August 29, 2019 / 2:46 PM / 3 months ago

Ost-Sparkassen im Dilemma zwischen Einlagenflut und Negativzins

A Sparkasse sign is seen on the facade of a branch Sparkasse bank in Berlin June 21, 2013. Picture taken June 21, 2013. REUTERS/Tobias Schwarz (GERMANY - Tags: BUSINESS LOGO)

Berlin (Reuters) - Die traditionell einlagenstarken Sparkassen in Ostdeutschland kämpfen mit dem Negativzins.

Denn die 45 Institute steigerten ihre Einlagen im ersten Halbjahr um gut zwei Prozent auf den Rekordwert von gut 106 Milliarden Euro, wie der Dachverband OSV am Donnerstag mitteilte. Der Kreditbestand liegt aber trotz spürbaren Wachstums mit knapp 59 Milliarden Euro deutlich darunter. Die Institute schwimmen damit quasi im Geld - und das in Zeiten von Strafzinsen. “Die Sparkassen suchen Wege, um das nicht der Bundesbank zu geben”, sagte OSV-Geschäftsführer Wolfgang Zender. Denn wenn sie dort über Nacht Geld parken, müssen sie 0,4 Prozent Zinsen dafür bezahlen.

Viele Banken reichen diese Gebühren bereits an große Firmenkunden weiter, scheuen sich aber davor, private Anleger ebenfalls zur Kasse zu bitten. Die OSV-Institute müssten selbst entscheiden, ob sie größeren Privatkunden auch negative Zinsen berechnen, sagte Zender. Dies sei vereinzelt der Fall, ergänzte OSV-Präsident Michael Ermrich. Die Sparkassen versuchten aber, gemeinsam mit den Kunden, individuelle Lösungen und Anlagealternativen zu finden. “Wir können aber nicht jedem sagen, er soll in Aktien investieren.” Politische Verbote von Negativzinsen, wie sie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ins Gespräch gebracht hat, lehnt Ermrich ab.

Ermrich kritisierte die extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ebenso wie der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Helmut Schleweis. Dieser hatte wegen der Niedrigzinspolitik im “Handelsblatt” vor steigenden Kosten für Bankkunden gewarnt. Beide Sparkassen-Funktionäre plädierten dafür, dass die öffentliche Hand ihre Zinsvorteile in Milliardenhöhe bei der Refinanzierung zum Teil an die Bürger zurückgeben sollte. Dies könne etwa durch finanzielle Anreize bei der Vermögensbildung geschehen.

Wegen der niedrigen Zinsen und des schwierigen Marktumfeldes erwarten die OSV-Sparkassen 2019 weniger Gewinn. Das Betriebsergebnis vor Bewertung dürfte um gut elf Prozent auf 1,1 Milliarden Euro sinken.

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