September 11, 2018 / 1:15 PM / 2 months ago

Ryanair droht wegen Streiks mit Stellenabbau

FILE PHOTO: Passengers walk on to the tarmac to board a Ryanair aircraft at the airport in Perpignan, France, September 9, 2018. Picture taken September 9, 2018. REUTERS/Clodagh Kilcoyne/File Photo

Frankfurt (Reuters) - Im Kampf um den ersten Tarifvertrag für Beschäftigte des irischen Billigfliegers Ryanair in Deutschland gehen Management und Gewerkschaften auf einen harten Konfrontationskurs.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und die für die Flugbegleiter verhandelnde Dienstleistungsgewerkschaft Verdi riefen rund 1500 Mitarbeiter kurzfristig zu einem gemeinsamen 24-Stunden-Streik ab Mittwochnacht auf. Ryanair-Vertriebschef Kenny Jacobs warf der VC im Gegenzug vor, mit einem ungerechtfertigten Streik dem Geschäft zu schaden. Sollten sie andauern, müssten alle Standorte in Deutschland überprüft und womöglich Personal abgebaut werden, sagte er vor Journalisten in Frankfurt.

Leidtragende des Konflikts sind erneut Tausende Fluggäste. Beim letzten europaweit koordinierten Streiktag Anfang August waren in Deutschland 250 Flüge mit rund 42.000 Passagieren ausgefallen. Diesmal müssten 150 von 400 Flügen von und nach Deutschland ausfallen, sagte Jacobs. Ryanair leidet unter einer Streikwelle, nachdem der Billigflieger seit Monaten erstmals mit Gewerkschaften in mehreren Ländern über Tarifverträge für Piloten und Kabinenbeschäftigten verhandelt, so auch in Deutschland. In Irland und Italien hat sich Ryanair bereits mit den Piloten geeinigt. Das Kabinenpersonal in Italien, Portugal, Belgien, Spanien und den Niederladen haben dagegen Streiks für Ende September angedroht.

STREIT UM SCHLICHTUNG

Ryanair kritisierte, die Gewerkschaft VC habe ohne Rücksprache mit den Piloten zu Streik aufgerufen. Ihr Verhandlungsführer Ingolf Schumacher habe vergangene Woche nicht den Unterschied zwischen einer Vermittlung nach Ryanairs Vorstellungen und einer Schlichtung nach deutschem Tarifrecht erklären können. Die Gewerkschaft hatte den irischen, von Ryanair vorgeschlagenen Mediator abgelehnt, weil dieser sich im deutschen Recht nicht gut genug auskenne. Das Airline-Management habe wiederum die von der Gewerkschaft bevorzugten Vermittler abgelehnt, erklärte die VC. “Ryanair will mit ihrem Vorschlag offenbar ein Tarifdiktat durch die Hintertür erreichen. Das ist mit uns nicht zu machen”, so Schumacher.

Bei den Verhandlungspunkten zu Vergütung und Arbeitsbedingungen habe die Airline kein verbessertes Angebot vorgelegt. Nach Darstellung von Ryanair verdienen Piloten bis zu 190.000 Euro bei einer Fünf-Tage-Woche. Dennoch sei die Airline zu einer Lohnerhöhung bereit und wolle alle Piloten nach lokalem Recht fest anstellen. Bisher haben Jacobs zufolge 80 Prozent von ihnen einen Arbeitsvertrag.

Auch Verdis Vorgehen verurteilte das Ryanair-Management. Die Gewerkschaft wolle der Airline wohl eine Lektion erteilen, erklärte Ryanair-Personalchef Peter Bellew. “Verdi ist komplett unverantwortlich”. Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle geht von einer hohen Beteiligung am ersten gemeinsamen Streik der Flugbegleiter und Piloten von Ryanair in Deutschland am Mittwoch aus. “Es gibt ein hohes Interesse daran, zu zeigen, dass man zusammensteht”, sagte sie am Dienstag in Berlin. “Wir haben den größeren Teil der Beschäftigten mittlerweile organisiert und es werden täglich mehr”, sagte sie über die etwa 1000 in Deutschland stationierten Kabinenmitarbeiter, von denen rund 700 Leiharbeitskräfte seien. Eine genaue Zahl der in der Gewerkschaft organisierten Kräfte wollte Behle nicht nennen.

Mittwoch sei kein verkehrsstarker Tag, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Mira Neumaier. Es handele sich um “ein Warnsignal” an den irischen Billigflieger. Ob es zu weiteren Arbeitskampfmaßnahmen komme, sei vom Verlauf der Verhandlungen abhängig. Ein nächster Termin für Tarifgespräche werde derzeit gesucht, sagte Behle. Die zweite Verhandlungsrunde zwischen Verdi und Ryanair hatte am 5. September ergebnislos geendet. Die Gewerkschaft fordert ein substantiell höheres Entgelt sowie die Einführung eines Basisgehaltes für alle Flugbegleiter und eine Kompensation bei Verspätungen.

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