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Wirtschaftsnachrichten

Schuldenberg des Staates wegen Corona hoch wie nie - "Verkraftbar"

Euro currency bills are pictured at the Croatian National Bank in Zagreb, Croatia, May 21, 2019. Picture taken May 21, 2019. REUTERS/Antonio Bronic

Berlin (Reuters) - Die Corona-Rezession hat die Schulden des deutschen Staates im ersten Halbjahr auf einen Rekordstand getrieben.

Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung einschließlich aller Extrahaushalte standen zur Jahresmitte mit 2,1089 Billionen Euro in der Kreide. “Dies war der höchste jemals ermittelte Stand in der Schuldenstatistik”, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Damit wuchs die Verschuldung im Vergleich zu Ende 2019 um 11,1 Prozent oder 210,1 Milliarden Euro. “Der Anstieg ist im Wesentlichen dadurch begründet, dass die öffentlichen Haushalte finanzielle Mittel für Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise aufnahmen”, erklärte das Bundesamt. Der bisherige Höchststand war Ende 2012 mit 2,0683 Billionen Euro gemessen worden.

Experten halten die Entwicklung für vertretbar. “Der Anstieg der Staatsschulden war auch in dieser Höhe angemessen und notwendig, um eine noch viel schlimmere Wirtschaftskrise zu vermeiden”, sagte der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Jens Südekum, mit Blick auf die Corona-bedingte Rekordrezession im ersten Halbjahr. “Der Anstieg ist wirtschaftlich auch gut verkraftbar, denn der Bund zahlt ja überhaupt keine Zinsen auf die neu aufgenommenen Schulden. Im Gegenteil, er hat einen Teil des Geldes wegen der Negativzinsen sogar geschenkt bekommen.” Sobald das Wirtschaftswachstum zurückkehre - was schon 2021 der Fall sein dürfte - sinke auch die Schuldenquote in Bezug zum Bruttoinlandsprodukt. “Die deutschen Staatsfinanzen sind also weiterhin höchst solide und die Schuldentragfähigkeit ist ohne Zweifel gegeben”, sagte Südekum, der Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium ist.

Mit Ausnahme der Sozialversicherung waren alle anderen staatlichen Ebenen zur Jahresmitte stärker verschuldet als Ende 2019. Am stärksten stieg die Verschuldung des Bundes, und zwar um 13,7 Prozent oder 163,0 Milliarden Euro auf 1,3515 Billionen Euro. Die Verbindlichkeiten der Länder erhöhten sich um 8,0 Prozent auf 624,9 Milliarden Euro. Sie nahmen in allen Ländern zu, prozentual am stärksten in Sachsen (+89,6 Prozent), Bayern (+30,6) und Bremen (+20,4). Die Länder mit dem höchsten absoluten Zuwachs waren Nordrhein-Westfalen (+17,0 Milliarden Euro), Bremen (+6,1 Milliarden Euro) und Niedersachsen (+4,1 Milliarden Euro).

Der Schuldenstand der Kommunen erhöhte sich um 0,8 Prozent auf 132,4 Milliarden Euro. Die Verbindlichkeiten stiegen vor allem in Gemeinden in Schleswig-Holstein (+5,4 Prozent), Hessen (+4,2) und Niedersachsen (+2,2). Dagegen sanken sie im Saarland (‑14,4 Prozent), Sachsen (‑7,3) und Thüringen (-4,7). Die Sozialversicherung konnte ihren Schuldenberg dagegen um 8,8 Prozent auf 52 Millionen Euro reduzieren.

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