July 15, 2011 / 3:15 PM / 7 years ago

RWE will Gazprom nicht als Großaktionär ins Boot holen

Düsseldorf/Berlin (Reuters) - Der Energieversorger RWE strebt über eine Zusammenarbeit mit dem Gazprom-Konzern hinaus keine größere Beteiligung für die Russen an.

“Spekulationen über einen Einstieg von Gazprom bei RWE als Ankeraktionär weisen wir zurück”, sagte eine Konzernsprecherin am Freitag. Dies sei auch nicht Gegenstand der am Vortag unterzeichneten Absichtserklärung für eine strategische Partnerschaft. RWE tritt damit auch Bedenken von Wettbewerbshütern entgegen. Bei einer direkten Beteiligung von Gazprom an RWE dürften die zu erwartenden Vorbehalte gegenüber einer Partnerschaft bei den Kartellbehörden noch größer werden.

Die Konzerne wollen prüfen, ob sie bestehende oder neue Steinkohle- und Gaskraftwerke in Deutschland, Großbritannien und den Benelux-Staaten in ein Joint Venture einbringen. “Eine Verbindung zwischen Gazprom und RWE müsste man sich unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten sehr genau ansehen”, hatte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, gesagt. Die Meinung der Analysten gehen auseinander. Merck-Finck-Analyst Theo Kitz hält für es sehr wahrscheinlich, dass die Konzerne kartellrechtliche Probleme bekommen. LBBW-Experte Bernhard Jeggle rechnet hingegen mit einer Freigabe für das Joint Venture, da Gazprom nicht an RWE beteiligt sein würde.

KOOPERATIONEN WOMÖGLICH THEMA BEI REGIERUNGSKONSULTATIONEN

Die Bundesregierung hatte erklärt, dass es den Unternehmen freistehe, worüber sie beraten, “sofern kartellrechtliche und außenwirtschaftliche Regeln eingehalten werden”. Am Freitag verlautete aus Regierungskreisen in Berlin, dass bei den deutsch-russischen Regierungskonsultationen Anfang kommender Woche in Hannover auch Kooperationen zwischen Energiefirmen zur Sprache kommen könnten “Es ist durchaus möglich, dass bei den Gesprächen die Zusammenarbeit E.ON/Gazprom, auch RWE/Gazprom eine Rolle spielen”, hieß es.

Nach einem Treffen von RWE-Chef Jürgen Großmann und Gazprom-Chef Alexej Miller Ende vergangener Woche in Paris waren Spekulationen ins Kraut geschossen, wonach die Russen bei dem nach E.ON zweitgrößten deutschen Energiekonzern einsteigen könnten. Das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” hatte ohne Angaben von Quellen berichtet, für Großmann käme Gazprom als Ankeraktionär in Frage. Der Manager sucht fieberhaft nach frischem Kapital, nachdem wegen der Atomwende die Gewinne nicht mehr sprudeln und der Konzern ohnehin mit 27 Milliarden Euro in der Kreide steht

Acht Milliarden Euro will RWE binnen drei Jahren durch Beteiligungsverkäufe einnehmen. Mit dem angekündigten Verkauf der Mehrheit des deutschen Höchstspannungsnetzes ist er einen Schritt vorangekommen. Für 700 Millionen Euro übernimmt ein Konsortium aus Versicherungen 74,9 Prozent der Anteile an der Stromnetztochter Amprion. Zu dem Bündnis gehören die Münchener Rück, Talanx und Swiss Life.

RWE will eine Sperrminorität an dem Unternehmen behalten. “Wir wollen langfristig an unserem Anteil von 25,1 Prozent festhalten”, sagte eine Sprecherin am Freitag. Damit käme RWE auch dem Wunsch der neuen Investoren nach. “Wir würden es begrüßen, wenn die Sperrminorität von RWE auf Dauer erhalten und der Konzern unternehmerisch eingebunden bleibt”, sagte Talanx-Manager Peter Hielscher der Nachrichtenagentur Reuters.

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