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Inlandsnachrichten

Nawalny aus der Charite entlassen - Moskau "erfreut"

A view of Charite Mitte Hospital Complex after Russian opposition leader and President Vladimir Putin critic Alexei Navalny came out of a medically induced coma, in Berlin, Germany, September 10, 2020. REUTERS/Michele Tantussi

Berlin/Moskau (Reuters) - Der vergiftete Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist aus der Berliner Charite entlassen worden und hat ein erstes Bild außerhalb des Krankenhauses veröffentlicht.

“Der Gesundheitszustand des Patienten hat sich soweit gebessert, dass die akutmedizinische Behandlung beendet werden konnte”, hatte das Universitätsklinikum am Mittwoch zuvor mitgeteilt. Der 44-Jährige sei daher am Dienstag nach rund einem Monat entlassen worden. Die Regierungen in Berlin und Moskau äußerten sich erfreut über die Entwicklung. Die Bundesregierung forderte von Moskau erneut die Aufklärung des mutmaßlichen Anschlages auf den russischen Oppositionspolitiker.

Nawalny war am 20. August auf einem innerrussischen Flug kollabiert. Nach einer außerplanmäßigen Notfall-Landung im sibirischen Omsk wurde er zunächst dort in der örtlichen Klinik behandelt. Am 22. August wurde er zur Behandlung in der Charite nach Berlin ausgeflogen, wo eine Vergiftung mit einem Nervengift aus der sogenannten Nowitschok-Gruppe festgestellt worden war. Nawalny wurde 32 Tage in der Klinik behandelt, 24 Tage lag er auf der Intensivstation. Die behandelnden Ärzte hielten eine vollständige Genesung für möglich. Allerdings könnten mögliche Langzeitfolgen erst im weiteren Verlauf beurteilt werden, teilte die Charite mit. Nawalnys neuer Aufenthaltsort und seine Pläne waren zunächst unklar. Er hatte angekündigt, wieder nach Russland zurückkehren zu wollen.

Der 44-Jährige veröffentlicht auf seiner Instagram-Seite ein Foto, auf dem auf einer Bank in einer Grünanlage mit ernster Miene sitzt. Er werde jetzt täglich zur Physiotherapie gehen und womöglich ein Rehabilitationszentrum aufsuchen, schrieb Nawalny zu dem Foto. Er erlerne wieder Balance zu bekommen, indem er auf einem Bein stehe. Seine linke Hand sei noch teilweise gelähmt. Die Berliner Charite hatte zuvor mitgeteilt, dass Nawalny so weit genesen sei, dass er habe entlassen werden können. Nawalny dankte der Klinik für die Behandlung.

Die russische Regierung teilte mit, dass Nawalny wieder nach Russland zurückkehren könne. Man sei erfreut, dass die Genesung voranschreite, sagte Kreml-Sprecher Dmitry Peskow in Moskau. Man werde sehen, ob Nawalny nach seiner Rückkehr mit russischen Sicherheitsbehörden sprechen und Informationen über seinen Fall teilen wolle. Das Umfeld von Präsident Wladimir Putin habe jedenfalls keinen Zugang zu den verbotenen chemischen Kampfstoffen der Nowitschok-Gruppe. Die russische Regierung sieht bislang auch keine Hinweise für einen Anschlag in Russland mit dem Nowitschok-Gift, das in der Sowjetunion entwickelt worden war.

Die Bundesregierung forderte von Russland erneut eine Aufklärung des Anschlags. Sie verweist darauf, dass Laboruntersuchungen in Deutschland, Schweden und Frankreich einwandfrei das Nervengift nachgewiesen hätten. Auch die Organisation für das Verbot von chemischen Waffen (OPCW) ist eingeschaltet worden.

Ein Sprecher des Bundesjustizministerium sagte auf Anfrage, das zweite russische Rechtshilfsersuchen werde in der Bundesregierung weiter geprüft. Ein erstes Ersuchen war an die Justizbehörden in Berlin weitergeleitet worden. Dort ist nun die Generalstaatsanwaltschaft aktiv. Diese macht ihre Ermittlungen aber davon abhängig, dass Nawalny selbst die Ärzte für eine Befragung von ihrer Schweigepflicht über seinen Gesundheitszustand entbindet. Russland will eigene Ermittler nach Berlin schicken, um unter anderem auch den Oppositionspolitiker zu befragen. Auch hierzu müsste nicht nur die Bundesregierung, sondern vor allem Nawalny selbst sein Einverständnis geben.

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