March 26, 2010 / 2:42 PM / 10 years ago

Salzgitter stutzt nach Krisenjahr Dividende

Salzgitter (Reuters) - Nach einem desaströsen Jahr kürzt Deutschlands zweitgrößter Stahlkonzern Salzgitter den Aktionären überraschend stark die Dividende.

Die Anteilseigner sollen für 2009 nur 25 Cent (Vorjahr: 1,40 Euro) je Aktie erhalten, wie der künftige Firmenchef Heinz Jörg Fuhrmann am Freitag bei der Bilanzvorlage ankündigte. Das ist weniger als die Hälfte dessen, was Branchenexperten erwartet hatten. Erst 2008 hatte Salzgitter die Ausschüttung halbiert.

“Wir bekennen uns zu Dividenden-Kontinuität auch nach einem solchen Katastrophenjahr”, sagte Fuhrmann. Der bisherige Finanzchef soll im Juli 2011 Konzernchef Wolfgang Leese beerben, wie dieser ankündigte.

Für das laufende Jahr zeigte sich Salzgitter verhalten optimistisch. “Die Auftragseingänge waren im ersten Quartal höher als erwartet”, sagte Fuhrmann. Das Ergebnis werde in den ersten drei Monaten in etwa ausgeglichen sein. “Über alle Aktivitäten hinweg haben wir derzeit eine Auslastung von 90 bis 95 Prozent.” Damit steht der Konzern etwas besser da als Rivale ThyssenKrupp. Fuhrmann bekräftigte, für 2010 mit einem Vorsteuergewinn im zweistelligen Millionenbereich zu rechnen. 2009 hatte Salzgitter die ersten roten Zahlen seit 16 Jahren verbucht und vor Steuern eine halbe Milliarde Euro verloren, nach einem Milliardengewinn im Jahr zuvor. Laut Thomson Reuters I/B/E/S halten Branchenexperten die nun gegebene Prognose für das laufende Jahr für Tiefstapelei. Sie erwarten 2010 einen Vorsteuergewinn von 234 Millionen Euro.

Mit zusätzlichen Einsparungen und weiter gekürzten Investitionen will Salzgitter sein Ergebnis aufhübschen. “Wir haben mit dem Konzernschiff nicht Mast- und Schrotbruch erlitten, aber wir haben einen Riss im Vorsegel, das wir während der Fahrt nähen können”, sagte Fuhrmann. Noch mindestens bis ins dritte Quartal hinein will Salzgitter teilweise Kurzarbeit fahren. Derzeit sind noch 2200 der 25.600 Mitarbeiter davon betroffen.

Kopfzerbrechen bereiten Salzgitter die Rohstoffpreise. “Wir haben null Chance, wir werden getrieben”, sagte Vorstandschef Leese. “Das Thema kann uns kräftig in die Suppe spucken beim Ergebnis.” Die Marktmacht des zu den kleinen Herstellern gehörenden Konzerns ist gering, weshalb er sich mit den in Asien ausgehandelten Preisen abfinden muss. Die Rohstoffkonzerne wollen in diesem Jahr Aufschläge von bis zu 100 Prozent durchsetzen - und damit an die Spotmarktpreise anknüpfen.

Das System der für stets ein Jahr im Voraus ausgehandelten Preise - die den Stahlkochern Planungssicherheit gibt - steht allerdings auf dem Prüfstand. Weltmarktführer Vale sowie Verfolger BHP und Rio Tinto wollen es beenden, die Stahlkonzerne sperren sich allerdings dagegen. Als möglich gilt, dass die Branche zu Quartals-Preisabschlüssen übergeht. Es sei denkbar, für Teile des Liefervolumens fixe Preise zu vereinbaren und den Rest variabel zu gestalten, sagte Leese. Absicherungsgeschäfte über die Börse seien hingegen kaum möglich. Ein anderer Ausweg könne sein, die Lagerkapazitäten aufzustocken.

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