January 28, 2010 / 2:08 PM / 9 years ago

Siemens streicht knapp 2000 Stellen in Deutschland

München (Reuters) - Siemens streicht trotz verbesserter Gewinnaussichten rund 2000 Stellen in Deutschland.

Die IG Metall reagierte darauf am Donnerstag empört und nannte die Pläne “angesichts des Rekordergebnisses” im vergangenen Quartal “einfallslos und unnötig”.

Das Management sieht sich durch die Wirtschaftskrise zu dem Schritt gezwungen. Zu betriebsbedingten Kündigungen soll es nach Möglichkeit nicht kommen, wie Personalchef Siegfried Russwurm am Donnerstag in einer Telefonkonferenz ankündigte. Im Bereich Antriebstechnik werden 840 Arbeitsplätze in Neustadt an der Saale und 300 in Erlangen abgebaut. Im Industrieanlagenbau sollen 850 Stellen an mehreren Standorten wegfallen. In Deutschland beschäftigte Siemens zuletzt rund 128.000 Mitarbeiter, weltweit 402.000.

Erst am Dienstag hatte Siemens die Börse mit einem Gewinnsprung im ersten Geschäftsquartal überrascht und eine Anhebung der Prognose für das Gesamtjahr 2009/10 (per Ende September) in Aussicht gestellt. Manche Analysten rechnen fest damit, dass es dazu kommt. Bislang erwartet der Konzern mit einem Ergebnis seiner fortgeführten Aktivitäten von rund drei Milliarden Euro.

Siemens reagiert mit der jüngsten Streichwelle auf den Nachfrageeinbruch vor allem in der Maschinen- und Anlagenbaubranche, die deutlich weniger Elektromotoren und Fabriktechnik bestelle, wie Industriesegmentchef Heinrich Hiesinger erläuterte. In seinem tschechischen Hauptwerk für Elektroantriebe habe das Unternehmen bereits 700 Stellen abgebaut. Trotz einer langsamen Erholung werde der Markt für das Segment Antriebstechnik 2014 ein Drittel kleiner sein als 2008. Der Industrieanlagenbau rechne erst für 2011 mit dem Tiefpunkt seiner Auslastung.

KEIN WEITERER ABBAU GEPLANT

Im Ausland verhandelt Siemens nach eigener Auskunft an einzelnen Standorten zudem über den Abbau von jeweils 100 bis 200 Stellen. Den Arbeitsplatzabbau im Industriegeschäft hat die Konzernspitze bereits seit einiger Zeit signalisiert. Denn sie rechnet für die kommenden Jahre nicht damit, an die Rekordumsätze von 2008 heranzukommen.

Personalchef Russwurm sagte, das Management spreche nun mit den Arbeitnehmervertretern über Abfindungen, Altersteilzeitmodelle und den Einsatz von Mitarbeitern an anderen Standorten. Seit Oktober 2001 schrumpfte die Siemens-Belegschaft um rund 80.000 Stellen. Nach Worten von Segmentchef Hiesinger sind in Deutschland vorerst keine weiteren Streichungen geplant. Er schränkte allerdings ein: “Wenn nötig, werden wir die Kapazitäten weiter anpassen.”

Die IG Metall warf der Konzernführung falsche Konzepte vor. “Stellenabbau und Standortschließungen sind weder intelligent noch verantwortungsvoll und passen nicht zum größten Technologiekonzern in Deutschland”, mahnte die Gewerkschaftsvertreterin Aufsichtsrat, Sibylle Wankel: “Strukturellen Veränderungen kann man mit der Entwicklung alternativer Produkte und spezifischen Qualifizierungsplänen begegnen.”

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