January 9, 2018 / 12:11 PM / 10 months ago

Zehntausende Metaller streiken für Lohnerhöhungen

- von Jan Schwartz und Ilona Wissenbach

Employees of John Deere Europe and members of German industrial metal workers union IG Metall (IGM) protest at the John Deere factory in Mannheim, Germany, January 9, 2018. REUTERS/Ralph Orlowski

Hamburg/Frankfurt (Reuters) - Im Tarifstreit der Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall mit bundesweiten Warnstreiks am Dienstag einen Gang hochgeschaltet.

Schwerpunkt der stundenweisen Arbeitsunterbrechungen war Nordrhein-Westfalen. Mehr als 31.000 Beschäftigte aus 140 Betrieben wie etwa Siemens oder ThyssenKrupp nahmen dort an befristeten Ausständen teil und zogen mit Trillerpfeifen, roten Gewerkschaftskappen und Transparenten vor die Werkstore. Bundesweit zählte die Gewerkschaft knapp 60.000 Warnstreikende in 280 Betrieben, die für mehr Geld und das individuelle Recht auf Arbeitszeitverkürzung Druck machten.

Die IG Metall will für die rund 3,9 Millionen Beschäftigten der Branche sechs Prozent höhere Löhne durchsetzen und fordert zudem einen individuellen Anspruch auf eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden. Bei Teilzeit zur Pflege von Angehörigen oder zur Kinderbetreuung sollen die Unternehmen einen Zuschuss zahlen. Die Arbeitgeber boten zuletzt zwei Prozent mehr sowie eine Einmalzahlung. Über kürzere Arbeitszeiten wären sie gesprächsbereit, wenn gleichzeitig andere Beschäftigtengruppen länger als 35 Wochenstunden arbeiten könnten. Aber einen Zuschuss lehnen sie strikt ab. Das sei wegen der Diskriminierung der heutigen Teilzeitbeschäftigten in gleicher Situation rechtswidrig. Gesamtmetall-Chef Oliver Zander hatte die Forderung deshalb einen “Sprengsatz” der Verhandlungen genannt.

Die Fronten sind in diesem Punkt verhärtet: Der baden-württembergische IG-Metall-Verhandlungsführer Roman Zitzelsberger erklärte, die Gewerkschaft werde hier nicht nachgeben. “Ohne einen Zuschuss der Arbeitgeber für Eltern, pflegende Angehörige oder Schichtarbeiter, die ihre Arbeitszeit reduzieren, wird es keinen Abschluss geben”, sagte er dem “Handelsblatt” - und drohte mit einer Eskalation, wenn die Arbeitgeber in der dritten Verhandlungsrunde am Donnerstag bei ihrem Veto blieben. Die IG Metall könnte dann erstmals zu ganztätigen statt nur kurzzeitigen Ausständen aufrufen. Ein Sprecher des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall erklärte, bisher plane der Verband noch keine rechtlichen Schritte gegen die Warnstreiks für eine rechtswidrige Forderung. “Aber das werden wir überprüfen, wenn es zu 24-Stunden-Ausständen käme.”

EINIGUNG NOCH WEIT ENTFERNT

Da die Positionen beider Seiten weit auseinander liegen, rechnen Experten nicht mit einer baldigen Einigung. Die Arbeitszeitforderung trifft bei den Arbeitgebern einen Nerv, weil in der Hochkonjunktur und wegen des demografischen Wandels ohnehin schon Fachkräftemangel herrscht. Ob kürzere Arbeitszeiten dies noch verschärfen, daran scheiden sich auch unter Experten die Geister. “Insofern ist eine Perspektive, die 28 Stunden als Wochenarbeitszeit aufruft und irgendwie zu einem Maß macht, etwas, was in die gegenwärtige Situation überhaupt nicht hineinpasst”, sagte der Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft zu Reuters. Zuschüsse für Pflege und Kinderbetreuung seien außerdem nicht Sache der Tarifparteien, sondern des Staates.

Gustav Horn, Leiter des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, hielt dagegen: Flexiblere Teilzeitmöglichkeiten brächten Facharbeiter, vor allem Frauen, zurück an die Arbeit, wenn sie Familie und Beruf besser vereinbaren könnten. Zudem seien Teilzeitarbeitskräfte produktiver als Vollzeitbeschäftigte.

AUTOZULIEFERER BESTREIKT

Viele Aktionen legten am Dienstag vorübergehend die Produktion bei Autozulieferern lahm - so etwa bei ZF Friedrichshafen in der Zentrale und in Saarbrücken, in Schweinfurt neben ZF auch bei Schaeffler und SKF oder bei Continental in Sachsen. Auch Maschinenbauer wie Bosch Rexroth oder der Landmaschinenbauer John Deere in Mannheim waren Ziel der Aktionen.

Die Warnstreikbeteiligung solle jetzt von Tag zu Tag steigen, erklärte der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler. “Die Beschäftigten in anderen Betrieben scharren schon mit den Hufen.”

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