund dafür war nach Informationen aus Regierungskreisen auch die Sorge gewesen, dass die entsprechenden Labore gehackt werden könnten. Die Analyse des Nervengifts gilt auch deshalb als politisch heikel, weil es sich offenbar um eine neue Variante des Gifts aus der Nowitschok-Gruppe handelt. Chemiewaffen sind weltweit geächtet.

Russische Stellen hatten am Freitag erklärt, selbst Ermittler nach Berlin schicken zu wollen. Die Generalstaatsanwaltschaft in Berlin hatte wiederum angekündigt, dass sie selbst einem russischen Rechtshilfeersuchen nachkommen und sich über Nawalnys Gesundheitszustand informieren werde, wenn dieser dies zulasse. Mitarbeiter von Nawalny haben bereits betont, dass sie russischen Ermittlern keinen Zugang zu dem Regimegegner gewähren würden.

for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up