February 12, 2020 / 11:03 AM / 4 months ago

Familienunternehmen fordern von Scholz schnelle Steuerentlastung

Germany's Finance Minister Olaf Scholz attends an European Union finance ministers meeting in Brussels, Belgium January 21, 2020. REUTERS/Johanna Geron

Berlin (Reuters) - Die drei Millionen Familienunternehmen in Deutschland fordern von der großen Koalition, kleinere Firmen schnell steuerlich zu entlasten.

Dazu müsse die Nutzung der sogenannten Thesaurierungsrücklage erleichtert werden, sagte Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, am Mittwoch. Hierbei geht es um Gewinne, die nicht an die Eigentümer ausgezahlt werden, sondern im Unternehmen verbleiben. “Das geltende Recht ist wenig praxistauglich.”

Bei der jüngsten Unternehmensteuerreform im Jahr 2008 wurde zwar die Möglichkeit geschaffen, dass einbehaltene Gewinne von Personengesellschaften - das sind oft familiengeführte Firmen - besonders besteuert werden, um die Nachteile gegenüber Kapitalgesellschaften zu verringern. Diese sogenannte Thesaurierungsbegünstigung wird aber jährlich nur von 6500 Unternehmen genutzt. Das sind viel weniger als von der Regierung erwartet. Die angestrebte Gleichbehandlung wird also in der Praxis klar verfehlt.

“Der Nachteil muss beseitigt werden, dass es im Falle einer späteren Entnahme von Mitteln aus der Thesaurierungsrücklage zu einer 25-prozentigen Nachbelastung kommt”, forderte Kirchdörfer. Viele Unternehmen parken ihre Gelder also lieber anderswo, um flexibel zu bleiben und bei Bedarf schnell investieren zu können. Die Nachbelastung müsse abgemildert werden, verlangte Kirchdörfer. Unklar ist, wie viel das den Fiskus genau kosten würde. Experten gehen von einigen Milliarden Euro im Jahr aus.

Personengesellschaften werden in Deutschland nach dem Einkommensteuerrecht betrachtet und geben oft rund 45 Prozent ihrer Einkünfte an den Staat ab. Bei Kapitalgesellschaften, für die die Körperschaftsteuer gilt, sind es dagegen nur rund 30 Prozent.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) bekräftigte am Mittwoch in einem Interview der Funke Mediengruppe seine grundsätzliche Bereitschaft zum Handeln, hat bislang aber noch keinen konkreten Plan vorgelegt. “Es macht Sinn, ein paar Unwuchten im Steuersystem zu beseitigen. So kann ich mir gut vorstellen, dass Personengesellschaften, von denen es viele starke Familienunternehmen in Deutschland gibt, steuerlich so wie Kapitalgesellschaften behandelt werden, wenn sie wollen.” Das wäre ein Schritt zu mehr Steuergerechtigkeit, ergänzte Scholz.

Bis Anfang März soll ein entsprechendes Konzept stehen. Am Donnerstag tagt dazu die entsprechende Arbeitsgruppe.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below