May 8, 2020 / 5:05 AM / in 20 days

Siemens wegen Coronakrise vor längerer Durststrecke

München (Reuters) - Siemens-Chef Joe Kaeser muss den Münchner Industriekonzern in den letzten Monaten seiner Amtszeit durch ein tiefes Konjunkturtal führen.

A company sign at the headquarters of Siemens AG is seen in Munich, Germany, December 18, 2019. REUTERS/Michael Dalder

Die “Talsohle” werde zwar im laufenden dritten Quartal 2019/20 erreicht sein, es werde aber sechs bis neun Monate dauern, ehe es bei Siemens wieder richtig aufwärts gehe, sagte Kaeser am Freitag bei der Vorstellung der Zwischenbilanz. “Wir wissen es nicht genau, und unsere Kunden wissen das auch nicht.” Siemens stellt sich in der Coronakrise nun auf einen “moderaten” Umsatzrückgang von bis zu fünf Prozent im laufenden Geschäftsjahr (Ende September) statt eines entsprechenden Zuwachses ein, die Gewinnprognose zog der Konzern zurück.

“Keine Überraschung”, schrieb Analyst Andreas Willi von J.P. Morgan. Kaeser hatte bereits im März angedeutet, dass die Ziele in weite Ferne gerückt seien. An der Börse wurde goutiert, dass sich Siemens in der heraufziehenden Coronakrise zwischen Januar und März noch wacker geschlagen hatte. Der Umsatz lag mit 14,2 Milliarden Euro nur marginal unter Vorjahr, der Auftragseingang brach aber bereits um neun Prozent ein. Das operative Ergebnis (Ebita) schrumpfte im zweiten Quartal zwar um 18 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro, lag damit aber über den Erwartungen der meisten Experten. Von den gut 380.000 Mitarbeitern sind derzeit nur 7400 in Kurzarbeit. Kaeser sprach von einem “robusten Quartal trotz komplizierter Umfeldbedingungen”.

Die Siemens-Aktie stieg um 5,3 Prozent auf 88,80 Euro. Seit Mitte März hat sie um die Hälfte zugelegt.

Um die Folgen der Krise abzufedern, will Kaesers Nachfolger Roland Busch die geplanten Einsparungen in den Kernsparten Smart Infrastructure (Gebäudetechnik und öffentliche Infrastruktur) und Digital Industries (Automatisierung) schneller umsetzen. Sie sollen die Kosten bis September 2021 schon um 475 Millionen Euro gesenkt haben, 165 Millionen mehr als bisher geplant. Die beiden Bereiche reagieren stärker auf die Konjunktur als etwa die Zug-Sparte. Das dürfte sich im dritten Quartal massiv in den Zahlen niederschlagen. Dass sie sich bis März noch vergleichsweise gut hielten, führte Finanzvorstand Ralf Thomas auf “Hamsterkäufe” in der Krise zurück. So etwas gebe es auch in der Industrie, vor allem in Asien.

Wie es nach der akuten Krise weitergeht, darauf hätten die Kunden von Siemens einen ganz unterschiedlichen Blick, sagte Vorstandschef Kaeser: Die Autoindustrie sehe es positiver, die Flugzeugbranche sei dagegen sehr pessimistisch. Im Maschinenbau seien Chinesen zuversichtlich, während Italiener und Deutsche schwarz sähen. Deutschland dürfe aber nicht in eine “Weiter-so-Mentalität” zurückfallen, sondern müsse die Coronakrise “mit einer perspektivischen Neuausrichtung der Industrie verbinden”, mahnte Kaeser.

Am Plan, die mit mehr als 300 Millionen Euro in die roten Zahlen gerutschte Energie-Sparte Siemens Energy im September an die Börse zu bringen, hält Kaeser fest. Er ist ab Oktober im Vorstand operativ nur noch für das Energiegeschäft zuständig. Die strategische Führung hat dann bereits Busch, der ihn Anfang 2021 auch an der Vorstandsspitze ablöst. Siemens Energy ist - einschließlich der Windkraft-Tochter Gamesa - nicht mehr in den operativen Zahlen enthalten, die Verluste drückten aber den Nettogewinn im Konzern im zweiten Quartal um fast zwei Drittel auf 697 Millionen Euro. Ob der Gewinn aus der Abspaltung am Ende höher ausfällt als die damit verbundenen Kosten, sei offen.

PLÄDOYER FÜR DIE ZUGSPARTE

Auf dem gleichen Weg will Siemens nun die Tochter Flender abspalten und an die Börse bringen. Der Hersteller mechanischer Antriebe für die Industrie und die Wind-Branche galt seit Jahren als Kandidat für einen Verkauf, doch hatte Siemens damit stets gezögert. Nun sollen die Flender-Aktien an die Siemens-Aktionäre verteilt werden, frühestens 2021. Das Düsseldorfer Unternehmen kommt auf einen Umsatz von zwei Milliarden Euro, gilt aber als renditeschwach.

Eine Trennung von der Zug-Sparte ist dagegen offenbar kein Thema mehr. Busch hielt ein Plädoyer für Siemens Mobility, die ein “integraler Bestandteil” des Konzerns sei und sich in der Coronakrise als Bollwerk erwies. Offiziell ist die Vorstellung der neuen Strategie auf den Sommer vertagt, doch versprach Busch der Sparte bereits “selektive” Zukäufe, wenn sich Gelegenheiten ergäben. Die geplante Mega-Fusion mit dem französischen Rivalen Alstom war 2018 am Widerstand der EU-Wettbewerbshüter gescheitert, doch nun greifen die Franzosen nach der kanadisch-deutschen Bombardier. Man werde das “sehr aufmerksam” beobachten und darauf reagieren, sagte der designierte Siemens-Chef.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below