March 21, 2018 / 11:54 AM / 4 months ago

Merkel verurteilt türkisches Vorgehen in Afrin scharf

Berlin/Istanbul (Reuters) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das türkische Vorgehen gegen Kurden in der syrischen Region Afrin scharf verurteilt.

Turkish forces held a check point at the main road in Afrin, Syria March 20, 2018. REUTERS/Khalil Ashawi

“Bei allen berechtigten Sicherheitsinteressen der Türkei ist es inakzeptabel, was in Afrin passiert”, sagte sie am Mittwoch in der Regierungserklärung zum Beginn ihrer vierten Amtszeit. Zugleich kritisierte sie das Vorgehen Syriens und Russlands gegen die belagerte Rebellenenklave Ost-Ghuta. Dort mehrten sich die Zeichen für eine bevorstehende Niederlage der vorwiegend islamistischen Rebellen. Eine erste Gruppe von Aufständischen - Ahrar al Scham - stimmte nach Angaben von Insidern ihrer Entwaffnung zu und sollte im Gegenzug freies Geleit in Oppositionsgebiete erhalten. Bei Luftangriffen türkischer Kampfjets auf PKK-Stellungen im Nordirak wurden unterdessen nach Armee-Angaben mindestens zwölf Kämpfer der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK getötet.

Merkel kritisierte, in der Region Afrin würden Tausende und Abertausende von Zivilisten verfolgt, kämen zu Tode oder müssten flüchten. “Das verurteilen wir auf das Schärfste.” Gleiches gelte für die Bombardements in der Region Ost-Ghuta durch das syrische Regime von Präsident Baschar al-Assad. Merkel kritisierte auch Russland, das dem Beschuss zusehe.

Die in der Stadt Harasta in Ost-Ghuta verschanzte Gruppe Ahrar al Scham stimmte unterdessen nach Aussage mehrerer Oppositionsvertreter einer von Russland vermittelten Vereinbarung zur Entwaffnung zu. Dies dürfte den Druck auf die verbliebenen beiden Gruppen Failak al-Rahman und Dschaisch al-Islam erhöhen, ebenfalls einzulenken. Die syrische Armee hat Ost-Ghuta zu etwa 70 Prozent eingenommen und das Rebellengebiet dabei in drei Teile zerschnitten. Die Übereinkunft mit der Ahrar al Scham ist die erste ihrer Art seit Beginn der heftigen Kämpfen um die Region.

TÜRKEI STIMMT SICH MIT USA ÜBER KURDEN IN MANDBIDSCH AB

Am Wochenende hatten türkische Einheiten zusammen mit verbündeten arabischen Milizen die Hauptstadt Afrin der gleichnamigen Region in Syrien eingenommen. Die Türkei zielt mit ihrer Offensive auf die Kurdenmiliz YPG, die sie als verlängerten Arm der PKK betrachtet.

Mit Blick auf die ebenfalls vorwiegend von Kurden bewohnte nordsyrische Stadt Manbidsch hat die Türkei nach den Worten von Außenminister Mevlüt Cavusoglu mit den USA eine Verständigung erzielt. Es handle sich jedoch nicht um ein Abkommen, schränkte Cavusoglu ein. Ein solches werde angestrebt um zu klären, wer nach dem Abzug der kurdischen YPG-Miliz die Kontrolle über die Stadt habe. Dort sind derzeit auch US-Soldaten stationiert, mit denen die YPG im Kampf gegen die Islamisten-Miliz IS verbündet ist. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat nach der Einnahme der Stadt Afrin weitere Vorstöße in Kurdengebiete im Norden Syriens und falls nötig bis in den Nordirak hinein angekündigt. Die Türkei will verhindern, dass sich ein zusammenhängendes kurdisches Einflussgebiet vom Irak über Syrien bis in die Türkei bildet.

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