October 7, 2014 / 2:49 PM / 5 years ago

Tengelmann sagt Supermärkten adieu - Edeka greift zu

The logo of German supermarket chain Edeka is pictured out side a store in Berlin, May 29, 2013. REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY - Tags: BUSINESS)

Mülheim an der Ruhr (Reuters) - Der Traditionskonzern Tengelmann verabschiedet sich von seinen Supermärkten.

Nach 15 Verlustjahren in dem Geschäft zieht das Unternehmen die Reißleine und verkauft die Tochter Kaiser’s mit ihren 16.000 Mitarbeitern an den Rivalen Edeka. “Dies ist ein äußerst schmerzlicher und trauriger Tag”, sagte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub am Dienstag sichtlich bewegt in der Mülheimer Firmenzentrale. Seit 121 Jahren gehört die Kette zu dem Familienunternehmen. Am Morgen habe er die Belegschaft informiert: “Da sind Tränen geflossen.” Vom Ballast der Supermärkte befreit will Haub die übrigen Geschäfte der Gruppe um die Obi-Baumärkte und den Textil-Discounter KiK ausbauen.

Sollte das Kartellamt grünes Licht geben, käme es zu einer weiteren Groß-Fusion im hart umkämpften deutschen Lebensmittelhandel, der von wenigen Unternehmen dominiert wird. Bei einem Verbot durch die Behörde drohte Haub mit dem Aus für die Kette: “Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Schließung der Filialen.” Die Trennung von den Supermärkten komme ihm ein wenig wie eine “Beerdigung” vor.

Noch 1971 sei Tengelmann Deutschlands größtes Lebensmittel-Unternehmen gewesen, betonte der Konzernchef. Doch dem Angriff der Discounter hatte Kaiser’s mit den 451 Filialen und einem Jahresumsatz von rund 1,8 Milliarden Euro zu wenig entgegenzusetzen. Seit 15 Jahren häufen die zum Teil auch unter Tengelmann firmierenden Supermärkte Verluste an. Haub suchte eine Lösung, fand aber keinen Partner - auch im Ausland nicht. Der Verkauf sei “die letzte, am wenigsten gewollte Alternative”. Edeka soll die Kette mit allen Beschäftigten übernehmen. Man freue sich, den Kaiser’s-Mitarbeitern eine Zukunftsperspektive geben zu können, sagte Edeka-Chef Markus Mosa. Die Gewerkschaft Verdi forderte “umfassenden Schutz” der Beschäftigten.

Mit einem Marktanteil von nur 0,6 Prozent ist Kaiser’s Haub zufolge zu klein, um am deutschen Markt mit Rivalen wie Aldi, Lidl, der Metro-Tochter Real oder Rewe eine Chance zu haben. Neben den Supermärkten soll Edeka auch die Online-Tochter Tengelmann E-Stores GmbH mit den Portalen Plus.de und GartenXXL.de schlucken.

KARTELLAMT SCHAUT KRITISCH HIN

Die Transaktion, die zum 30. Juni 2015 über die Bühne gehen soll, steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung. Behördenchef Andreas Mundt betonte, schon die jetzige Konzentration am Lebensmittelmarkt sei ein Problem. Das Amt hatte Übernahmen im Einzelhandelsmarkt in den vergangenen Jahren genau unter die Lupe genommen. Zuletzt hatte es große Konzerne vor dem Ausbau ihrer Marktmacht gewarnt. Edeka, Rewe, Aldi sowie die Schwarz-Gruppe mit den Lidl-Märkten und Kaufland kontrollierten rund 85 Prozent des Marktes, beklagte Mundt Ende September. Die Großen hätten gegenüber kleinen Konkurrenten deutliche Vorteile beim Einkauf - sie können die Preise drücken. Haub stellt sich vor diesem Hintergrund auf eine vertiefte, viermonatige Prüfung ein. Bis zum Frühjahr erwarte er eine Entscheidung, etwaige Auflagen müssten dann umgesetzt werden.

Filialen der Tengelmann-Kette finden sich nicht in der ganzen Republik. Kaiser’s Tengelmann beschränkt das Geschäft auf die Regionen Nordrhein, München und Oberbayern sowie Berlin und das Umland der Hauptstadt. Die Konzentration von Edeka-Märkten dort werde durch die Übernahme “nicht signifikant zunehmen”, betonte Mosa auch mit Blick auf das Kartellamt.

Edeka ist einer der Platzhirsche am Markt. 2013 erzielte das Unternehmen mit rund 11.600 Märkten und 327.900 Mitarbeitern einen Umsatz von 46,2 Milliarden Euro. Rivale Rewe kam konzernweit auf 50,6 Milliarden Euro. Tengelmann ist deutlich kleiner. Zur Unternehmensgruppe gehören unter anderem die Baumarktkette Obi und der Textilhändler KiK. Das Geschäftsjahr 2013 hatte die Tengelmann-Gruppe mit einem Umsatz von 7,82 Milliarden Euro abgeschlossen. Haub hat in der Vergangenheit aber auch in Geschäfte abseits des traditionellen Einzelhandels investiert. Tengelmann hält etwa rund fünf Prozent der Anteile des Online-Händlers Zalando, der vergangene Woche an die Börse gegangen ist. Seit der Platzierung haben die Aktien allerdings rund 20 Prozent an Wert verloren.

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