August 29, 2008 / 1:28 PM / 11 years ago

Versicherte werden durch Arzt-Honorare stärker belastet

Berlin (Reuters) - Die nach monatelangem Gezerre ausgehandelten Honorarsteigerung für die Ärzte kommen die Beitragszahler teuer zu stehen.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, sagte am Freitag in Berlin, die Beiträge würden wohl um 0,28 Prozentpunkte steigen müssen, um die 2,7 Milliarden Euro mehr an Vergütung im nächsten Jahr zu finanzieren. Die gesetzlichen Krankenkassen und die Arbeitgeber kritisierten den Umfang der Honorarsteigerungen.

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt forderte die Ärzte auf, als Gegenleistung zur höheren Bezahlung stärker auf Qualität zu achten und Unterschiede bei der Behandlung von gesetzlich und privat Versicherten zu beseitigen. Hingegen sagte Kassen-Verhandlungsführer Johann-Magnus von Stackelberg, die Chance für eine Qualitätsverbesserung in der ambulanten Versorgung sei vertan worden.

Die Mediziner hatten sich am Donnerstag gegen den Widerstand der Kassen eine rund zehnprozentige Erhöhung der Vergütungen gesichert, nachdem ihnen bei der Abstimmung der unparteiische Schlichter zur Seite gesprungen war. Beide Seiten hatten zunächst von einem Plus von 2,5 Milliarden Euro gesprochen. Köhler betonte aber, hinzu kämen noch die normalen, an die Lohnentwicklung gekoppelten Honorarsteigerungen sowie zusätzlich ausgehandelte Zahlungen für die neuen Länder und für Vorsorgeuntersuchungen. Der eigentliche Betrag liege daher 200 Millionen Euro höher. Die Kassen sprachen dagegen weiter von einer zusätzlichen Gesamtbelastung von mindestens 2,5 Milliarden Euro. Zudem spiegelten sich Ausgabensteigerungen nie eins zu eins in den Beiträgen wieder, sagte Sprecher Florian Lanz. Die Ärzte hatten ursprünglich ein Plus bei den Honoraren um 4,5 Milliarden Euro gefordert.

Eingearbeitet werden die Steigerungen in den Beitragssatz für den Gesundheitsfonds, der am 1. Januar starten soll. Da auch den Kliniken mehr Geld versprochen worden ist und die Kosten für Arzneien steigen, erwarten Experten einen einheitlichen Beitragssatz von bis zu 15,8 Prozent. Zurzeit liegt der durchschnittliche Satz für Arbeitnehmer bei 14,9 Prozent.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt kritisierte den Abschluss als viel zu hoch und als “Schlag ins Gesicht der Beitragszahler”. Verantwortlich sei die Bundesregierung mit ihren voreiligen Versprechungen einer Erhöhung um 2,5 Milliarden Euro. Jetzt müsse sie eine Antwort finden, wie der Beitragssatz unter 15 Prozent begrenzt werden könne. Eine Erhöhung um fast 0,3 Prozentpunkte entspricht in etwa dem Umfang, den die Koalition bei der Arbeitslosenversicherung als Senkung zur Entlastung der Beschäftigten anpeilt.

BEZAHLUNG KÜNFTIG IN EURO UND CENT

Durch die Honorarreform erhalten die Ärzte eine Bezahlung in Euro und Cent, die die bisherigen Punktwerte ablöst. Auch die Deckelung der Honorare wird abgeschafft. Sie sollen stattdessen am Krankheitszustand der Versicherten ausgerichtet und stets an steigende Kosten angepasst werden. Damit sei die erste Hürde zu einer leistungsgerechten Behandlung genommen, sagte KBV-Chef Köhler. Die Ärzte in Ostdeutschland erhalten seinen Angaben zufolge künftig 94 Prozent, “zum Teil 95 Prozent des Westniveaus”. Ärzten und Psychotherapeuten in den alten Ländern gingen aber keine Gelder verloren. Allerdings fielen die Steigerungen der Honorare unterschiedlich aus. Während Ärzte in den neuen Ländern bis zu 20 Prozent mehr erhalten, müssen sich Kollegen in Baden-Württemberg mit einer schwarzen Null zufriedengeben. Der Beschluss muss nun vom Ministerium genehmigt werden. Anschließend müssen ihn die Länder umsetzen, wobei laut Köhler erneut Probleme nicht auszuschließen sind.

Nach der Vereinbarung kündigte der Hartmannbund an, er sehe für Proteste und Praxisschließungen nun keine Notwendigkeit. Martin Grauduszus von der “Freien Ärzteschaft” bemängelte dagegen in der “Frankfurter Rundschau”: “Die Summe reicht hinten und vorne nicht.” Die flächendeckende Versorgung in den Praxen könne so nicht aufrechterhalten werden.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below