March 11, 2013 / 4:13 PM / 6 years ago

Wechsel an Siemens-Aufsichtsratsspitze steht nicht bevor

Flags of German engineering conglomerate Siemens AG flutter before the company's annual shareholder meeting in Munich January 23, 2013. Siemens warned that demand for products such as industrial automation and drive technologies was weakening as it posted a decline in new orders for its fiscal first quarter. REUTERS/Michael Dalder (GERMANY - Tags: BUSINESS)

München (Reuters) - Die Geschäfte bei Siemens werden wohl noch einige Zeit von Gerhard Cromme als Aufsichtsratschef kontrolliert werden.

“Bei Siemens gibt es keine Veränderung”, sagte ein Konzernsprecher am Montag. Crommes Abschied als Aufsichtsratschef bei dem von Milliarden-Verlusten, Kartellverfahren und Personalquerelen erschütterten ThyssenKrupp-Konzern hatte über das Wochenende Spekulationen ausgelöst, der 70-jährige könnte auch bei den Münchener die Brocken hinwerfen.

Erst Ende Januar wählten die Siemens-Aktionäre Cromme für fünf Jahre mit großer Mehrheit wieder in das Kontrollgremium. An der Isar wird er deutlich mehr geschätzt als an der Ruhr. Die Anteilseigner rechnen dem promovierten Juristen hoch an, dass er den Münchener Technologiekonzern vor sechs Jahren aus dem Korruptionssumpf geholt hat und die Sanktionen der US-Börsenaufsicht für die Schmiergeldaffäre verhältnismäßig moderat ausfielen. Als “Präsident aus Stahl” lobte ihn seinerzeit ein Redner auf der Hauptversammlung. Selbst die Arbeitnehmervertreter haben nichts gegen Cromme. Die IG Metall sei weder Gegner noch expliziter Befürworter des amtierenden Aufsichtsratschefs, sagte ein Gewerkschaftssprecher am Montag.

LÖSCHERS KARRIERE ENG MIT CROMMES SCHICKSAL VERBUNDEN

Auch Siemens-Vorstandschef Peter Löscher dürfte es begrüßen, wenn sich an der Zusammensetzung des Aufsichtsrats nichts ändert, ist seine Karriere doch eng mit der Crommes verbunden. Als frischgekührter Chefkontrolleur lotste er den Österreicher Mitte 2007 vom US-Pharmakonzern Merck zu Siemens. Als externer Aufräumer pflegte Löscher ein enges Verhältnis zu seinem Patron. Durch die jüngste milliardenschwere Reihe von Patzern wie dem missratenen Anschluss von Nordsee-Windparks geriet Löscher zuletzt in die Kritik von Großanlegern. Cromme stellte sich hinter seinen Zögling, schaffte allerdings für den Fall der Fälle etwas verbale Distanz. Beide verbindet eine Schicksalsgemeinschaft. So musste sich Cromme vorwerfen lassen, er schaue den mitunter glücklos agierenden Vorständen nicht immer genau genug auf die Finger. Sollte Cromme eines Tages von seinem Amt zurücktreten, werde es für Löscher deutlich ungemütlicher, heißt es aus dem Umfeld des Aufsichtsrats. Finanzvorstand Joe Kaeser gilt vielen Kennern bereits heute als das eigentliche Machtzentrum im Siemens-Hauptquartier am Wittelsbacher Platz.

Mehrere Aktionäre forderten auf ihrem jüngsten Treffen, Cromme solle sich langsam Gedanken um seine Nachfolge machen und brachten Amtserben aus der Familie Siemens ins Spiel. Insidern zufolge ist diese Variante selbst in einigen Jahren allerdings unwahrscheinlich. Der bisherige Familienrepräsentant Gerd von Brandenstein ist bereits über 70 Jahre alt. Gründer-Ururenkelin Nathalie von Siemens läuft sich seit diesem Jahr als Chefin der Siemens-Stiftung für höhere Weihen warm, ist allerdings erst Anfang 40. “So weit sind wir dann doch noch nicht”, sagte ein Kenner der Aufsichtsratskultur. “Das kungeln die alten Männer schon noch unter sich aus.”

So wird mit den üblichen Namen der potenziellen Nachfolger Crommes spekuliert. Der einstige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wird dabei genannt, gilt aber durch seinen Posten im Aufsichtsratspräsidium zusammen den Arbeitnehmervertretern Berthold Huber und Lothar Adler als Repräsentant des aktuellen Systems. Als Joker ist Linde-Chef Wolfgang Reitzle im Gespräch, der bereits den Aufsichtsrat des Auto-Zulieferers Continental führt. Der 64-Jährige zählte 2007 zu den Anwärtern auf den Siemens-Vorstandschefposten und macht im kommenden Jahr bei Linde Schluss. Reitzle erklärte bereits vergangene Woche, seinen Ruhestand nicht mit Nichtstun verbringen zu wollen. Im Siemens-Aufsichtsrat ist er bisher nicht.

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