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Unternehmensnachrichten

Kaeser übergibt Siemens fast besenrein an neuen Hausherrn

München (Reuters) - Siemens-Chef Joe Kaeser übergibt den Münchner Technologiekonzern nur leicht angeknackst von der Corona-Krise an seinen Nachfolger Roland Busch: Umsatz und operativer Gewinn lagen im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20 (Ende September) knapp unter Vorjahr, dank einiger Sondereffekte aus der Abspaltung des defizitären Energietechnik-Geschäfts.

German engineering group Siemens CEO Joe Kaeser reacts as he attends a news conference prior to the annual general meeting in Munich, Germany February 5, 2020. REUTERS/Andreas Gebert

Im Schlussspurt holte Siemens einen großen Teil der Einbußen aus dem Frühjahr wieder auf. Die Aktionäre müssen sich zum ersten Mal seit Kaesers Amtsantritt vor sieben Jahren aber mit einer geringeren Dividende von 3,50 (Vorjahr: 3,90) Euro je Aktie begnügen. “Wir sind nicht ideal, aber sehr gut aufgestellt”, sagte Busch am Donnerstag auf der Online-Bilanzpressekonferenz. Die erwartete Erholung im neuen Geschäftsjahr fällt verhaltener aus als die Analysten erwartet hatten. Die Siemens-Aktie fiel um zwei Prozent auf 115 Euro.

Ob er sein Versprechen eingehalten habe, Siemens in einem besseren Zustand zu hinterlassen als er sein Vorgänger, müssten andere beurteilen, sagte Kaeser. “Aber es hätte auch schlimmer laufen können - viel schlimmer”, betonte er mit einem Seitenhieb auf den einstigen Erzrivalen GE. “Der Übergang von einem schwer berechenbaren und undurchsichtigen Konglomerat zu einem fokussierten und transparenteren Unternehmen mit einer klaren Struktur von Verantwortung und Verantwortlichkeit war dringend notwendig.” Mit dem Börsengang der Medizintechnik-Tochter Siemens Healthineers 2018 und der Abspaltung von Siemens Energy Ende September habe er die wichtigsten Ziele seiner “Vision 2020+” gerade noch rechtzeitig geschafft, sagte Kaeser.

“MAN KANN GAR NICHT OPTIMAL AUFGESTELLT SEIN”

Offiziell ist Kaeser noch bis Februar 2021 im Amt, hat die Verantwortung für das Geschäft aber Anfang Oktober an Busch abgegeben. Der spricht vom “Siemens-Ökosystem”, wenn es um die drei Firmen mit dem Namen Siemens geht. Der erste Ingenieur an der Spitze des Traditionskonzerns seit 28 Jahren soll Siemens wieder mehr als Technologiekonzern positionieren, mit eigenen Entwicklungen statt teuren Zukäufen. “Man kann gar nicht optimal aufgestellt sein, man kann sich nur weiterentwickeln”, sagte er.

Das bereinigte operative Ergebnis aus dem Industriegeschäft (Ebita) lag 2019/20 trotz der Verwerfungen der Corona-Pandemie mit 7,6 (7,8) Milliarden Euro nur drei Prozent unter Vorjahr. Damit erfüllte sich Kaesers Hoffnung, dass der Tiefpunkt im Sommer durchschritten sein werde. Im vierten Quartal legte das Ebita um zehn Prozent zu, begünstigt durch den Börsengang der US-Softwarefirma Bentley Systems, der den Wert des Aktienpakets von Siemens um gut eine halbe Milliarde Euro nach oben schießen ließ. Damit ließen sich die 500 Millionen, die der laufende Personalabbau kostete, mehr als wettmachen.

Der Nettogewinn sank im Geschäftsjahr um ein Viertel auf 4,2 Milliarden Euro. Dabei kam Finanzchef Ralf Thomas ein Buchgewinn von 1,2 Milliarden Euro aus der Abspaltung der Energietechnik zugute, der die Kosten des Spin-off und die operativen Verluste der Tochter nur zum Teil ausglich. Deshalb erhalten Aktionäre weniger Dividende. Damit kämen sie aber nicht schlechter weg als ein Jahr zuvor, argumentierte Thomas: Die Differenz entspreche etwa dem Wert der Siemens-Energy-Aktien, die man ihnen ins Depot gebucht hatte.

“KLARES JA” ZUR ZUG-SPARTE

Der Umsatz schrumpfte - ohne die abgespaltene Siemens Energy - um zwei Prozent auf 57,1 Milliarden Euro. Der Auftragseingang ging um sieben Prozent auf 60,0 Milliarden zurück. Vor allem die Zug-Sparte schlug sich zuletzt besser als die vor der Fusion stehenden Rivalen Alstom und Bombardier. Busch zählt Siemens Mobility wieder zum Kerngeschäft - einschließlich der Lokomotiven und Züge. “Passt das zu uns? Klares Ja”, sagte er. Siemens wachse schneller als der Markt.

Für 2020/21 traut Busch Siemens trotz heftigen Gegenwinds von Währungseffekten einen “moderaten” Umsatzzuwachs von drei bis fünf Prozent zu, der Nettogewinn werde im selben Maß steigen - wobei Zuwächse eher in der zweiten Jahreshälfte zu erwarten seien. “Die Pandemie wird auch ein Ende haben”, sagte Kaeser. Die ungünstigen Wechselkurse des US-Dollar und des chinesischen Yuan kosteten Siemens aber bis zu eine halbe Milliarde Gewinn, rechnete Thomas vor. Analysten zeigten sich von den Aussichten enttäuscht. Sie hatten für 2020/21 im Schnitt fünf Milliarden Euro Nettogewinn kalkuliert. Die Währungseffekte könnten mehr als die Hälfte der Differenz erklären, räumte Jefferies-Analyst Simon Toennessen sein.

Der Umbau geht auch nach Kaesers Abschied weiter. Das bei Mobility angesiedelte Geschäft mit Verkehrssteuerungssystemen für Straßen (Intelligent Traffic Systems) mit 600 Millionen Euro Umsatz soll in die Selbstständigkeit entlassen werden. Busch wich der Frage aus, ob das in einen Verkauf der Sparte münden werde. Auch von dem Elektroauto-Joint Venture mit dem französischen Autozulieferer Valeo könnte sich Siemens trennen. Das Erlanger Unternehmen schreibt seit der Gründung 2016 Verluste. “Wir gehen davon aus, dass sich daran auch mittelfristig nichts ändert”, sagte Finanzchef Thomas.

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