April 10, 2018 / 10:37 AM / 5 months ago

Verdi-Warnstreiks treffen Flughäfen und sorgen für Staus

- von Klaus Lauer und Riham Alkousaa

German public sector workers union Verdi leader Frank Bsirske (R) speaks during the strike at the airport in demand for higher wages in Frankfurt, Germany April 10, 2018. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Berlin/Frankfurt/Düsseldorf (Reuters) - Im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes weitet Verdi die Warnstreiks aus und trifft damit vor allem Flugreisende und Pendler.

Mehr als 60.000 Beschäftigte in acht Bundesländern legten am Dienstag nach Angaben der Gewerkschaft vorübergehend ihre Arbeit nieder. Hunderte Flüge fielen aus, weil das Sicherheitspersonal oder die Flughafenfeuerwehr in den Ausstand traten. Zudem gab es lange Staus, weil etwa in Nordrhein-Westfalen der Nahverkehr bestreikt wurde. Auch Kitas, Kliniken und Sparkassen blieben vielerorts geschlossen, Mülltonnen wurden nicht geleert. Bis Freitag soll es bundesweit Arbeitsniederlegungen geben.

Vor der nächsten Verhandlungsrunde am Wochenende rechtfertigte Verdi-Chef Frank Bsirske den erhöhten Druck auf die Arbeitgeber von Bund und Gemeinden: “Wann, wenn nicht jetzt kann es deutliche Sprünge nach oben für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geben - auch im öffentlichen Dienst?”

Die Dienstleistungsgewerkschaft und der Beamtenbund dbb fordern für die 2,3 Millionen Staatsbeschäftigten sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt bei zwölf Monaten Laufzeit, zumindest eine Erhöhung um 200 Euro im Monat. Bsirske sagte, die Konjunktur erlebe goldene Zeiten. Es sei zwar klar, dass man letztlich nicht 100 Prozent der Forderung durchsetzen werde. Aber es müsse deutlich mehr für die Beschäftigten herausspringen als in den vergangenen Jahren. Beim Abschluss 2016 hatte es für die Beschäftigten von Bund und Kommunen in zwei Schritten 4,75 Prozent mehr Lohn gegeben.

“DANN STEHEN DIE ZEICHEN AUF KONFRONTATION”

Am Sonntag, Montag und womöglich noch am Dienstag wollen die Tarifparteien in Potsdam ihre Gespräche fortsetzen. Dann steigt auch der neue Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) mit in die Verhandlungen ein. Bsirske warf den Arbeitgebern vor, zu blockieren. “Diese Mauer wollen wir durchbrechen.” Bund und Kommunen müssten endlich ein Angebot vorlegen. Der Gewerkschaftschef betonte: “Wenn wir nach der dritten Verhandlungsrunde am selben Punkt stünden wie heute nach den ersten zwei Verhandlungsrunden, dann stehen die Zeichen auf Konfrontation.”

Die Warnstreiks am Dienstag sorgten vor allem in Nordrhein-Westfalen für Staus im Berufsverkehr. Der Mittelstandsverband BVMW kritisierte das “Chaos unter den Pendlern” als unverhältnismäßig. “Gerade die Streiks in den Kindertagesstätten und im ÖPNV treffen zielsicher die Mitte der Gesellschaft.”

Viele Flüge wurden gestrichen - am größten deutschen Airport in Frankfurt rund 660 von 1441 geplanten Starts und Landungen. Allein die Lufthansa hatte angekündigt, mehr als 800 Flüge zu annullieren und damit über die Hälfte der Verbindungen. Betroffen sind rund 90.000 Passagiere. Weitere Ausstände gab es in München, Köln/Bonn und Bremen. Wegen innerdeutscher Verbindungen kam es auch zu Ausfällen etwa in Hamburg, Düsseldorf oder Hannover. Hauptgrund war, dass Beschäftigte beim Sicherheitsdienst keine oder weniger Personenkontrollen machten. In Köln/Bonn waren vormittags keine Starts und Landungen möglich, da die Flughafenfeuerwehr mehrere Stunden streikte.

GENERVTE PASSAGIERE

Der stellvertretende Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Carsten Linnemann, plädierte für längere Vorwarnzeiten bei Arbeitsniederlegungen im Luft- und Bahnverkehr. “Die aktuellen Flughafenstreiks treffen vor allem unbeteiligte Fluggesellschaften und ihre Gäste anstatt die Tarifgegner der Gewerkschaften”, sagte der Wirtschaftspolitiker dem “Handelsblatt”. Kritik kam vom Flughafenverband ADV: “Ein sogenannter Warnstreik, der gleich zu wirtschaftlichen Millionenschäden bei Airlines und Flughäfen, langen Wartezeiten und massiven Flugausfällen führt, lässt jede Verhältnismäßigkeit vermissen.”

Viele Passagiere mussten kurzfristig umbuchen oder auf die Bahn umsteigen - wie Jana Gläser, die von Frankfurt über Berlin nach Miami fliegen wollte. “Hoffentlich klappt das alles.” Blair Stuart war zehn Stunden unterwegs und musste vier Züge nehmen, um von Amsterdam nach Frankfurt zu kommen. Dort wartete sein Flieger nach Übersee. “Ich muss für die Beerdigung meiner Mutter nach Westkanada.” Viele gestrandete Passagiere äußerten sich genervt über Verspätungen und Flugstreichungen. “Die Streiks treffen mich zu oft”, sagte Roswitha Karl. “Erst haben die Piloten gestreikt, dann das Bodenpersonal, dann das Sicherheitspersonal. Inzwischen ist es Glücksache.”

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