November 23, 2017 / 10:22 AM / 21 days ago

IG Metall droht Siemens mit langem Kampf gegen Jobabbau

Berlin (Reuters) - Siemens droht ein zäher Kampf mit den Gewerkschaften um den Abbau von knapp 7000 Stellen im Geschäft mit Turbinen und Generatoren.

Siemens employees and union members protest with a banner that reads "Siemens = social responsibility" outside a meeting of the Siemens works council in Berlin, Germany, November 23, 2017. REUTERS/Hannibal Hanschke

IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner kündigte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag eine lange Auseinandersetzung an: “Wenn das die neue Unternehmenskultur bei Siemens ist, können wir das auch in die Länge ziehen.” Sogar Streiks sind möglich - es wären die ersten bei Siemens seit den 1990er Jahren. Die Pläne des Münchner Industriekonzerns hätten die Arbeitnehmer getroffen wie ein Blitz aus heiterem Himmel. “Das ist ein ganz neuer Stil.” SPD-Chef Martin Schulz nannte das Verhalten des Konzerns auf einer Protestkundgebung in Berlin, an der nach Angaben der IG Metall rund 2500 Mitarbeiter teilnahmen, “asozial” und appellierte an die soziale Verantwortung von Siemens-Chef Joe Kaeser.

Auf der gleichen Veranstaltung forderte Kerner Siemens auf, vor Aufnahme von Gesprächen auf die Schließung von mindestens zwei Werken vorab zu verzichten: “Wir werden nicht auf der Grundlage von Schließungsplänen verhandeln. Siemens ist kein Sanierungsfall.” Das Unternehmen will die Verhandlungen so rasch wie möglich aufnehmen. “Es ist niemandem geholfen und zuallerletzt den betroffenen Mitarbeitern, wenn wir nicht in einen Dialog kommen und Lösungswege finden.” Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn forderte den Vorstand auf, die Pläne zurückzunehmen und mit den Arbeitnehmern alternative Konzepte zu entwickeln.

Auch Arbeitsniederlegungen sind für die Gewerkschaft nicht mehr tabu. “Streik bleibt immer das letzte Mittel”, sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann der “Süddeutschen Zeitung”. Er ging mit Vorstandschef Kaeser hart ins Gericht: “Die Art, wie Siemens-Chef Joe Kaeser dieses Thema kommuniziert, ist skandalös.” Wegen der drohenden Standortschließungen werde die Gewerkschaft “nun ordentlich Krawall machen”. Geschlossen werden sollen die Werke in Görlitz und Leipzig. In Erfurt soll ein Verkauf des Werks den Standort retten. IG-Metall-Vorstand Kerner, der auch im Siemens-Aufsichtsrat sitzt, will auch die Siemens-Belegschaft außerhalb des Kraftwerksgeschäfts für Proteste gewinnen: “Wir mobilisieren an allen Standorten, nicht nur im Kraftwerksgeschäft. Wir wollen den Druck hoch halten.”

Zu der Protestaktion am Donnerstag waren Mitarbeiter aus ganz Deutschland gekommen. Begonnen hatte sie mit einem Korso von 175 Fahrzeugen quer durch Berlin zu einem Luxushotel, in dem sich seit Mittwoch alle deutschen Siemens-Betriebräte zu ihrer jährlichen Tagung trafen. Siemens-Arbeitsdirektorin Janina Kugel versuchte den Abbau vor den Betriebsräten nochmals zu erklären: “Ein ‘Weiter so’ geht nicht.” In der Kraftwerkstechnik handele es sich nicht um konjunkturelle Schwankungen, die man im Konzern mit Quersubventionierungen ausgleichen könne. “Wo ein Markt sich strukturell verändert und damit auch Verluste einfährt, müssen sie handeln.”

ALS SICH SIEMENS DER REALITÄT VERWEIGERTE

Siemens-Chef Kaeser wies in einem offenen Brief an SPD-Chef Schulz den Vorwurf zurück, Siemens habe zu spät auf den Wandel in der Energietechnik reagiert. Mitschuld daran habe die “in der Sache richtige, aber in Ausführung und Timing höchst unglücklich umgesetzte Energiewende”. “Dass es unseren Wettbewerbern noch viel schlechter geht, ist in dieser Situation wenig tröstlich. Sie macht aber deutlich, dass es sich hier um keine hausgemachten Probleme handelt.” Der Konzern sei mit der Tochter Siemens Gamesa schließlich auch einer der führenden Hersteller von Windkraftanlagen. Allerdings werden dort ebenfalls 6000 Stellen abgebaut - auch in Deutschland. Siemens Gamesa nahm am Donnerstag die Verhandlungen über die Streichung von 272 Stellen in Spanien auf.

Kaeser betonte, er wolle nicht die gleichen Fehler machen wie seine Vorgänger: “Siemens hat Anfang des Jahrtausends seine Wurzeln, das Telekommunikations-Geschäft, unrühmlich aufgeben müssen, weil es sich den Realitäten verweigert hat.” Der Niedergang der Sparte habe die ganze Firma ins Wanken gebracht. “Das darf uns nicht wieder passieren.”

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