April 30, 2018 / 11:44 AM / 3 months ago

US-Mobilfunkhochzeit hängt am Segen der Kartellwächter

Berlin (Reuters) - Die Deutsche Telekom ist zuversichtlich, dass der dritte Anlauf zur Megafusion auf dem US-Mobilfunkmarkt gelingt.

A smartphones with Sprint logo are seen in front of a screen projection of T-mobile logo, in this picture illustration taken April 30, 2018. REUTERS/Dado Ruvic/Illustration

Für 26 Milliarden Dollar will die Telekom-Tochter T-Mobile US den kleineren Rivalen Sprint übernehmen. Die Pläne wurden am Wochenende offiziell. Am Montag erklärte Telekom-Chef Timotheus Höttges, das Fenster für eine Genehmigung des Deals durch die Kartellwächter “sei noch nie so gut wie heute” gewesen. Es wird trotzdem erwartet, dass die Regulierer ein genaues Auge auf die größte Transaktion in der Geschichte des Bonner Konzerns werfen. Höttges argumentierte, der Zusammenschluss sei gut für die Kunden: “Wir werden einen neuen Spieler formieren, der dem Wettbewerb deutlich einheizen wird”, kündigte er an. Ziel sei es, zu den Platzhirschen AT&T und Verizon aufzuschließen.

Mit dem Zusammenschluss soll ein Konzern entstehen, der auf 127 Millionen Kunden und einen Jahresumsatz von rund 76 Milliarden Dollar kommt. Auch damit lägen AT&T und Verizon noch weit vorne, mit Erlösen von mehr als 100 Milliarden Dollar. Doch sie hätten einen stärkeren Rivalen im Nacken sitzen. Die Euphorie der Anleger war zu Wochenbeginn allerdings schnell verflogen und wich einer gewissen Ernüchterung. “Schließlich gibt es noch einige kartellrechtliche Unwägbarkeiten. Da muss man sich die Frage stellen, wie wahrscheinlich es ist, dass die Fusion genehmigt wird”, sagte ein Händler in Frankfurt.

Die Telekom-Aktie, mit einem Plus von drei Prozent zeitweise größter Dax-Gewinner, lag am Nachmittag etwa ein Prozent im Minus. Sprint-Aktien verloren im US-Handel knapp 13 Prozent, T-Mobile US notierten 4,4 Prozent schwächer.

WAS SAGT TRUMP?

Insgesamt müssen fünf Behörden der Übernahme zustimmen, darunter die Telekom-Aufsicht FCC, das US-Justizministerium und die US-Regierung. Derzeit befinden sich mehrere Mega-Zukäufe in den USA in der Prüfung. Der Ausgang ist oft ungewiss: Die bereits 2016 angekündigte, mehr als 80 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Time Warner durch den T-Mobile-US-Konkurrenten AT&T wird inzwischen vom US-Justizministerium vor Gericht bekämpft. Letztlich muss auch bei T-Mobile und Sprint US-Präsident Donald Trump seinen Segen geben. Dazu sagte Höttges nur: “Die Beurteilung vom amerikanischen Präsidenten entzieht sich meiner Kenntnis.” Bei AT&T und Time Warner hat Trump erklärt, den Deal - in den kein ausländisches Unternehmen involviert ist - nicht für gut zu befinden.

Gartner-Telekomfachmann Bill Menezes geht davon aus, dass alle Beteiligten langen Atem mitbringen müssen. Er rechne damit, dass sich der Prüfungsprozess mindestens ein Jahr hinzieht. “Ob der Deal von den Wettbewerbsbehörden durchgewunken wird, hängt wahrscheinlich auch von der politischen Großwetterlage ab. Das lässt sich schwer vorhersagen”, sagte Branchen-Experte Torsten Gerpott, Wirtschaftsprofessor an der Universität Duisburg-Essen. Zumindest bei Bundesfinanzminister Olaf Scholz stießen die Pläne auf Wohlwollen: Der Deal sei in seiner “wirtschaftlichen Logik gut nachvollziehbar”, sagte er.

Im Jahr 2014 scheiterte der erste Fusionsversuch von T-Mobile US und Sprint an der geringen Wahrscheinlichkeit, dass die Kartellämter den Deal durchwinken würden. Inzwischen bieten jedoch immer mehr Konzerne Festnetz- und Mobilfunkangebote aus einer Hand an. Das führt zu völlig neuen Rahmenbedingungen. T-Mobile-Chef John Legere sagte dem Sender CNBC, die US-Steuerreform habe den Wert des Geschäfts erhöht.

HOHE SYNERGIEN UND KEIN STREIT MEHR UM DIE MACHTFRAGE

Die Telekom jedenfalls glaubt, dass es dieses Mal klappt. Der Konzern prognostiziert, dass sich die jährlichen Einsparungen durch den Sprint-Kauf auf rund sechs Milliarden Dollar belaufen - vor allem dadurch, dass nur noch ein Netz in den USA nötig sei, sagte Höttges. Die neue T-Mobile US soll komplett ohne Zuschüsse aus Deutschland auskommen. “Die Leitlinie lautet Selbstfinanzierung.” Auf das Geschäft in Deutschland und Europa wirke sich die Akquisition nicht aus. Die Telekom werde an ihren Investitionen auf dem Heimatmarkt festhalten.

Legere sagte im Gespräch mit CNBC voraus, dass der neue Konzern mehr Angestellte haben werde als die beiden Unternehmen jetzt allein zusammen hätten. Sprint-Chef Marcelo Claure sprach gegenüber dem Sender von fünf Millionen Jobs, die durch die 5G-Technologie entstehen würden. Zuvor hatten Arbeitnehmervertreter in Deutschland die Pläne gelobt. “Das ist ein bemerkenswerter Deal. Es eröffnen sich enorme Perspektiven”, sagte Telekom-Aufsichtsratsvize und Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder. Die Mitarbeiterrechte in den USA waren lange Zeit ein Zankapfel zwischen dem Vorstand und der Gewerkschaft.

Im November hatten sich T-Mobile US und Sprint noch an der Machtfrage in einem fusionierten Unternehmen festgebissen. Die Gespräche wurden kurzerhand abgeblasen. Hier schlugen beide Seiten neue Töne an: Vorgesehen ist, dass die Telekom 42 Prozent am Gesamtkonzern besitzt, ihn komplett konsolidiert und über eine Stimmrechtsvereinbarung mit dem Sprint-Eigner Softbank die Kontrolle in den Händen hält. Die Japaner kontrollieren dann nur noch 27 Prozent an dem gemeinsamen Konzern. Höttges, der Softbank-Chef Masayoshi Son als einen der “herausragendsten Unternehmer unserer Zeit” und Freund bezeichnet, deutete sogar eine weitere Zusammenarbeit mit dem Mobilfunker an: “Die Beziehung wird enger werden.” Darüber werde in den kommenden Wochen geredet. Softbank ist zuletzt immer stärker als Technologieinvestor aufgetreten.

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