July 17, 2012 / 10:35 AM / 7 years ago

Neuer RWE-Chef will tausende Jobs streichen

Düsseldorf (Reuters) - Der neue RWE-Chef Peter Terium treibt gegen den Protest der Gewerkschaften den Stellenabbau beim Essener Energiekonzern voran.

“Es gibt die Ankündigung von RWE, dass weitere 2000 bis 5000 Stellen abgebaut werden sollen”, sagte Verdi-Sprecher Christoph Schmitz am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Zahl komme zu der bereits bekannten Streichung von 8000 Jobs hinzu. “Der Stellenabbau wird eher in einer Größenordnung von 2000 Jobs liegen”, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person aus dem Konzern. Die von Verdi genannte Zahl 5000 Stellen sei zu hoch. Das Unternehmen wollte weder die eine noch die andere Zahl kommentieren. “Wir sind mit den Arbeitnehmervertretern im Gespräch”, sagte ein Sprecher. Der Vorstand treffe Anfang August eine Entscheidung.

Rund zwei Wochen nach seinem Amtsantritt droht Terium damit die erste Konfrontation mit den Arbeitnehmervertretern. Über die Pläne hatte auch die “Rheinische Post” berichtet. “Das ist aus Sicht der Beschäftigten ein denkbar schlechter Einstand”, sagte Verdi-Sprecher Schmitz. “Dieser Konfrontationskurs hat eine Dimension, die uns überrascht.” Die Gewerkschaft forderte den Konzern auf, den bis Ende des Jahres geltenden Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung bis Ende 2023 zu verlängern und auf RWE-Beteiligungen wie die Netzbetreiber Amprion oder Thyssengas zu erweitern. “Wir lassen nicht zu, dass die Belegschaft auseinanderdividiert wird.” In welchen Bereichen RWE bis wann Jobs streichen wolle, habe der Vorstand bislang nicht erklärt. Es sollten aber Dienstleistungen ausgegliedert und Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden. Überlegungen die Lohnbuchhaltung oder Rechnungswesen ins Ausland zu verlagern, lehnt Verdi ab. “Die Stellen müssen in Deutschland bleiben.”

VERDI GEGEN VERLAGERUNG VON JOBS INS AUSLAND

Terium hat angekündigt zusätzlich eine Milliarde Euro einsparen zu wollen. Es sei klar, dass es zu einem weiteren Stellenabbau komme, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person aus dem Konzern. Verwaltungstätigkeiten sollten im Konzern heruntergefahren werden. Hierzu könne neben der Lohnbuchhaltung und dem Rechnungswesen auch die Spesenabrechung oder die Fahrbereitschaft gehören. Terium habe aber deutlich gemacht, dass alle Maßnahmen sozialverträglich umgesetzt werden sollen.

Der Niederländer, der Anfang Juli den Chefposten von Jürgen Großmann übernahm, will eine Unruhe wie beim Konkurrenten E.ON vermeiden. Dort hatte Vorstandschef Johannes Teyssen vor einem Jahr die Arbeitnehmervertreter mit seinen Plänen überrascht, bis zu 11.000 der rund 80.000 Stellen zu streichen. Die Arbeitnehmer waren danach auf die Barrikaden gegangen, ehe es zu einer Einigung mit dem Vorstand kam. RWE beschäftigt rund 72.000 Mitarbeiter, davon knapp 42.000 in Deutschland.

EUROPÄISCHE ERZEUGUNGSGESELLSCHAFT SOLL IM JANUAR STARTEN

Terium hatte in den vergangenen Wochen die Belegschaft bereits auf Einschnitte vorbereitet, jedoch stets betont, auf ein gemeinsames Vorgehen mit den Arbeitnehmervertretern zu setzen. “Auch bei RWE stehen harte Entscheidungen an”, sagte er. “Wir werden mittel- bis langfristig das Geschäft mit weniger Personal betreiben können und müssen.” Der Konzern ist wegen der Einbußen durch den beschleunigten Atomausstieg und wegen des schwächelnden Gasgeschäfts unter Druck. Zudem drücken RWE Nettoschulden von über 30 Milliarden Euro. Terium will die Kasse unter anderem durch den Verkauf von Beteiligungen füllen. Bis Ende 2013 will er so bis zu sieben Milliarden Euro einnehmen.

Die Beteiligungsverkäufe sollen auch zu den bereits bekannten Stellenabbauplänen beitragen. Dabei sollen 8000 Jobs wegfallen, die Hälfte davon in Deutschland. Neue Kohlekraftwerke benötigen weniger Personal als die alten Blöcke, die stillgelegt werden. Auch durch die Abschaltung von Atomkraftwerken wie Biblis werden über die nächsten Jahre hunderte Jobs wegfallen. Zudem setzt RWE bei der britischen Tochter Npower und im Osteuropageschäft den Roststift an. Terium will darüber hinaus das Kraftwerksgeschäft in einer europäischen Erzeugungsgesellschaft bündeln, was weitere Einsparungen bringen soll. Dabei solle es sich um eine europäische Aktiengesellschaft (SE) handeln, sagte die mit der Angelegenheit vertraute Person Reuters. Sie soll Anfang 2013 voraussichtlich in Deutschland die Arbeit aufnehmen. “Sitz der Gesellschaft muss dauerhaft Deutschland sein”, fordert auch Verdi.

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