April 9, 2018 / 11:49 AM / 8 months ago

Zahlreiche Flugausfälle durch Warnstreiks erwartet

Lufthansa presents its new logo during a press event in a maintenance hangar of the airline at the airport in Frankfurt am Main, Germany February 7, 2018. REUTERS/Ralph Orlowski

Frankfurt (Reuters) - Im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes legt die Gewerkschaft Verdi mit Warnstreiks jetzt auch den Luftverkehr in großem Ausmaß lahm.

Verdi will nicht nur beim Bund und in Kommunen bundesweit, sondern auch an vier Flughäfen am Dienstag mit Arbeitsniederlegungen Druck für die Forderung von sechs Prozent mehr Lohn machen. Die Flughäfen Frankfurt, München, Köln/Bonn und Bremen erwarten erhebliche Ausfälle, wenn Sicherheitsbeschäftigte am Boden oder Flughafenfeuerwehren befristet in den Ausstand treten. Die Lufthansa strich mehr als 800 und damit über die Hälfte ihrer geplanten Flüge. Auch bei anderen Gesellschaften dürfte es Stornierungen geben.

Die größte deutsche Airline, in den vergangenen Jahren schon von den eigenen Tarifkämpfen bei Piloten oder am Boden gebeutelt, kritisierte die Warnstreiks scharf. “Es ist vollkommen inakzeptabel, dass die Gewerkschaft diesen Konflikt auf dem Rücken unbeteiligter Fluggäste austrägt”, erklärte Personalchefin Bettina Volkens. Insgesamt seien 90.000 Fluggäste, auch von 58 Langstreckenverbindungen, betroffen. Die Lufthansa bietet Ersatzflüge zu einem späteren Zeitpunkt und im Inlandsverkehr den Umstieg auf die Deutsche Bahn an. Fluggäste, deren Verbindungen nicht betroffen seien, müssten mit mehr Zeit am Airport rechnen.

Für den Frankfurter Flughafen kündigte Verdi einen ganztägigen Streik am Dienstag von 5.00 bis 18.00 Uhr an. Der Betreiber Fraport warnte vor größeren Unterbrechungen und Flugstreichungen. Ein Teil der Sicherheitskontrollen werde geschlossen. Fluggäste sollten sich mit der jeweiligen Fluggesellschaft in Verbindung setzen. Auch der Münchner Airport rechnet mit erheblichen Störungen des Flugverkehrs. In Köln Bonn soll der Ausstand ab 6.00 Uhr sogar 24 Stunden dauern. Die Folgen seien noch nicht absehbar, erklärte der Flughafen. “Mit erheblichen Behinderungen des Flugbetriebs ist allerdings zu rechnen.”

BUNDESWEITE WARNSTREIKS

Auch in anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes bei Bund und Kommunen zieht Verdi vor der für die in Potsdam am 15./16. April geplante dritte Verhandlungsrunde die Daumenschrauben an. Die Beschäftigten erhöhten den Druck, da die Arbeitgeber bislang kein Angebot vorgelegt hätten, erklärte Verdi-Chef Frank Bsirske und forderte ein tragfähiges Ergebnis. Die Dienstleistungsgewerkschaft und der Beamtenbund dbb fordern für die 2,3 Millionen Staatsbeschäftigten sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt bei zwölf Monaten Laufzeit, zumindest eine Erhöhung um 200 Euro im Monat. Die Steuereinnahmen von Bund und Kommunen seien dank der boomenden Wirtschaft so hoch wie lange nicht mehr, die Beschäftigten müssten daran teilhaben, ergänzte Bsirske. Die Arbeitgeber lehnten das Forderungspaket als zu hoch ab. Das Bundesinnenministerium bezifferte die Kosten allein für die Tarifbeschäftigten des Bundes auf rund 560 Millionen Euro. Bei einer Übertragung des Abschlusses auf die Beamten stiegen die Mehrausgaben des Staates auf mehr als zwei Milliarden Euro.

Mehr als 1000 Beamte und Angestellte zogen nach Angaben des dbb am Montag für ihre Forderungen vor das Bundesfinanzministerium in Berlin. Bei Bund und Kommunen stiegen die Überschüsse in den Kassen, erklärte Verhandlungsführer Ulrich Silberbach. “Wir wollen unser Stück von diesem Kuchen”, forderte er. Die Beamten seien bereit zu Kompromissen, aber auch zu harten Auseinandersetzungen.

Bundesweit werden die schon im März angelaufenen Warnstreiks bis zum Ende dieser Woche ausgeweitet. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel sollen am Dienstag unter anderem der Nahverkehr, Stadtverwaltungen, Versorgungsbetriebe und Kitas bestreikt werden. Auch in Baden-Württemberg bleiben in neun Städten Busse und Bahnen in den Depots. Kitas, Kliniken und Sparkassen sperren die Türen zu, Mülltonnen werden nicht geleert. Im Bereich des Bundes sind Job Center und Behörden wie die Rentenversicherung oder Verwaltungen von Bundeswehr und Wasserstraßen betroffen.

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