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Pleite von Schlecker - Die Kinder müssen ins Gefängnis
November 27, 2017 / 12:15 PM / in 19 days

Pleite von Schlecker - Die Kinder müssen ins Gefängnis

Stuttgart (Reuters) - Im Prozess um die Pleite der Drogeriekette Schlecker müssen die beiden Kinder des ehemaligen Eigentümers Anton Schlecker ins Gefängnis.

Anton Schlecker arrives for the trial at a regional court in Stuttgart, Germany, November 27, 2017. REUTERS/Michaela Rehle

Das Landgericht Stuttgart verurteilte Lars und Meike Schlecker am Montag zu Haftstrafen von 33 und 32 Monaten, weil sie wenige Tage vor der Pleite noch sieben Millionen Euro aus der von ihnen geführten Logistik-Tochter LDG herausgezogen hatten. “Man wollte sich halt selbst bereichern”, sagte der Vorsitzende Richter Roderich Martis. “Beide wussten, dass das nicht in Ordnung sein kann.” Der 73-jährige Anton Schlecker bekam dagegen zwei Jahre auf Bewährung wegen vorsätzlichen Bankrotts, zudem muss er eine Geldstrafe von 54.000 Euro zahlen. Er hatte nach Erkenntnissen des Gerichts zwar vor der Insolvenz im Januar 2012 Geld abgezweigt, davon aber selbst nicht profitiert.

Viele Zuschauer im Landgericht, darunter einige der ehemals 23.000 Mitarbeiter Schleckers, nahmen die Bewährungsstrafe für Anton Schlecker mit vernehmbarem Murren zur Kenntnis. Auf die Haftstrafen für die Kinder reagierten sie dagegen mit Beifall. “Es besteht kein Anlass zu Häme oder Schadenfreude”, sagte der Anwalt des ehemaligen Drogeriekönigs, Norbert Scharf.

Richter Martis warf auch Schleckers Lebensleistung in die Waagschale, der aus einer Metzgerei ein europaweites Drogerie-Imperium geschaffen hatte. “Anton Schlecker hat sein ganzes Leben viel gearbeitet und sich nichts zuschulden kommen lassen.” Anders als die Staatsanwaltschaft beantragt hatte, könne nicht von einem besonders schweren Fall des Bankrotts die Rede sein. Die Strafverfolger hatten drei Jahre Haft für Anton Schlecker gefordert. Der 73-Jährige darf die Geldstrafe - 360 Tagessätze zu je 150 Euro - in Raten von 4500 Euro im Monat abstottern.

EINE “GEWINNAUSSCHÜTTUNG” KURZ VOR DER INSOLVENZ

Schleckers Kinder Lars (46) und Meike (44) hatten nach den Erkenntnissen des Gerichts die LDG geführt, die für Schlecker den Transport der Waren vom Zentrallager in die zeitweise 8000 Filialen abwickelte. Das Landgericht legte ihnen unter anderem Insolvenzverschleppung, Untreue und Beihilfe zum Bankrott zur Last. Zum einen habe die LDG für die Transporte viel zu viel Geld von Schlecker kassiert. Damit habe die Familie der Kette Millionen entzogen, die den Gläubigern letztlich fehlten. Vor allem aber stieß sich das Gericht daran, dass sie an dem Tag, an dem die Drogeriekette eine Insolvenzantrag ankündigte, zusammen sieben Millionen Euro von der LDG auf ihr Privatkonto überweisen ließen. Nach dieser “Gewinnausschüttung” sei auch die LDG pleite gewesen. Das Geld war von Anton Schlecker gekommen, der dafür Immobilien einer Österreich-Tochter und der Drogeriekette “Ihr Platz” in Osnabrück zu Geld gemacht hatte.

Bei Lars Schlecker blieb das Gericht nur einen Monat unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, bei Meike folgte Martis genau dem Strafantrag. In dem mehr als acht Monate dauernden Prozess ging es im Kern darum, wann Schlecker und seine Kinder die drohende Pleite kommen sahen. Von diesem Zeitpunkt an hätte der Unternehmenspatriarch der Firma kein Geld mehr entziehen dürfen. “Er wusste, dass die Firma am Ende war - und hoffte dennoch weiter”, sagte der Richter.

“Schlecker war ein Familienunternehmen, das sich nur um die eigene Familie, aber nie um die Familien der Beschäftigten gekümmert hat”, kommentierte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger das Urteil. Warnungen und Hinweise der Schlecker-Betriebsrätinnen vor der extremen wirtschaftlichen Schieflage des Unternehmens hätten Anton Schlecker nicht interessiert.

Er hatte vor Gericht betont, er habe bis zuletzt an das Überleben der Firma geglaubt. Dabei schrieb diese schon seit 2004 Verluste, nur in einem Jahr standen danach noch schwarze Zahlen zu Buche. Anfang 2011 hatte die Firma dem Gericht zufolge gerade noch sieben Millionen Euro übrig - und keine Chance mehr auf neue Kredite. Ein Sanierungsplan, den die Beratungsfirma Wieselhuber & Partner aufgesetzt hatte, floppte, weil das Geld fehlte. Verteidiger Scharf hatte argumentiert, Schlecker habe die tiefe Krise aufgrund seiner langjährigen Erfolge und seiner Persönlichkeit nicht wahrhaben wollen. “Das schlägt einen vielleicht in dem Moment mit Blindheit.”

RÜCKENDECKUNG VOM INSOLVENZVERWALTER

Strafmildernd fiel ins Gewicht, dass die Familie kurz vor dem Urteil noch einmal vier Millionen Euro Wiedergutmachung an den Insolvenzverwalter gezahlt hatte. Zusammen mit dem zehn Millionen aus einem Vergleich im Jahr 2013 habe Schlecker den vom Gericht festgestellten Schaden damit mehr als wettgemacht, sagte Richter Martis. Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hatte für ein mildes Urteil plädiert: “Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich einige Transaktionen als kritisch ansehe”, sagte er dem “Handelsblatt”. “Aber eine Inhaftierung hielte ich für sehr hart.”

Anton Schlecker musste sich das Geld von seiner Frau Christa leihen. Er gilt nach der Pleite als mittellos. Denn er hatte den Milliardenkonzern als “eingetragener Kaufmann” geführt - für ein Unternehmen dieser Größe einzigartig. Damit hatte er zwar allein das Sagen im Schlecker-Reich, haftete aber mit seinem gesamten Vermögen für die Firma. Das allein hielten seine Verteidiger für ein Indiz, dass er nichts absichtlich beiseite schaffen wollte. Durch die rechtzeitige Umwandlung der Firma in eine GmbH hätte er sein Privatvermögen aus der Pleite heraushalten können.

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