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Inlandsnachrichten

Mehr Geld für sichere Jobs? - IG Metall und Arbeitgeber uneins

Whistles with the German industrial trade union IG Metall logo during a 24-hour strike at VAC (VACUUMSCHMELZE) plant in Hanau, Germany, January 31, 2018. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Frankfurt (Reuters) - Unter dem Druck von Corona-Krise und Strukturwandel will die IG Metall bei der anstehenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie die Beschäftigungssicherung in den Mittelpunkt stellen.

Die Tarifkommissionen der Bezirke beschlossen am Dienstag, von den Arbeitgebern dafür ein finanzielles Volumen von vier Prozent bei zwölf Monaten Laufzeit zu fordern. Damit könnten höhere Löhne oder ein Teillohnausgleich für kürzere Arbeitszeiten, etwa eine Vier-Tage-Woche, finanziert werden. “Die gesamtwirtschaftliche Lage ist aufgrund der Corona-Pandemie äußerst angespannt. Das bedeutet einerseits, dass wir alles dafür tun müssen, um Beschäftigung zu sichern. Das heißt aber auch, dass wir dort, wo es möglich ist, über die Stärkung der Kaufkraft einen Beitrag zu Stabilisierung der Konjunktur leisten müssen” sagte Knut Giesler, IG Metall-Bezirksleiter NRW.

Der Arbeitgeberverband Metall NRW lehnte die Forderung ab. Diese sei fernab der Realität, erklärte Präsident Arndt Kirchhoff. Die IG Metall zettele einen “Verteilungskampf zur Unzeit an und gefährdet viele Arbeitsplätze”, wenn mitten in der Krise die Arbeitskosten steigen sollten.

Am Dienstag berieten in allen Bezirken die Tarifkommissionen über die Empfehlung des IG-Metall-Vorstandes von vergangener Woche zu der im Dezember beginnenden Tarifrunde in der mit mehr als 3,8 Millionen Beschäftigten wichtigsten deutschen Industrie. Nach dem Konzept des Vorstandes würde dann in den einzelnen Unternehmen ausgehandelt werden, wie das Volumen auf höhere Entgelte oder Beschäftigungssicherung verteilt werden soll, je nach Lage des Betriebes. Ein Teillohnausgleich sei gerecht, weil die Beschäftigten durch Kurzarbeit Einbußen erlitten und damit zum Überwinden der Krise beigetragen hätten, erklärte Bayerns Bezirkschef Johannes Horn. “Dann gibt es auch einige Betriebe, die unbehelligt durch die Krise gekommen sind oder sogar davon profitiert haben. Dort erwarten die Beschäftigten zu Recht mehr Geld.”

ARBEITGEBER - NOCH LANGE KEINE ERHOLUNG

Die Tarifrunde fällt in eine Zeit, in der die Unternehmen mehr oder weniger stark unter Geschäftseinbruch in der Corona-Krise leiden und zugleich unter großem Druck stehen, sich auf Digitalisierung und Klimaschutz einstellen zu müssen. Diese Transformation gefährdet laut Gewerkschaft bis zu 250.000 Arbeitsplätze. Um das zu verhindern, will die Gewerkschaft eine Rahmenvereinbarung für betriebliche Zukunftstarifverträge durchsetzen. Darin sollen Investitionen, künftige Produkte und Qualifizierungsmaßnahmen festgelegt werden, mit denen zum Beispiel Firmen der Autoindustrie den Umbruch von Verbrennungsantrieben zu Elektromobilität bewältigen sollen.

Die Metall-Arbeitgeber hingegen sehen wegen der Corona-Krise keinerlei Verteilungsspielraum. Der designierte Gesamtmetall-Chef Stefan Wolf, zurzeit noch Vorsitzender des baden-württembergischen Verbandes Südwestmetall, forderte, die Beschäftigten müssten dazu beitragen, die Arbeitskosten zu senken. Passable Ergebnisse einiger Unternehmen im dritten Quartal könnten nicht als Zeichen einer durchgreifenden Erholung verstanden werden. Die Branche werde kaum vor 2023 wieder das Vorkrisenniveau erreichen, mahnte Wolf, der Ende November Rainer Dulger an der Spitze des Arbeitgeberverbandes ablösen soll. Beide Seiten erwarten schwierige Verhandlungen.

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