August 29, 2018 / 11:33 AM / 3 months ago

Finanzexperten warnen wegen schwerer Risiken für Türkei

Liberian-flagged container ship YM Increment, operated by Yang Ming Marine Transport Corporation, sails in the Bosphorus, on its way to the Black Sea, in Istanbul, Turkey July 25, 2018. REUTERS/Murad Sezer

Istanbul/London (Reuters) - Finanzexperten schlagen wegen der wirtschaftlichen Risiken und des Lira-Verfalls in der Türkei Alarm.

Allein bis Mitte nächsten Jahres werden nach einer Schätzung der US-Investmentbank JP Morgan umgerechnet rund 153 Milliarden Euro an Auslandsschulden fällig. Das entspricht fast einem Viertel der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes. Die Rating-Agentur Moody’s senkte zudem die Bonitätsnoten für 20 Geldhäuser, darunter einige der größten Banken wie die Isbank. Die türkische Regierung sieht dagegen keine Konjunkturrisiken. Finanzminister Berat Albayrak begründete dies in einem Bericht der Zeitung “Hürriyet” vom Mittwoch damit, dass die Verschuldung von Staat und Haushalten gering seien und das Finanzsystem zudem stabil.

Der Großteil der in den nächsten zwölf Monaten anstehenden Rückzahlungen entfällt auf den Privatsektor, insbesondere auf Banken, wie JP Morgan in einer Studie ausführte. Nur umgerechnet 3,7 Milliarden Euro seien Schulden von öffentlichen Stellen. “Der Finanzierungsbedarf in den nächsten Monaten ist groß und der Zugang zu den Märkten ist problematisch geworden”, warnten die Experten. Rund 27 Milliarden Euro müssen nach Berechnungen von JP Morgan bereits bis Ende 2018 zurückgezahlt werden. Bei Verbindlichkeiten von etwa 93 Milliarden Euro, die bis Juli 2019 beglichen werden müssten, bestehe ein Finanzierungsrisiko.

Auch Moody’s kommt zu dem Schluss, dass sich die Risiken für die Türkei erhöht haben. Von den dortigen Banken ausgegebene Dollar-Anleihen gaben am Mittwoch in Folge der Warnung für den Bankensektor und der Herunterstufung von Geldhäusern nach. Die Lira fiel weiter, ein Dollar kostete mit 6,49 Lira 3,6 Prozent mehr als am Dienstag.

Seit Wochen steht die türkische Währung unter Druck. Sie hat seit Januar zum Dollar fast 40 Prozent an Wert eingebüßt. Um die Liquidität der heimischen Banken zu sichern, hat die türkische Notenbank Mitte August die Geldschleusen geöffnet und den Instituten eine ausreichende Liquiditätsversorgung zugesichert. Deutsche Finanzhilfen für die Türkei sind für die Bundesregierung weiter kein Thema, wie eine Sprecherin sagte. Die Regierung verfolge die Entwicklung aber sehr genau. Deutschland habe ein Interesse an einem stabilen, prosperierenden und demokratischen Land am Bosporus.

Hinter dem Lira-Verfall steht unter anderem ein Streit zwischen den Regierungen in Ankara und Washington wegen der Inhaftierung eines US-Pastors in der Türkei. Zudem sehen Investoren zunehmend die Unabhängigkeit der türkischen Notenbank in Gefahr.

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