September 28, 2018 / 3:53 PM / 2 months ago

Dündar - Wir sind keine Terroristen und werden weiter Fragen stellen

German Chancellor Angela Merkel and Turkish President Tayyip Erdogan address a news conference at the chancellery in Berlin, Germany, September 28, 2018. REUTERS/Fabrizio Bensch

Berlin (Reuters) - Der im deutschen Exil lebende Journalist Can Dündar will Menschenrechtsverletzungen in der Türkei unter deren Präsident Recep Tayyip Erdogan weiter anprangern.

“Wir werden weiter Fragen stellen. Egal, wo Erdogan hingeht, wird er mit Fragen konfrontiert sein, die man ihm in der Türkei nicht stellt”, kündigte der frühere Chefredakteur der regimekritischen Zeitung “Cumhuriyet” und heutige Chefredakteur von “Özgürüz” (Wir sind frei) am Freitag in Berlin an. Er hielt eine lange Liste der in der Türkei inhaftierten Journalisten in die Höhe. “Ich muss für das Recht all dieser Kolleginnen und Kollegen eintreten. Diese Menschen sind keine Terroristen. Ihnen wird der Prozess gemacht, nur weil sie ihre Arbeit gemacht haben.”

Die Justiz in der Türkei sei nicht frei, egal, was Erdogan behaupte, sagte Dündar. Im Vergleich zu vielen seiner Kollegen habe er selbst noch Glück gehabt. Sechs seiner Kollegen bei “Cumhuriyet” seien ermordet worden. “In der Türkei graben die Journalisten mit ihren Stiften ihre eigenen Gräber”, kritisierte Dündar. “In manchen Ländern muss man einen sehr hohen Preis bezahlen, wenn man die Wahrheit sagt. Und in der Türkei bezahlen meine Kollegen und ich gerade diesen Preis. Ich möchte mich ganz besonders bei Ihnen allen bedanken, dass Sie uns in diesem Kampf nicht allein lassen”.

Die Drohung Erdogans mit einem Boykott der gemeinsamen Pressekonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel zeigt nach den Worten Dündars seine Angst vor der freien Presse. “Der wichtigste Grund, warum ich mich entschieden habe, nicht an der Pressekonferenz teilzunehmen, war, dass mir klargeworden ist: Erdogan würde meine Anwesenheit als Ausrede benutzen, um die Pressekonferenz nicht anzutreten und sich so vor den kritischen Fragen meiner deutschen Kolleginnen und Kollegen zu retten versuchen”, sagte er. “Denn es geht darum, dass die Fragen gestellt werden können. Es ist nicht so wichtig, wer diese Fragen stellt.”

Dündar hielt seine Akkreditierung für die Veranstaltung in die Höhe und erklärte, er habe eigentlich an der Pressekonferenz teilnehmen wollen. Aber Erdogan habe die Türkei mit nach Deutschland gebracht, kritisierte er. Seine Haltung gegenüber der Presse lasse keine kritischen Fragen zu. Zunächst habe er Gerüchte gehört, dass Erdogan nicht an der Pressekonferenz teilnehmen wolle, wenn er selbst auch erscheine. “Heute haben auch die deutschen Behörden das bestätigt”, sagte Dündar. Daraufhin habe er sich entschieden, auf seine Teilnahme zu verzichten. Um Vertreter welcher Behörde es sich handelt, wolle er nicht sagen, da sie anonym bleiben wollten.

Dündar wies auch Erdogans Vorwurf zurück, er habe Verrat begangen und sei ein Spion. Der türkische Präsident hatte bei der Pressekonferenz zudem von Deutschland Dündars Auslieferung verlangt. Dündar reagierte darauf gelassen: “Ich nehme das alles nicht so ernst. Ich glaube auch nicht, dass Erdogan selbst das ernst nimmt.”

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