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Inlandsnachrichten

Gewerkschaft erklärt Bau-Tarifrunde für gescheitert - Schlichter muss ran

50 and 20 Euro banknotes are displayed in this picture illustration taken November 14, 2017. REUTERS/Benoit Tessier/Illustration

Berlin (Reuters) - Die Tarifrunde für die rund 850.000 Beschäftigten am Bau geht in die Schlichtung.

Die Gewerkschaft IG BAU erklärte die Verhandlungen am Donnerstag für gescheitert und rief den Schlichter an. Gewerkschafts-Chef Robert Feiger warf den Arbeitgebern eine “Blockadehaltung” vor. Diese forderten wiederum die IG BAU auf, anzuerkennen, dass die Corona-Krise auch die Baubranche treffe. Einer der Knackpunkte ist, dass die Gewerkschaft neben der Forderung von 6,8 Prozent mehr Lohn ein Wegegeld durchsetzen will, wenn Beschäftige zu weit entfernten Baustellen fahren. Die Arbeitgeber haben noch kein Angebot vorgelegt. Nach dem Abbruch der Gespräche Ende Juni soll nun die Schlichtung unter Leitung des Präsidenten des Bundessozialgerichts, Rainer Schlegel, am 26. August starten.

Die Tarifparteien haben mit Beginn der Schlichtung maximal 14 Tage Zeit, zu einem Ergebnis zu kommen. Erst danach endet die Friedenspflicht. Dann wären auch Streiks möglich. Allerdings sind die Fronten derzeit noch verhärtet. “Die Schlichtung ist die letzte Chance, um eine ‘Herbst-Blockade auf dem Bau’ und damit einen Stillstand auf den Baustellen noch zu verhindern”, sagte IG BAU-Chef Feiger. Er bezeichnete es als Provokation der Arbeitgeber, noch keine Offerte vorgelegt zu haben. “Der Bau boomt.” Trotz der Corona-Pandemie mache die Branche gute Geschäfte. [nL8N2FC13A] Die Arbeitgeber haben nach einem vielversprechenden Start die Hoffnung auf steigende Umsätze für 2020 bereits begraben. Sie peilen für dieses Jahr allenfalls stagnierende Erlöse an, wie Arbeitgeber-Verhandlungsführer Uwe Nostitz nun bekräftigte.[nL8N2EH2GW] [nL8N2DA2DF]

“Denn entgegen anderslautenden Behauptungen ist auch die Bauwirtschaft durch Corona betroffen”, sagte der Vizepräsident des Bauverbands ZDB. So sei es neben eingeschränkter Materiallieferungen mit Aufwand verbunden, etwa die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Zudem lägen die Neuaufträge in den ersten fünf Monaten rund zwei Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. “Diese wirtschaftlichen Tatsachen muss die IG BAU endlich zur Kenntnis nehmen.” Hohe Lohn- und Gehaltsforderungen passten ebenso wenig in dieses Umfeld - “wie die Drohung mit einer Herbst-Blockade auf deutschen Baustellen”.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) fordert 6,8 Prozent mehr Lohn und Gehalt - mindestens aber ein Plus von 230 Euro pro Monat, wovon die unteren Lohngruppen profitieren sollen. Zudem sollen alle Lehrlinge monatlich 100 Euro mehr erhalten. Ferner will die IG BAU durchboxen, dass Bauarbeiter künftig die Wegezeit zu entfernten Baustellen entschädigt bekommen - mit Geld oder einem anderen Ausgleich. Die Arbeitgeber sehen hier allerdings keinen Anlass für weitere tarifliche Regelungen. Die Gewerkschaft stellt sich nach Feigers Worten auf “zähe und langwierige Schlichtungsverhandlungen” ein.

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