February 8, 2011 / 11:32 AM / 8 years ago

VW gibt mit Lohnaufschlag Ton für Tarifrunde 2011 vor

A sticker of German metal worker union IG Metall and a VW emblem are stuck on a locker in a production line at the Volkswagen headquarters in Wolfsburg November 14, 2008. REUTERS/Christian Charisius

Hannover (Reuters) - Mit kräftigen Lohnaufschlägen gibt der VW-Konzern den Ton für die Tarifverhandlungen in anderen Branchen vor: Der Wolfsburger Autobauer einigte sich in der Nacht mit der IG Metall auf 4,2 Prozent mehr Lohn für die rund 100.000 Beschäftigten in den westdeutschen Werken. Mit dem bereits in dritter Verhandlungsrunde erzielten Kompromiss ist VW nach dem Teilabschluss bei der Deutschen Bahn und der Einigung beim Versorger RWE der dritte große Konzern im noch jungen Jahr mit einem Tarifergebnis.

Die Einigung gibt den Gewerkschaften in den anstehenden Tarifverhandlungen Rückenwind für die Forderung nach kräftigen Lohnerhöhungen - beispielsweise in der Hotelbranche, im Öffentlichen Dienst, im Baugewerbe oder bei der Deutschen Telekom. Die Gewerkschaft IG BCE etwa will zwischen sechs und sieben Prozent mehr Lohn herausholen und begründet dies mit guten Geschäftslage in der Chemieindustrie. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat Forderungen in dieser Höhe allerdings bereits als “illusionär” zurückgewiesen. Die Bahn zahlt rund 135.000 Beschäftigten bis Ende 2012 ungefähr fünf Prozent mehr, RWE hatte mit einer Einigung auf 3,4 Prozent mehr Lohn Streiks abgewendet.

Die Europäische Zentralbank nimmt die Tarifverhandlungen in diesem Jahr besonders aufmerksam unter die Lupe, weil sie fürchtet, dass starke Gehaltsaufschläge die Inflation anheizen.

VW-BESCHÄFTIGTE PROFITIEREN VON SPRUDELNDEN GEWINNEN

Die IG Metall bezeichnete den VW-Abschluss als tragfähigen Kompromiss, der die gute Geschäftslage bei Europas größtem Autobauer berücksichtige. VW-Personalvorstand Jochen Schumm sagte: “Unternehmen und IG Metall haben einen fairen Abschluss erzielt, der eine ordentliche Lohnerhöhung mit dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit verbindet.” Zu den Kosten des Abschlusses wollte er sich nicht äußern. Die VW-Mitarbeiter erhalten zum 1. Mai 3,2 Prozent mehr Geld. Zusätzlich bekommen sie einmalig ein Prozent ihres Jahresentgelts, mindestens jedoch 500 Euro. Damit liegt das Gesamtvolumen des Tarifabschlusses bei 4,2 Prozent. Der neue Haustarif hat eine Laufzeit von 16 Monaten.

Ursprünglich hatte die IG Metall angesichts sprudelnder Gewinn bei VW einen Lohnaufschlag von sechs Prozent mit einer Laufzeit von zwölf Monaten verlangt. VW bot zunächst 2,9 Prozent ab Juni und eine Einmalzahlung von 300 Euro. Bei der Laufzeit wollte sich Volkswagen am Branchentarif orientieren, der für 23 Monate gilt und für dieses Jahr eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 2,7 Prozent vorsieht. Die IG Metall handelt bei Volkswagen traditionell einen Haustarifvertrag für die Beschäftigten der sechs westdeutschen Werke aus. Der neue Abschluss soll auch für die Mitarbeiter bei mehreren Tochterunternehmen wie dem konzerneigenen Finanzarm gelten.

Den im Vergleich zur Metall- und Elektrobranche deutlich höheren Aufschlag begründete Schumm damit, dass der Flächentarifvertrag noch zu Krisenzeiten geschlossen worden sei. Inzwischen habe sich die Konjunktur erholt. Nach dem Flächentarifvertrag bezahlen die meisten anderen Autobauer und ihre Lieferanten ihre Beschäftigten. Hieran hatte VW erst 2006 mit der Rückkehr zur Fünf-Tage-Woche wieder den Anschluss gefunden.

Der neue VW-Haustarif endet am 31. Mai 2012 und damit bereits zwei Monate nach Auslaufen des Branchentarifvertrags. Bisher lagen zwischen beiden Tarifverträgen neun Monate. Von der Nähe zu den Branchentarifverhandlungen verspricht sich die Gewerkschaft Unterstützung bei der nächsten Tarifrunde. VW profitiert derzeit vom Nachfrageboom in China und den USA. Auch andere Autobauer kommen mit der Produktion kaum hinterher und legen Sonderschichten ein. Wie hoch der Gewinn von Volkswagen im vergangenen Jahr ausgefallen ist, steht noch nicht fest. Das will der Aufsichtsrat am 25. Februar bekanntgeben.

- von Jan Christoph Schwartz -

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