October 24, 2012 / 11:49 AM / 7 years ago

SAP trotzt Krise - Cloud-Zukäufe spülen Geld in die Kasse

Logo of German company SAP is pictured at the CeBit computer fair in Hanover, March, 6, 2012. The biggest fair of its kind will run to March 10, 2012. REUTERS/Fabian Bimmer (GERMANY - Tags: BUSINESS TELECOMS SCIENCE TECHNOLOGY LOGO)

Stuttgart (Reuters) - Software von SAP bleibt auch in der Krise für viele Unternehmen unverzichtbar.

Die beiden SAP-Chefs Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott steuern daher weiter Rekorderlöse an und stockten nach der milliardenschweren Übernahme des Cloud-Software-Anbieters Ariba aus den USA die Prognose für das laufende Jahr sogar noch auf. Am Jahresende lägen die Erlöse aus dem Verkauf von Softwarelizenzen und Wartungsdiensten 10,5 bis 12,5 Prozent über dem Rekordwert von 11,35 Milliarden Euro des vergangenen Jahres, stellte das Führungsduo am Mittwoch in Aussicht. Sofern sich das Geschäftsklima im gewöhnlich geschäftsträchtigen vierten Quartal nicht verschlechtert, werde das obere Ende dieser Spanne erreicht. Zum Vergleich: Die Marktforscher von Gartner rechnen 2012 bei den weltweiten Ausgaben der Unternehmen für Software lediglich mit einem Plus von 4,3 Prozent.

Die trotz Euro-Schuldenkrise und Abschwung in China gewachsene Zuversicht untermauerte SAP mit einem Umsatzplus beim Software-Verkauf von 17 Prozent im zurückliegenden Vierteljahr. “Wir haben erstmals im dritten Quartal für mehr als eine Milliarde Euro Software an unsere Kunden verkauft”, sagte McDermott. Seit elf Quartalen liefere SAP prozentual zweistellige Zuwächse ab. Optimistisch stimmen ihn das Wachstum in den neuen Geschäftsfelder Daten-Analyse und mobile Anwendungen sowie im Zukunftsmarkt Cloud-Software: Denn mit solchen Programmen, die nicht mehr auf Computern installiert sind, sondern jederzeit über das Internet auch von mobilen Geräten aus nutzbar sind, ließen sich neue Kunden gewinnen.

Statt der heute 100 Millionen zahlenden Nutzer kalkuliert SAP 2015 mit einer Milliarde. Die Beschaffungs-Plattform Ariba sorge nach der erstmaligen Berücksichtigung in der Bilanz im vierten Quartal 2012 allein für 0,5 Prozentpunkte zusätzliche Erlöse, rechnete Finanzvorstand Werner Brandt vor und überzeugte damit die Börse. Die SAP-Aktien kletterten um rund sechs Prozent und setzten sich damit an die Spitze im Leitindex Dax. SAP schlage sich besser als die Wettbewerber, sagte DZ Bank-Analyst Oliver Finger mit Blick auf Umsatzeinbußen etwa bei Microsoft.

GEWAGTE EXPANSION: SECHS MILLIARDEN EURO FÜR VERLUSTBRINGER

Den Einstieg in den Cloud-Markt haben sich die Walldorfer mit den Übernahmen von Ariba und SuccessFactors 2012 knapp sechs Milliarden Euro kosten lassen, obwohl die Firmen bisher Verluste einfahren. “Kein Anbieter in der Cloud ist derzeit profitabel”, rechtfertigte sich Hagemann Snabe. Da eine selbstentwickelte Cloud-Software jahrelang nicht vom Fleck kam, musste SAP zähneknirschend zukaufen. Denn der Kuchen in der sogenannten Datenwolke wird jetzt verteilt. Reihenweise schlucken die großen Software-Konzerne kleine Cloud-Anbieter, die vor allem Programme zur Reisekostenabrechnung zur Mitarbeiterbeurteilung oder zur Kundenbetreuung entwickeln. Bis 2015 will SAP mit Cloud-Software zwei Milliarden Euro - oder rund zehn Prozent seiner gesamten Erlöse - erwirtschaften. Spätestens dann sollen damit auch die ersten Gewinne erzielt werden, die aber schmaler als im Stamm-Geschäft mit fest installierter Software ausfallen werden. Für 2012 beließ der SAP-Vorstand die Prognose für den Betriebsgewinn unverändert bei 5,05 bis 5,25 (Vorjahr: 4,71) Milliarden Euro.

Weltweit zählt SAP rund 200.000 Firmen zu seinen Kunden, die allen Unkenrufen zum Trotz weiter fleißig Software zur Steuerung von Beschaffung, Produktion und Mitarbeitern bei den Walldorfern einkaufen. In Amerika und Asien sei SAP-Software weiter gefragt, sagte McDermott. In Europa, wo die Geschäfte wegen der Schuldenkrise zuletzt stagnierten, sei im vierten Quartal wieder mit Wachstum zu rechnen. “Wir sind zuversichtlich, dass wir weiterhin bessere Ergebnisse als unsere Wettbewerber erzielen werden”, sagte er. Erzrivale Oracle kämpft derzeit mit einem schwachen Server-Geschäft. Mit dem neuen Standbein wollen die Kalifornier bei Firmenkunden punkten, treten aber nun ebenfalls gegen Schwergewichte wie IBM und HP an.

Sorgenfalten dürfte die teure Expansion im Cloud-Geschäft Finanzvorstand Brandt bereiten, der als Zielwert für die operative Marge 35 Prozent im Jahr 2015 ausgegeben hat: Im dritten Quartal sank die Renditekennziffer erneut um zwei Prozentpunkte auf 31,2 Prozent. Denn der um zehn Prozent auf 1,026 Milliarden Euro gestiegene Betriebsgewinn konnte trotz Rückenwinds vom Euro-Wechselkurs nicht mit dem Tempo des Erlöszuwachses mithalten. Rechenzentren, Marketing und Reisen verschlangen deutlich mehr Geld als im Vorjahr. Brandt hatte die gut 61.000 Mitarbeiter im Sommer zur Mäßigung bei den Ausgaben aufgefordert, um den Margendruck abzufangen. SAP muss bei der Rendite Boden gutmachen: Konkurrent Oracle fährt mit einer operativen Marge von 46 Prozent weit voraus.

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