June 20, 2018 / 2:04 PM / 3 months ago

Ryanair steuert auf Pilotenstreiks zu

Frankfurt (Reuters) - Zu den Sommerferien bahnen sich beim Billigflieger Ryanair Pilotenstreiks in Deutschland und Irland an.

FILE PHOTO: A Ryanair aircraft lands at Ciampino Airport in Rome, Italy December 24, 2016. REUTERS/Tony Gentile/File Photo

Die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) kündigte am Mittwoch eine Urabstimmung unter ihren Mitgliedern über Streiks ab August an. Die Tarifverhandlungen erklärte die Gewerkschaft nach einem halben Jahr für gescheitert, weil das Management der Airline nicht zu Kompromissen über Arbeits- und Vergütungsbedingungen bereit sei. Die VC habe große Geduld bewiesen, erklärte VC-Tarifexperte Ingolf Schumacher. “Damit ist nun Schluss.” Ryanair war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die irische Pilotengewerkschaft IALPA hatte erst am Dienstag ihre Abstimmungsfrist über Arbeitsniederlegungen um zwei Wochen bis Anfang Juli verlängert. Ryanair hatte im vergangenen Jahr unter dem Druck wachsender Personalknappheit in der Branche Gewerkschaften anerkannt und in mehreren Ländern mit verschiedenen Beschäftigtengruppen Verhandlungen begonnen. Während es in Großbritannien und Italien schon zu Abschlüssen kam, stocken die Gespräche auch auf dem wichtigen Markt Spanien. Mit 130 Millionen Passagieren und Flugbetrieb in 37 Ländern war der Billigflieger im vergangenen Jahr Europas größte Fluggesellschaft.

Die in jahrelangem Tarifkampf mit der Lufthansa erprobte deutsche Pilotengewerkschaft hatte die Verhandlungen nach einem kurzen Warnstreik kurz vor Weihnachten aufgenommen. Doch die Vorstellungen des Ryanair-Managements und der VC über einen Tarifvertrag gingen offenbar weit auseinander. Der Airline sei nicht klar, dass sie nicht einseitig die Bedingungen diktieren könne, kritisierte VC-Verhandler Schumacher. Ryanair habe zuletzt gar nicht mehr auf Terminvorschläge für Verhandlungen reagiert, erklärte VC-Sprecher Janis Schmitt. “Es ist so, als würden wir draußen vor der Tür stehen und klingeln, aber keiner macht auf.” Allerdings ließ die Gewerkschaft die Tür für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch offen und erklärte sich gesprächsbereit, während die Urabstimmung anlaufen soll.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die neben der Flugbegleitergewerkschaft UFO das Kabinenpersonal vertritt, äußerte sich unterdessen zuversichtlich über ihre im Mai angelaufenen Gespräche mit Ryanair. “Es liegt aber noch ein langer Weg vor uns”, erklärte eine Sprecherin. UFO hatte nach der ersten Verhandlungsrunde Anfang Juni erklärt, es müssten erst grundlegende Fragen geklärt werden - etwa, dass ein Tarifvertrag auf Deutsch und nicht auf Englisch abgefasst werden müsse.

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