June 11, 2018 / 8:33 AM / 13 days ago

SPD will früher mit einem Kanzlerkandidaten starten

Berlin (Reuters) - Als eine Lehre aus den Debakeln bei den Bundestagswahlen seit 2009 will die SPD ihren Kanzlerkandidaten künftig früher nominieren, um sich besser für den Wahlkampf aufzustellen.

Andrea Nahles, leader of Social Democratic Party (SPD), addresses the lower house of parliament Bundestag in Berlin, Germany, April 26, 2018. REUTERS/Axel Schmidt

“Wir wollen die Spitzenkandidatur früher und geordneter erklären, als das bisher der Fall gewesen ist”, sagte Parteichefin Andrea Nahles am Montag in Berlin. Zuletzt waren die Spitzenkandidaten acht bis zwölf Monate vor den Wahlterminen eher überstürzt als von langer Hand geplant bekanntgeworden. Die SPD zieht damit laut Nahles die Konsequenz aus einer Analyse der Bundestagswahl 2017, mit der die SPD eine externe kleine Beratergruppe beauftragt hatte. “Es fehlte ein klarer Kurs”, sagte Nahles. Die SPD brauche “visionären Überschuss, also weniger Taktik”.

Generalsekretär Lars Klingbeil sprach von einer “ehrlichen, schonungslosen Analyse” der Beratergruppe. Das Papier wurde am Montag im Präsidium und Parteivorstand beraten. Die Erläuterung für den Absturz bei der Bundestagswahl im September 2017 sei “in dieser Klarheit und Härte” neu, sagte ein Vorstandsmitglied. Nahles habe in der Sitzung klargemacht, dass es nicht darum gehe, Schuldige auszumachen, sondern gemeinsam voranzukommen. Zur Arbeitsgruppe gehörten auch ein Werbefachmann, ein Journalist und der SPD-Wahlkampfmanager für die Europawahl 2019. Die lange offen gelassene Kandidatenfrage sei ein Kardinalfehler gewesen, heißt es darin. Die SPD sei nicht kampagnenfähig, und es sei nicht erkennbar gewesen, wofür die Partei stehe.

NAHLES: PARTEIZENTRALE WIRD NEU ORGANISIERT

Die Parteichefin will auch die SPD-Zentrale neu organisieren. Ziel sei es, dass die SPD jederzeit kampagnenfähig sei. Die strategische Kommunikation sei “nicht auf der Höhe der Zeit”. Die SPD müsse auch Streitthemen klären. “Erkennbarkeit braucht klare Prioritäten”, sagte Nahles. Wo es Widersprüche gebe, müssten diese aufgelöst werden. In der Russlandpolitik etwa habe die SPD damit schon begonnen. Das gelte aber auch für den Umgang mit der Flüchtlingsfrage. Nahles hatte jüngst bei Teilen der Partei in der Flüchtlingsdebatte Empörung ausgelöst mit der Aussage: “Wir können nicht alle bei uns aufnehmen.” Ein Parteitag der Berliner SPD verurteilte diese Äußerung.

Die ersten Bewährungsproben stehen der vor knapp zwei Monaten neugewählten Parteichefin Nahles im Oktober bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen bevor. Besonders düster sieht es in Bayern aus: Dort liefert sich die SPD in Umfragen bei Werten zwischen zwölf und 14 Prozent ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Grünen und AfD um den zweiten Platz hinter der CSU. Auch bundesweit rangiert die SPD bei 20 Prozent oder weniger.

Bisher hatte es in der SPD stets geheißen, wenn der Kanzlerkandidat zu früh benannt werde, werde er schon vor der heißen Phase des Wahlkampfs verschlissen. Der Kandidat von 2013, Peer Steinbrück, hatte seinerzeit gesagt, ein zu früh benannter Kandidat werde “öffentlich platt gemacht wie eine Flunder”.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below