December 16, 2016 / 10:05 AM / 2 years ago

Zwölfjähriger plante offenbar Anschlag in Ludwigshafen

People visit the Christmas market near Alexanderplatz square in Berlin, Germany, November 23, 2016. REUTERS/Fabrizio Bensch

Berlin (Reuters) - Ein zwölfjähriger Deutsch-Iraker hat offenbar versucht, zwei Anschläge im rheinland-pfälzischen Ludwigshafen zu verüben, darunter einen auf den Weihnachtsmarkt.

Am 5. Dezember habe der Junge in einem Gebüsch nahe dem Rathausplatz einen Rucksack abgestellt, in dem sich ein Konservenglas mit einem entzündlichen Pulver befunden habe, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt von Frankenthal, Hubert Ströber, am Freitag. Von außen sei der Behälter mit Klebeband umwickelt und mit Nägeln präpariert gewesen. Zu dem geplanten Attentat habe es einen “Hinweisgeber” gegeben, so dass der Rucksack entdeckt wurde.

Herausgestellt habe sich dann, dass der in Ludwigshafen geborene Junge schon am 26. November versucht habe, einen Nagelbombenanschlag auf den Weihnachtsmarkt zu verüben. Da der Minderjährige strafunmündig ist, sei von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens abgesehen worden, sagte Ströber zu Reuters. Das Jugendamt sei informiert und kümmere sich um das Kind. Die eigenen Erkenntnisse seien aber Grund gewesen, Kontakt mit der Bundesanwaltschaft aufzunehmen, der eine Zuständigkeit “bezüglich des Umfelds” des Kindes zukomme. Möglicherweise sei der Junge bei seiner Tat beeinflusst worden.

Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft bestätigte, dass Ermittlungen wegen des Fundes einer Nagelbombe in Ludwigshafen aufgenommen worden seien. Details wollte er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen.

“Focus” berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, der Junge sei “stark religiös radikalisiert” und womöglich von einem “unbekannten Mitglied” der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) angestiftet oder angeleitet worden. Der Junge habe im Sommer 2016 mit dem Gedanken gespielt, nach Syrien auszureisen, um sich dort dem IS anzuschließen. Auch der Südwestrundfunk berichtete, die Spur führe in Richtung IS. Der Junge sei über den Messengerdienst Telegram angeleitet worden. Auch bei mehreren Attentaten in jüngster Zeit sollen die Täter Hinweise zur Tat über das Internet erhalten haben. Laut SWR machte der Junge einen Fehler beim Bau des Sprengsatzes, der deswegen nicht zündete.

REGIERUNGSSPRECHER: MELDUNG LÄSST AUFSCHRECKEN

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte zu dem Vorfall: “Das ist natürlich eine Meldung, die jeden aufschrecken lässt.” Wie ein Sprecher des Innenministeriums verwies er auf die jetzt beim Generalbundesanwalt liegenden Ermittlungen.

Kanzleramtsminister Peter Altmaier sagte Reuters TV, die Sicherheitsbehörden seien sensibilisiert. Es gebe nicht nur Erwachsene, die sich radikalisierten, sondern auch Jugendliche und Minderjährige. Um darauf angemessen zu reagieren, seien die gesetzlichen Voraussetzungen schon verbessert worden. “Und wir werden uns jetzt noch einmal anschauen, ob es Handlungsbedarf gibt, damit die Sicherheitsbehörden ihre Aufgaben umfassend erledigen können.” Bei den Ermittlungen gehe es unter anderem um die Frage, ob die Radikalisierung des Jungen im Elternhaus oder über das Internet stattgefunden habe.

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